Mit Bahn und Bus ausfliegen

Mit dem Bus in die Natur – und zurück: Wenn das lokale Buslinien-Netz auch am Wochenende gute Verbindungen bietet, ermöglicht das sowohl Einheimischen als auch Gästen klimaverträgliche Ausflüge.

Eine entspannende Bahnfahrt nach einer Wanderung oder am Weg zum Museum. Der Blick durch das Busfenster auf die vorbeiziehende Landschaft. Im Öffentlichen Verkehr kann oft auch die Hin- und Rückreise eines Ausflugs zu einem Teil von Erlebnis und Erholung werden.

Von Loris Knoll

Wer die Natur genießen möchte oder Abwechslung zum Stadtleben sucht, will kaum von einem großen Parkplatz aus starten. Wie etwa am Plateau der Hohen Wand in Niederösterreich, wo sich anstatt eines Linienbusses schon seit Jahren nur volle Parkplätze finden. Viel erfreulicher ist es, vom Zug – fast direkt – ans Seeufer zu gelangen, wie in Bregenz gleich bei Hafen und Festspielhaus und am Ossiacher See, oder mit dem Linienbus zu einem Talschluss gebracht zu werden wie im Lungau.

Angebot schafft Nachfrage

In vielen Regionen wie dem Ötztal, in Lech oder auch auf die Vorarlberger Laguzalpe haben sich auf Ausflüge fokussierte Öffiangebote über die Jahre etabliert, und sind nicht mehr wegzudenken. Umfassendes Mobilitätsmanagement kann nachhaltig finanzierte Öffi-Angebote für den Freizeitverkehr als wesentlichen Bestandteil eines Gesamtverkehrskonzepts einer Region ermöglichen und verkehrsbedingte Beeinträchtigungen der Landschaft vermeiden. Werbung verspricht oft mehr als sie hält, beim Öffentlichen Verkehr ist es mitunter umgekehrt: Gute Angebote warten mangels Bewerbung auf größere Bekanntheit, und werden dann mitunter wieder eingestellt. Ergänzende Angebote zu entlegeneren Zielen wie Sammeltaxis, etwa zum Weißensee-Ostufer, fehlen oft in Fahrplanauskünften. Das Interesse am Thema steigt, die Verkehrsverbünde bieten anknüpfend an ihre Freizeittickets Online-Ausflugstipps, neuerdings beim VOR in der Ostregion direkt auf der Startseite, etwa für einen Ausflug von Wien in die Hagenbachklamm. Die Steiermark war hier vor vielen Jahren schon Vorreiterin und in Salzburg kann auf der Website www.salzburg-erfahren.at zu Ausflugsvorschlägen gleich die Anreise zur gewünschten Uhrzeit abgefragt werden.

Auf tausende Wandertouren online zugreifen

Ein großer Wurf gelang der Initiative „Bahn zum Berg“ mit der neuen Bergtouren-Suchmaschine „Zuugle“. Diese stellt zu den Wandertouren der angebundenen Onlineplattformen die öffentliche Anreise dazu und macht so Öffi-Touren daraus. „Die vorgeschlagenen Fahrpläne und Fußwege von der Haltestelle zur Tour und zurück sind so angepasst, dass es zum Beispiel möglichst viele Rückfahrtoptionen gibt und dass die Tour bei Tageslicht durchgeführt werden kann“, erklärt Veronika Schöll von „Bahn zum Berg“. Zum Start wurden auf www.zuugle.at bereits über 3.000 Wandertouren aufbereitet – im Laufe des Jahres 2022 sollen es noch mehr werden. Es wird klar, dass eine Anreise mit dem Öffentlichen Verkehr nicht nur gut machbar ist, sondern auch zusätzliche Vorteile wie Überschreitungen von Bergen ermöglicht, da im Gegensatz zur Autoanreise nicht zum abgestellten Auto zurückgewandert werden muss.

Von Schloss zu Schloss

Menschen wollen oft mehrere Ziele im Rahmen eines Ausflugs verbinden. Dies gelingt auch im Öffentlichen Verkehr immer öfter, wenn es genügend gut merkbare und aufeinander abgestimmte Verbindungen gibt. So verbindet eine neue Buslinie seit heuer direkt das Römerland in Bad Deutsch-Altenburg mit March-egg, wo im Schloss die Nieder-
österreichische Landesausstellung 2022 „Marchfeld Geheimnisse“ stattfindet, jeweils mit guten Bahnanschlüssen aus Wien. Statt sich zwischen Carnuntum, Schloss Niederweiden, Schloss Hof oder Schloss Marchegg entscheiden zu müssen, können nun mehrere dieser Sehenswürdigkeiten am gleichen Tag besucht werden. „In den letzten Jahren konnten wir durch die Umsetzung integrierter Taktverkehre im Bus- und Bahnbereich ein stark ineinandergreifendes Gesamtsystem Öffentlicher Verkehr entwickeln. Auf dieser Basis haben sich die möglichen Verbindungen im Öffentlichen Verkehr praktisch potenziert, womit wir nun neben den klassischen Fahrgastgruppen im Berufs- und Bildungspendelverkehr  verstärkt Kundinnen und Kunden für die Alltags- und Freizeitmobilität ansprechen können“, so Karin Zipperer, Geschäftsführerin des VOR Verkehrsverbundes Ost-Region.

„Der Aspekt der Nachhaltigkeit gewinnt als Entscheidungsfaktor für die Destinationswahl für viele potenzielle Gäste stetig an Bedeutung.  Mit Bus und Bahn lässt es sich vielerorts unbeschwert und umweltfreundlich reisen“, ergänzt Niederösterreichs Tourismus-Landesrat Jochen Danninger. Tipps für Tagesausflüge und für Kurzurlaube in Niederösterreich gibt es online unter www.niederoesterreich.at/autofrei.

In der Steiermark ist der Linienbus zur Riegersburg jetzt auch am Wochenende unterwegs und fährt direkt zum Burglift. Auch zum Grünen See soll bald direkt ein Bus fahren. „Wir etablieren den Freizeitverkehr neben dem Schul- und Pendelverkehr weiter als drittes Standbein im Öffentlichen Verkehr. Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Grünen See und der Schmelz auch in diesem Jahr wieder neue Ziele anbieten können“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang.

Gute Angebote machen flexibel

Manchmal lohnt es sich auch, den Ausflug nicht durchzuplanen und sich spontan von entdeckten „Platzerln“ oder Geheimtipps der örtlichen Wirtin zu Badeplätzen, Aussichtspunkten oder Museen wie dem Frauenmuseum Hittisau leiten zulassen. Hier hilft es, wenn das lokale Liniennetz auch am Wochenende in Betrieb ist und für Ausflüge sowohl von Einheimischen als auch Gästen genutzt werden kann. Wer nach einem Besuch der Myrafälle mit dem Bus am Bahnhof Pernitz ankommt, kann den Zug nach Wiener Neustadt nehmen oder mit dem Bus zum Schneeberg fahren oder am Halssattel aussteigen, wo im Zuge einer Straßensanierung eine Haltestelle an einer Kreuzung von Wanderwegen errichtet wurde. Solche Angebote sind ein Vorbild für andere Regionen, die noch Aufholbedarf haben.

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VCÖ zu Regionalbahnstudie: Mehr Bahn und Bus für Österreichs Regionen!

VCÖ (Wien, 19.  September 2023) - Die Bevölkerung in Österreichs Regionen braucht mehr Bahn- und auch Busverbindungen, stellt die Mobilitätsorganisation VCÖ zur heute von Greenpeace veröffentlichten Regionalbahnstudie des deutschen Wuppertal-Instituts fest. Die Studie zeigt, dass seit dem Jahr 1995 das Schienennetz in Europa um mehr als 15.000 Kilometer geschrumpft ist, in Österreich um mehr als 650 Kilometer. Der VCÖ weist darauf hin, dass ein gutes öffentliches Verkehrsangebot nicht nur die CO2-Emissionen reduziert, sondern auch die Mobilitätsausgaben für die Bevölkerung.

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Gemeinde setzt Maßnahmenbündel für Mobilität um

Bereits im Jahr 2014 setzte die Marktgemeinde Wolfurt in Vorarlberg erstmals in Österreich eine Begegnungszone auf einer Landesstraße im Ortszentrum um. Weitere kamen bei einem Kindercampus sowie einem Wohngebiet dazu. Regelmäßig gibt es Jobrad- und Rad-Service-Aktionen für Gemeindebedienstete. Seit dem Jahr 2019 gibt es zwei öffentliche Carsharing-Autos. Gemeinsam mit sechs anderen Gemeinden wurde regionales Parkraummanagement umgesetzt, das auch Parkvorgänge der Gemeindebediensteten umfasst. Durch ein digitales Punktesystem werden diese zudem zu klimaverträglichen Arbeits- und Dienstwegen angeregt.

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