Regionalbahnen – eine wichtige Säule klimaverträglicher Mobilität

Von Katharina Jaschinsky (VCÖ - Mobilität mit Zukunft), Februar 2024

Regionalbahnen ermöglichen leistungsstarke und umweltfreundliche Verbindungen zwischen Zentren und ländlichem Raum. Damit sind sie für die Mobilitätswende von hoher Bedeutung. Menschen vor Ort, Pendlerinnen und Pendler sowie die lokale Wirtschaft profitieren.  

Regionalbahnen weisen im Vergleich zu Bussen zahlreiche Vorteile auf: hoher Komfort, kurze Umsteigewege und eine hohe Kapazität zu Spitzenzeiten sowie in Ballungsräumen. Typische moderne Regionalbahnfahrzeuge bieten 150 bis 250 Sitzplätze.1,2 Umso mehr schmerzt es, dass von den ursprünglich rund 4.000 Kilometer Regionalbahnen in Österreich heute nur mehr rund 2.300 Kilometer in Betrieb sind. Die zahlreichen Schließungen im vergangenen und Anfang dieses Jahrhunderts haben die Autoabhängigkeit in den Regionen erhöht und kommen der Bevölkerung und der Umwelt teuer.

Regionalbahnen mit besserer Klimabilanz

Die Umweltbilanz von Regionalbahnen ist abhängig vom Antrieb und der Erzeugung der Energie. Aktuell verkehren beispielsweise auf der Kamptalbahn in Niederösterreich pro Zug bis zu vier gekuppelte Dieseltriebwagen, die in den Stoßzeiten im Schnitt rund 240 Fahrgäste transportieren. Der Dieselzug ersetzt beim durchschnittlichen Pkw-Besetzungsgrad damit rund 210 Autos.3 Während ein Personenkilometer im Pkw beim Fahren im Schnitt 146 Gramm an CO2-Emissionen verursacht, sind es im Dieselzug 51 Gramm und damit um zwei Drittel weniger.4 Ab dem Jahr 2028 sollen auf der Kamptalbahn Akku-Triebzüge eingesetzt werden.5 Ab dann gehen im Betrieb die CO2-Emissionen gegen null, wenn der Bahnstrom aus erneuerbarer Energie kommt.

Grafik: VCÖ 2023
Grafik: VCÖ 2023

Geringer Energiebedarf

Mit der Umstellung von Dieselzügen auf elektrische Triebwagen sinkt der Energiebedarf aufgrund des hohen Wirkungsgrads und der Zurückgewinnung von Bremsenergie um 90 Prozent. Ein Pkw braucht im Vergleich pro Personenkilometer etwa 30-mal so viel Energie. Am effizientesten sind Oberleitungszüge, sie haben einen Wirkungsgrad von rund 80 Prozent. Die Energiespeicherung in einem Akku reduziert den Wirkungsgrad auf etwa 70 Prozent. Wasserstoffzüge erreichen nur 25 Prozent Wirkungsgrad. Dieselloks schneiden mit einem Wirkungsgrad zwischen 10 und 15 Prozent am schlechtesten ab.6

Regionalbahnen stärken die lokale Wirtschaft

Regionaler Bahnverkehr ist auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Eine Studie für die stark regional und mit Fokus auf Tourismusverkehr arbeitenden Niederösterreich Bahnen weist für jeden direkten Euro Wertschöpfung 2,8 Euro zusätzliche Wertschöpfung für die Volkswirtschaft aus.7 Bei dezentraler Organisation können damit auch Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen geschaffen und Pendelwege verkürzt werden. So ist das Betriebszentrum der Mariazellerbahn einer der größten Arbeitgeber im oberen Pielachtal.8

Direktverbindungen als Erfolgsfaktor

Initiativen zum Neu- oder Ausbau von Regionalbahnen müssen primär von den jeweiligen Regionen ausgehen. Als wesentlicher Erfolgsfaktor gilt, dass die Menschen ohne Umsteigen ans Ziel kommen. Möglich machen das zwei Konzepte: Stadt-Regio-Trams und Flügelzüge. Stadt-Regio-Trams sind Überland-Regionalbahnen, die als Straßenbahn direkt in das Stadtzentrum führen. Beispiele dafür sind die Badner Bahn oder die Traunseetram.9

Flügelzüge sind erst gemeinsam unterwegs, bevor sie nach der Trennung in einem Knotenbahnhof auf unterschiedlichen Strecken weiter bis an ihre jeweiligen Ziele fahren. Flügelzüge gibt es etwa von Wien ins Nordburgenland. Ein weiteres Erfolgsbeispiel des umsteigefreien Flügelns bietet die Bayerische Regiobahn. Aus München führen drei Zugteile gemeinsam hinaus, die danach getrennt nach Lenggries, Tegernsee und Bayrischzell fahren.10

Je mehr Standbeine eine Regionalbahn hat, desto effizienter kann die Infrastruktur genutzt werden. Die Auslastung lässt sich etwa mit Sonderfahrten zu Veranstaltungen und planmäßigem touristischen Verkehr gezielt am Wochenende und in den Ferien erhöhen. Das schafft zusätzliche Wertschöpfung in der Region. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung für den Güterverkehr durch regionale Unternehmen und für den Transport land- und forstwirtschaftlicher Produkte, was auch Ortsdurchfahrten von Lkw-Verkehr entlastet.

Regionalbahnen sind eine wichtige Säule für eine klimaverträgliche Mobilität und schaffen für die Bevölkerung und die Wirtschaft in den Regionen einen vielfachen Nutzen.

Mehr Informationen zum Thema bietet auch die VCÖ-Publikation „Bessere Mobilität für die Regionen“.


Quellen

1: ÖBB-Personenverkehr AG: ÖBB Cityjet – Der Desiro ML – der Komfortzug im Nahverkehr. URL – Stand 19.09.2023
2: Wikipedia: ÖBB 4023/4024/2124. URL – Stand 19.09.2023
3: Preslmayr T. (2023): Eigene Berechnungen im Rahmen eines Projekts für Siemens Mobility, FH St. Pölten.
4: Preslmayr T. (2023): Eigene Berechnungen basierend auf Umweltbundesamt: Emissionskennzahlen. Wien: 2021. URL – Stand 30.07.2023
5: Der Standard: ÖBB bestellt bis zu 120 Akkutriebzüge bei Stadler. URL – Stand 19.09.2023
6: ARGE Klimarat: Klimaneutralität bis 2040: Die Empfehlungen. Klimarat der Bürgerinnen und Bürger. Wien: 2022. URL – Stand 13.09.2023
7: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung: Studie belegt regionalwirtschaftliche Bedeutung der Niederösterreich Bahnen. URL – Stand 19.09.2023
8: Niederösterreichische Nachrichten: Die „Himmelstreppe“ ist startbereit. URL – Stand 19.09.2023
9: Fachhochschule St. Pölten: Otfried Knoll bei Eröffnung der Traunseetram. URL – Stand 19.09.2023
10: Transdev GmbH: Streckennetz. URL – Stand 19.09.2023


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