Home-Office, Videokonferenzen und Mobilität

Der Weg zur Arbeit wird überdurchschnittlich oft per Auto zurückgelegt. Dienstreisen mit dem Flugzeug wurden durch Videokonferenzen ersetzt. Die Covid-19-Pandemie änderte viele Gewohnheiten. Werden die arbeitsbedingten Wege klimaverträglicher?

Von Susanne Wolf

Vor der Covid-19-Pandemie des Jahres 2020 wurden in Österreich 60 Prozent der Arbeitswege mit dem Auto zurückgelegt, aber nur 47 Prozent der Alltagswege. Und zu den Arbeitswegen kommen noch die ebenfalls häufig klimaschädlich zurückgelegten Dienstreisen. Im Jahr 2018 wurden in Österreich 46 Prozent aller Geschäftsreisen im In- und Ausland mit dem Auto und 23 Prozent mit dem Flugzeug zurückgelegt.

Videokonferenzen statt Dienstreisen

Das Management der Allianz Versicherung versucht mit positivem Beispiel voranzugehen: „Im Jahr 2019 konnten durch Dienstreisen mit der Bahn statt mit Flugzeug oder Auto 177.100 Kilogramm CO2-Emissionen vermieden werden“, sagt eine Sprecherin. Auch Videokonferenzen werden vermehrt eingesetzt. „Früher war ich jeden Tag im Büro, weil ich so viele Termine hatte, jetzt erledigen wir Meetings per Videokonferenz“ erzählt Silke Zettl, Head of Market Management bei der Allianz Versicherung. Seit Beginn der Covid-19-Pandemie arbeitet sie drei Tage im Home-Office und zwei Tage im Büro. Der Lockdown war für die Managerin eine Herausforderung: „Mein Mann und ich arbeiteten zuhause und daneben betreuten wir unsere fünfjährige Tochter. Irgendwie haben wir es geschafft, gleichzeitig eine Telefonkonferenz abzuhalten, Fischstäbchen zu backen und den Disneychannel zu installieren.“ Mittlerweile hat sich die Aufteilung zwischen Büro und Home- Office eingespielt, der Kindergarten ist wieder geöffnet. Der persönliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen bleibt der Managerin jedoch ein Anliegen. Für den Weg zur Arbeit nützt sie öffentliche Verkehrsmittel oder das eigene Elektro-Auto. „Bei meiner Garage wurde eine E-Ladestation installiert.“ Bei einer österreichweiten Befragung der Allianz Versicherung hat sich eine große Mehrheit der Beschäftigten dafür ausgesprochen, die Aufteilung zwischen Büro und Home-Office beizubehalten.

Was fehlt im Home-Office?

Durch den Lockdown in der Covid- 19-Pandemie wurde es ganz kurzfristig für viele notwendig, auf Home-Office und Videokonferenzen umzusteigen. Laut einer Studie des deutschen Fraunhofer-Instituts sind rund 80 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zufrieden im Home- Office. Allerdings empfinden 34 Prozent der Frauen Produktivitätseinbußen, gegenüber nur 20 Prozent der Männer – was vor allem mit der Ungleichverteilung der Kinderbetreuung zusammenhängt. Auf die Frage „Was fehlt im Home- Office?“ antworteten die Befragten, dass am meisten der persönliche (85 Prozent) und fachliche Austausch (66 Prozent) fehle. Was überrascht, ist, dass etwa 20 Prozent angeben, den Weg zur Arbeit zu vermissen. Das mag daran liegen, dass dieser Weg auch für entspannende Dinge wie Lesen oder Musikhören genutzt wird, wie die Studienautorinnen und Studienautoren vermuten. Allerdings kann Home-Office in Österreich nicht einfach einseitig angeordnet werden, wie der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) feststellt, sondern muss zwischen Unternehmen und Beschäftigten vereinbart werden. Derzeit gebe es keine konkreten arbeitsrechtlichen Regeln für Home-Office. „Es muss rasch umgesetzt werden, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Home-Office durch die Unfallversicherung besser geschützt sind“, fordert ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Laut einer aktuellen Studie von Greenpeace könnte in Deutschland der CO2-Ausstoß des Verkehrs um 5,4 Millionen Tonnen reduziert werden, wenn 40 Prozent der Beschäftigten dauerhaft an zwei Tagen pro Woche von zu Hause arbeiten. Aber nur dann, wenn die Möglichkeit von Home-Office nicht dazu führt, dass die Beschäftigten vom Arbeitsort weiter weg ziehen. „Für solche Rebound-Effekte bräuchte es langfristige Panelstudien, um diese adäquat abzubilden“, sagt Karl Steininger, der an der Universität Graz ein Projekt zu Telearbeit durchführt. Vor der Covid-19-Pandemie konnten Reduktionen der Verkehrsemissionen durch Telearbeit nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Bank als Vorbild

Eine wachsende Zahl an Unternehmen reduziert bereits durch Mobilitätsmanagement erfolgreich die Autonutzung für die Arbeitswege. So hat die BKS Bank im Jahr 2018 mit 578 Videokonferenzen rund 290.000 Dienstreise-Kilometer vermieden, 2019 waren es mit 710 Videokonferenzen sogar 372.000 vermiedene Kilometer. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auch ,Eco-Points‘ sammeln“, erklärt Herta Stockbauer, Vorstandsvorsitzende der BKS Bank. „Abhängig davon, ob der Weg zur Arbeit zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Öffis oder in einer Fahrgemeinschaft erfolgt, werden Punkte gesammelt, die gegen Geschenke eingetauscht werden können.“ Auf diese Weise werde das Bewusstsein für eine nachhaltige Mobilität am Arbeitsweg gefördert.

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Bild der Mobilitätszentrale "Mobilito"

Vielfältiges Mobilitätsangebot am Arbeitsweg wirkt

Seit Oktober 2021 setzt Blum mit rund 7.000 Beschäftigten betriebliches Mobilitätsmanagement um. Das Angebot umfasst Jobräder, Job- und Schnuppertickets, Umstellung auf einen E-Fuhrpark, ein Öko-Punktesystem sowie Bewusstseinsbildung. Jobräder und Jobtickets werden gefördert, wenn auf den Pkw-Stellplatz verzichtet wird.

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