Eingeübte Mobilitätspraktiken sind veränderbar

Jänner 2018

Soziologin Beate Littig über die Aufgabe der Politik, Anreize und niederschwellige Gelegenheitsstrukturen für die Änderung von individuellen Mobilitätsroutinen zu schaffen.

Um eine sozial-ökologische Transformation der Mobilitätspraktiken in Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben, ist es notwendig, an vielen Stellschrauben gleichzeitig zu drehen. So braucht der Öffentliche Verkehr eine deutlich attraktivere Infrastruktur, was Angebot, Taktung oder Erreichbarkeit – vor allem im ländlichen Raum – betrifft. Auch die Aufklärung über die gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Vorteile von Radfahren und Gehen – und über die Nachteile des Autoverkehrs – muss verbessert werden. Sowohl der Einsatz von Sanktionen für klimaschädliches Mobilitätsverhalten, zum Beispiel  Kostenwahrheit, das heißt Verteuerung des individuellen Autoverkehrs, des Parkens, als auch Belohnungen für die Nutzung umweltverträglicherer Alternativen, wie günstige öffentliche Verkehrsmittel, sind ebenso nötig wie ein positives Feedback über die Effekte dieses Verhaltens, wie CO2-Einsparungen oder Kalorienverbrauch durch Radfahren.

Routiniertes Mobilitätsverhalten durch Anreize  aufbrechen

Mobilitätspraktiken sind in der Regel routinierte Verhaltensweisen. Um Routinen zu verändern, bedarf es niederschwelliger Gelegenheitsstrukturen und Anreize, Neues auszuprobieren. Deshalb ist es die Aufgabe von Politik, nicht nur umwelt-und sozialverträgliche Rahmenbedingungen zu schaffen, sondern auch großflächige eventhafte Experimente zu ermöglichen, etwa autofreie Sonntage im Zentrum der Städte oder autofreie Zonen über mehrere Wochen. Appelle an den guten Willen oder die Vernunft allein sind keinesfalls ausreichend. Eine besonders zu fördernde Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche. Buben und Mädchen frühzeitig Fahrrad fahren beizubringen, zum Fahrradfahren zu ermutigen und den Zugang zu Fahrrädern gleichermaßen zu ermöglichen, ist jedenfalls eine sinnvolle gesellschaftliche Investition in eine nachhaltige mobile Zukunft.

Zur Autorin: Beate Littig forscht am Institut für höhere Studien (IHS) zum Thema sozial-ökologische Transformation

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VCÖ: Zahl der Verkehrstoten ist im 1. Halbjahr stark zurückgegangen – aber bereits 130 Todesopfer

VCÖ (Wien, 1. Juli 2024) – Die Zahl der Verkehrstoten ist heuer im 1. Halbjahr um 27 Prozent zurückgegangen, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Seit Jahresbeginn kamen in Österreich 130 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, um 49 weniger als im 1. Halbjahr 2023. In keinem einzigen Bundesland nahm die Anzahl der im Straßenverkehr tödlich Verunglückten zu. Im Vorjahr war die Zahl der Verkehrstoten im zweiten Halbjahr um ein Viertel höher als im 1. Halbjahr. Mit verstärkten Verkehrssicherheitsmaßnahmen kann die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden weiter reduziert werden, betont der VCÖ.

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Foto: Sarah Duit