Ohne Auto mobil - so geht das gut

Kinder klimaverträglich kutschieren: Aglaia Poscher-Mika nutzt für die Alltags- und Freizeitwege ihr Transportrad.

Wir machen eine kleine Rundreise durch Westösterreich und treffen Menschen, die ohne Auto mobil sind. Ganz selbstverständlich und mit Leidenschaft.

Von Jutta Berger

Erster Halt Salzburg. Hier radelt tagein, tagaus Stefanie Ruep. Sie ist Salzburg-Korrespondentin des Standard. Als Journalistin ohne Auto, wie geht das? Stefanie Ruep: „Innerhalb der Stadt erledige ich alles mit dem Fahrrad.“  Für Termine im Bundesland Salzburg müsse sie halt manchmal sehr früh wegfahren, um pünktlich anzukommen. „Die Leute sind überrascht, wenn sie hören, dass ich mit Öffis gekommen bin.“ Stefanie Ruep lobt die „sehr gut ausgebaute S-Bahn im Salzachtal“, guten Bus-takt außerhalb der Stadt und merkt kritisch an:  „In der Stadt ist der Bus leider keine Option, weil er mit den Autos im Stau steckt.“ Schwierigkeiten ergäben sich bei Abendterminen oder an sehr abgelegenen Orten, „dann fahre ich halt mit jemand mit.“
In ihrer Freizeit zieht es Stefanie Ruep in die Berge. „Natürlich erfordert die Anfahrt mit Öffis gute Planung, aber ich komme überall hin, wenn ich es nur will.“ Damit der Umstieg auch anderen gelingt, hat Stefanie Ruep ein Öffi-Bergtouren-Buch für Salzburg geschrieben, das im Frühling erscheinen wird.

Mit Ortsbus und Railjet

Startet Monika Gärtner in Aldrans bei Innsbruck in die Arbeitswoche muss sie früh raus, denn um 7.10 Uhr fährt ihr Bus zum Bahnhof Innsbruck. Von dort nimmt sie den Zug nach St. Anton am Arlberg. Knappe eineinhalb Stunden später steigt sie um in den Bus nach Lech, wo sie als Leiterin des Lech Museum die Arbeitswoche verbringt. Im Dorf fährt sie Ortsbus, „in den die Gemeinde vorbildlich viel investiert“.
Öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, ist für Monika Gärtner eine Selbstverständlichkeit. Sie, die früher oft belächelt wurde, beobachtet einen Wandel:  „Durch die Veränderungen in Umwelt und Gesellschaft werden nun die Öffis interessanter, mehr Menschen können sich das Umsteigen vom Auto auf Bahn und Bus vorstellen.“ Bahn und Postbus attestiert sie „großes Bemühen“, lobt die Einführung des Klimatickets. Für den koordinierten Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in den Regionen, vor allem abends und nachts, wünscht sich Monika Gärtner einen Masterplan. „Damit nicht jede Gemeinde einzeln herumwursteln muss.“

Mit Familienrad statt Auto

Eine strahlende junge Frau auf dem Sattel, zwei lachende Kindergesichter unter coolen Silberhelmen - Aglaia Poscher-Mika kommt auf ihrem schwarzen Transportrad zum Treffpunkt in Dornbirn. Ob zum Kindergarten, Spielplatz, ins Schwimmbad oder auf Besuch - Familie Poscher-Mika ist mit dem Rad unterwegs. Ihr vierjähriger Sohn und die zweijährige Tochter sind diese Fortbewegungsart quasi von Geburt an gewöhnt. Aglaia wurde von ihrem Mann zu den Entbindungen geradelt, „und dann mit dem Baby wieder nach Hause.“ Sie wohne mit ihrer Familie nicht weit vom Krankenhaus entfernt, räumt Aglaia Poscher-Mika ein: „Will ich ohne Auto leben, muss ich meinen Wohnort entsprechend wählen. Wir haben uns für den städtischen Raum mit naher Infrastruktur entschieden.“
Zur Arbeit bei der Diözese Feldkirch pendelt Aglaia Poscher-Mika mit Fahrrad und Zug. Die S-Bahn im Rheintal fährt jede halbe Stunde, Railjets und REX verkürzen den Takt auf 15 Minuten. „Auch wenn eine Stunde Arbeitsweg bei einer Teilzeitbeschäftigung lang erscheint, kann ich die Zeit gut nützen. Entweder für Schreibarbeiten, zum Lesen oder einfach nur als Leerlauf.“
Wermutstropfen ist für die vielbeschäftigte Frau das Radwegenetz: „Es gibt zwar viele schöne Radwege, aber die schlängeln sich kreuz und quer durch die Gegend. Das mag zum Freizeitvergnügen toll sein, für den Alltag macht es wenig Sinn.“ Ihr Wunsch an die Politik: „Eine schnelle, durchgehende Radverbindung im Rheintal der Bahnlinie entlang.“

Ganz easy ohne Auto

Er verteufle das Auto nicht, sagt Gerhard Troll, „es passt halt einfach nicht zu meinem Leben.“ In Wien, wohin er als 19-Jähriger aus Bregenz gezogen war und 36 Jahre gelebt hat, habe er nie ein Auto gebraucht. „Du wohnst in Wien, da geht das“, hat er damals gehört. Seit drei Jahren ist er wieder in Vorarlberg. „Du wohnst in Bregenz, da geht das“, heißt es jetzt. Das sei schon interessant, findet Troll: „Da hat sich was getan. Du kommst mit den Öffentlichen überall hin. Sogar Skifahren auf den Arlberg geht locker mit dem Zug.“
Zur Arbeit fährt der Lehrer bei jedem Wetter mit dem Fahrrad. Ob er ein Öko sei, hätten ihn Schülerinnen und Schüler deshalb gefragt. Seine Antwort: „Das ist jeder vernünftige Mensch.“ Missionieren sei nicht seine Sache, er rät aber: „Wer auf Auto verzichten möchte, soll es einfach tun. Es ist ganz easy.“

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Kleinstädtisches Sharing-Angebot aus einer Hand

Die steirische Kleinstadt Weiz bietet mit WeizBike und E-Carsharing auf einer Plattform gebündelt zwei Sharing-Systeme an. Nutzerinnen und Nutzer können nach einmaliger Registrierung an 14 Standorten – davon einer in der Nachbargemeinde St. Ruprecht an der Raab – 60 Fahrräder und 80 E-Bikes ausleihen. Für Carsharing stehen drei E-Autos zur Verfügung.

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Bild eines Carsharing-Autos

Rufbussystem und Linienverkehr gemeinsam planen

Unter dem Namen VOR Flex Mostviertel West betreibt der Verkehrsverbund Ost-Region seit Juli 2023 in 13 Gemeinden im niederösterreichischen Bezirk Amstetten ein flexibles Mobilitätsangebot mit fünf batterie-elektrischen Kleinbussen. Fahrgäste können an 400 Sammelstellen ein- und aussteigen, auch an den Haltestellen der regionalen Linienbusse.

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Bild eines Rufbusses