Neue EU-Grenzwerte für bessere Luftqualität rasch in Österreich umsetzen

Von Helena Schuch (VCÖ - Mobilität mit Zukunft), Mai 2024

Saubere Luft ist eine der wichtigsten Grundlagen für unsere Gesundheit. Genauso wie die Qualität von Wasser und Nahrung ist auch die Luftqualität für ein gesundes Leben entscheidend. Luftverschmutzung hat gravierende Folgen: Weltweit ist Luftverschmutzung das viertgrößte Risiko für verfrühte Todesfälle, nach Bluthochdruck, Ernährungsproblemen und Rauchen.1 In der EU ist verschmutzte Luft das größte Umweltgesundheitsrisiko.2

Vergangene Woche hat das EU-Parlament einen wichtigen Meilenstein für bessere Luftqualität gesetzt. Die neue Luftqualitätsrichtlinie gibt für Luftschadstoffe niedrigere Grenzwerte vor. Für Stickstoffdioxid NO2 sinkt der Jahresgrenzwert von 40 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Für Feinstaub PM10 wird der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel auf 20 reduziert, für den noch gesundheitsschädlicheren Feinstaub PM2,5 von 25 auf 10 Mikrogramm pro Kubikmeter.3

Diese Grenzwerte gelten ab dem Jahr 2030.4 Doch aus Gesundheitssicht ist es wichtig, die Luftqualität rascher zu verbessern. Denn je mehr Schadstoffe in der Atemluft sind, umso mehr gelangen in unseren Körper, in den Blutkreislauf, in unsere Organe.

Handlungsbedarf besteht in allen Bundesländern in Österreich: In jedem Bundesland wird zumindest ein künftig geltender Grenzwert überschritten, meist mehrere.

Luftschadstoffe durch Verkehr sind großes Gesundheitsrisiko

Der Verkehr ist eine der Hauptursachen für Luftverschmutzung. Durch Abrieb von Reifen, Asphalt und Fahrbahnmarkierungen sind Kfz für mehr als die Hälfte des Feinstaub in Form von Mikroplastik verantwortlich.5 Bei den Stickoxiden verursacht der Verkehr, insbesondere Dieselfahrzeuge, fast die Hälfte der Emissionen.6 Stickoxide begünstigen außerdem die Bildung von gesundheitsschädlichem Ozon. Feinstaub kann unter anderem zu Herz- und Lungenerkrankungen führen sowie das Fortpflanzungssystem negativ beeinflussen. Stickoxide und Ozon erhöhen das Risiko für Atemprobleme, für eine reduzierte Lungenkapazität und für Asthma. Laut europäischer Umweltagentur gab es in Österreich allein im Jahr 2020 3.200 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub (PM2,5) und 810 vorzeitige Todesfällen durch Stickoxide.7 Durch Verkehrsbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie war die Belastung geringer. Im Jahr 2019 gab es in Österreich sogar 5.750 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub (PM2,5) und Stickoxide.

Der Verkehr kann und muss als großer Verursacher von Luftverschmutzung auch einen entsprechend großen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität leisten. Der Umstieg von Diesel-Fahrzeugen auf Elektro-Fahrzeuge reduziert die Stickoxid-Emissionen enorm und auch die Feinstaub-Emissionen, da elektrisch angetriebene Fahrzeuge beim Fahren keine Luftschadstoffe ausstoßen. Feinstaub durch Brems- und Reifenabrieb wird aber auch von Kfz mit Elektromotor verursacht. Deshalb ist es gerade für die Luftqualität in den Städten so wichtig, kürzere Autofahrten verstärkt auf Gehen und Radfahren zu verlagern. Viele Maßnahmen, die unsere Mobilität klimaverträglicher machen, verbessern auch die Luftqualität und reduzieren zusätzlich nachhaltig Staus.8,9

Österreich muss noch viel für eine gesündere Luft tun

Wie bereits oben erwähnt, wurden im Jahr 2022 in vielen Bundesländern die künftigen Grenzwerte der EU nicht eingehalten. Der künftige Jahresmittelwert für PM2,5 wurde nur im Land Salzburg und in Vorarlberg an keiner Messstelle überschritten.10,11

Verstärkte Maßnahmen zur Reduktion der Luftschadstoffe in Österreich sind umso dringlicher, als auch die künftig besseren Grenzwerte der EU nach wie vor über den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO liegen. Gerade für empfindliche Gruppen, wie Schwangere, Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen, die schon an Asthma und Atemwegserkrankungen leiden, ist es wichtig, die Luftverschmutzung zu reduzieren. Die WHO-Richtwerte orientieren sich daran, auch diese Gruppen zu schützen.12

Je früher die Schadstoffbelastung gesenkt wird, umso besser für die Gesundheit der Bevölkerung.

Rasche Umsetzung im IG-L für wirksamen Gesundheitsschutz

Österreich muss die neuen Grenzwerte in den nächsten zwei Jahren in nationales Recht umsetzen. Hierbei können und sollten im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung in Österreich niedrigere Grenzwerte im Immissionsschutzgesetz (IG-L) festgelegt werden.

Wirksame Maßnahmen für eine gesündere Luftqualität sind beispielsweise Begrenzungen im Lkw-Transit, Zero-Emission-Zones, niedrigere Tempolimits, die Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene und die Förderung aktiver Mobilität, etwa durch Verkehrsberuhigung im Ort sowie durch die raschere Verbesserung der Rad-Infrastruktur in Städten und Regionen. Es lohnt sich, diese und weitere Maßnahmen umzusetzen. Denn Gesundheit ist unser wichtigstes Gut.

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Foto: Sarah Duit