Aus der Praxis - Rebecca Karbaumer

Verkehrsmittel dürfen auch Spaß machen

Rebecca Karbaumer, Projektkoordinatorin für nachhaltige Mobilität der Stadt Bremen

VCÖ-Magazin:  Was braucht es, um Shared Mobility zu einem zentralen Mobilitätsfaktor zu machen?

Rebecca Karbaumer: Noch ziemlich viel, denn das private Auto - oder der Dienstwagen - wird staatlich noch immer stark subventioniert, während Shared Mobility größtenteils eigenwirtschaftlich betrieben werden muss. Dabei kann
Shared Mobility, wie etwa das stationsbasierte Carsharing einen erheblichen Beitrag zur Verkehrswende sowie zur Reduktion des Platzbedarfs abgestellter Autos leisten. Auch Bikesharing und Transportrad-Sharing können Autoabhängigkeit reduzieren und die Fahrradnutzung stärken. Das heißt, sie leisten einen öffentlichen Mehrwert. Wenn Städte ernsthaft davon profitieren möchten und Shared Mobility-Formen auch fördern wollen, dann sollten sie an erster Stelle dafür Platz schaffen –
im öffentlichen Raum sowie in den verkehrsplanerischen Strategien der Stadt. Wer es richtig ernst meint, greift auch dafür - zumindest für eine Zeit - in die Tasche. Es ist auch ein Umdenken weg vom Besitzen hin zum Nutzen erforderlich.

VCÖ-Magazin: Fehlt es der nachhaltigen Mobilität am Spaßfaktor?

Rebecca Karbaumer: Die Automobilindustrie wirbt für ihr Produkt schon lange auf der emotionalen Ebene. Wieso sollten wir das hinsichtlich der nachhaltigen Mobilität nicht auch tun können? Die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen ist ein wichtiges Ziel der nachhaltigen Mobilität, aber um ehrlich zu sein, ist es nicht das, was unsere täglichen Mobilitätsentscheidungen beeinflusst. Die Wege und die Verkehrsmittel, die wir nutzen, müssen flexibel, bequem und bezahlbar sein - und auch Spaß machen.

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VCÖ: In den Niederlanden kommen bereits zwei Drittel der Fahrgäste zu Fuß oder per Rad zum Bahnhof

VCÖ (Wien, 16. Mai 2024) – Eine gute Erreichbarkeit der Bahnhöfe und Bushaltestellen zu Fuß und mit dem Fahrrad erhöht die Anzahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs. Das zeigen internationale und nationale Beispiele, die heute bei der VCÖ-Fachkonferenz präsentiert wurden. In einem verkehrsberuhigten Umfeld steigt die Bereitschaft, längere Strecken zu Fuß zu gehen, der Einzugsbereich von Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs verdreifacht sich dadurch. Während in Österreich rund 40 Prozent der Fahrgäste zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen, sind es in den Niederlanden bereits 68 Prozent.

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Foto: Sarah Duit