Mit der Bahn in den Urlaub nach Österreich

Belebter Bahnhof

Noch reisen die meisten Gäste mit dem Auto nach Österreich. Doch die Erreichbarkeit per Bahn wird immer mehr zum Thema. Vor allem Jüngere nehmen das Angebot einer klimaverträglichen Anreise zum Tourismusort gerne an.

von Doris Neubauer

Rund acht Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen entfallen auf den Tourismus. Wie hoch der Anteil in Österreich ist, dazu „fehlt es an harten Zahlen”, erklärt Finanzwissenschafter Robert Steiger, Mitglied des Forschungszentrums Tourismus und Freizeit an der Universität Innsbruck. Schätzungen zufolge liegt der Anteil hierzulande wegen des starken Tourismus wahrscheinlich um einiges höher. Fest steht: „Die meisten Emissionen gibt es in der An- und Abreise der Gäste.“ 75 Prozent kommen nämlich mit dem Pkw zum Urlaubsort nach Österreich. Das ergab im Jahr 2021 der Special Report „Tourismus & Klimawandel“ des Austrian Panel on Climate Change.

Umstieg auf Bahn ist größter Hebel für Klimabilanz

Um den Tourismus klimaverträglicher und damit zukunftsfähig zu gestalten, sei der Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel wie die Bahn „momentan der größte Hebel“, erklärt Steiger. Allerdings auch ein Hebel, wo der Tourismus selbst wenig Durchgriff und Macht hat. „Die Gäste müssen mitspielen“, weiß der Forscher.

Dass Urlaubsgäste Gewohnheitstiere sind, kann Leo Bauernberger, seit dem Jahr 2002 Geschäftsführer der SalzburgerLand Tourismus Gesellschaft, bestätigen. Die Zeiten, in denen nur drei bis vier Prozent aller Urlaubenden mit Bahn oder Bus angereist sind, seien zwar vorbei. „Jetzt sind es je nach Region zwischen 10 und 13 Prozent“, nennt er Zahlen. Im städtischen Bereich oder auch in Regionen wie dem Gasteinertal, wo die Gäste von der Bahn über eine Brücke direkt zur Skipiste gelangen, seien es sogar bis zu 30 Prozent. Doch dieser Anstieg kommt nicht von allein: „Jedes Prozent muss mit großem Aufwand bewegt werden“, spricht er von einer „zähen Masse“. Während Jüngere flexibel und motiviert für Neues seien, sei das bei anderen noch nicht der Fall.

Angebot und Informationskampagnen sind wichtig

Am fehlenden öffentlichen Verkehrsangebot scheitert es in Salzburg nicht: „Wir haben das Glück, dass allein aus dem Osten täglich 65 Züge ins Salzburger Land kommen, viele direkt in Skigebiete“, meint Bauernberger. Damit nicht genug: „Es gibt kaum ein Hotel im Salzburger Land, das nicht den Gepäck- und Personentransport von und zu den Bahnhöfen anbietet“, ergänzt der Geschäftsführer. Besonders im Winter funktionierten Abholung und lokale Mobilität gut. Schließlich habe sich ein Skibus-System etabliert. Zudem können Gäste (E-)Carsharing-Fahrzeuge dazubuchen.

„Das Angebot ist besser als die Zahlen, die wir bei der öffentlichen Anreise sehen“, urteilt Steiger. Ein Knackpunkt sei der Informationsfluss und die Kommunikation: „Woher soll jemand in Deutschland oder in den Niederlanden wissen, dass es das Angebot gibt?“, bringt er ein Beispiel. Es brauche intelligente Systeme, Internetseiten in mehreren Fremdsprachen und natürlich die Bereitschaft der Tourismusverbände, diese Angebote zu kommunizieren.

Tourismusregion und Bahnen kooperieren in Salzburg

Um die breite Masse auf die Möglichkeit einer bequemen Anreise mit der Bahn aufmerksam zu machen, investiert die SalzburgerLand Tourismus GmbH pro Jahr fast eine Million Euro in eine Kommunikationskampagne mit den ÖBB und der Deutschen Bahn. „Dass wir Pakete mit den Bahnen umsetzen, hätten wir vor zehn Jahren nicht gedacht“, sagt Bauernberger. Allein im letzten Jahr wurden von der Deutschen Bahn Richtung Salzburg um 37 Prozent mehr Tickets verkauft, freut er sich über den „größten Zuwachs von allen Bundesländern, Wien ausgenommen.“

Angesichts des verstärkten Andrangs machen sich an manchen Reisetagen Kapazitätsprobleme der Bahn bemerkbar. Hier müssen die Bahnunternehmen noch stärker auf die Bedürfnisse der Gäste eingehen, fordert Bauernberger. Dann sei die von SalzburgerLand angepeilte Benchmark der Schweiz von 25 Prozent, die in fünf bis zehn Jahren mit der Bahn anreisen, „grundsätzlich möglich.“ Die Bemühungen gehen – „von der Politik runter“ – in die richtige Richtung, zeigt er sich optimistisch.

Die Zuversicht teilt Robert Steiger: In den letzten Jahren habe im Tourismus ein Umdenken eingesetzt, stellt er fest. Gelingt es, den Umstieg auf die nachhaltige Anreise nicht als Verzicht darzustellen, sondern die Bahnfahrt als Erlebnis zu inszenieren, „gibt es gute Chancen, hier große Schritte zu machen.“

Zurück zur Übersicht

Personenverkehr auf der Bahn ist fünf mal energieeffizienter als mit Pkw

Allein der Pkw-Verkehr der Privathaushalte im Bundesland Vorarlberg verbraucht beinahe so viel Energie wie alle Bahnen in Österreich im Personenverkehr. Mit diesem Energieaufwand wurden im Jahr 2016 in Vorarlberg 2,3 Milliarden Personenkilometer mit dem Auto zurückgelegt, dagegen mit der Bahn in ganz Österreich 12,6 Milliarden Personenkilometer.
An CO2-Ausstoß verursachte der Personenverkehr mit der Bahn im Jahr 2016 österreichweit rund 179.000 Tonnen, allein die Autofahrten der Vorarlberger Haushalte verursachten rund 400.000 Tonnen CO2. Selbst inklusive dem Energieaufwand für den Güterverkehr benötigt die Bahn in ganz Österreich nur etwa so viel Energie wie die Pkw der Haushalte im Bundesland Salzburg.

Mehr dazu

Die dritte Piste ist eine verpasste Chance

Unser Alltag basiert darauf, dass wir systematisch auf die Ausbeutung von billiger Natur und billiger Arbeitskraft angewiesen sind. Das erzeugt Handlungsfähigkeit und materiellen Wohlstand, aber gleichzeitig Zerstörung und Dominanzverhältnisse. Dieses Ausgreifende, auf die billigen Ressourcen und billige Arbeitskraft andernorts Zugreifende kann durch den Begriff „Imperiale Lebensweise“ benannt werden. In den früh industrialisierten Staaten leben wir schon lange in dieser Form. Neu ist, dass diese Lebensweise immer deutlicher an ökologische Grenzen stößt.
Das zweite Neue ist, dass sich diese Lebensweise über den Aufstieg von Schwellenländern, wie China oder Brasilien, ganz dynamisch auch im globalen Süden in der Bevölkerung ausbreitet. Diese Staaten werden nun zu Akteuren, die an dieser Aufteilung der Welt teilhaben wollen. Denn sie haben selbst wohlhabende Mittelschichten und große Unternehmen. das erzeugt zunehmend Spannungen, etwa um Landbesitz in Osteuropa oder in Afrika.

Mehr dazu
Ulrich Brand