Wirtschaftsmotor Verkehrswende

Wirtschaftsmotor Verkehrswende

Foto: Helmer Manfred

Eine jährliche „Grätzelmillion“ pro Bezirk fordert Alexander Biach, Wiener Standortanwalt und Direktorstellvertreter der Wirtschaftskammer Wien. Sie soll „zweckgebunden für gestalterische Projekte in der Erdgeschoßzone und im öffentlichen Raum“ eingesetzt werden. Damit könnten etwa in den Außenbezirken Wiens Begegnungszonen errichtet werden. Diese Forderung kommt überraschend, die Wirtschaftskammer zählte beim Umbau der Mariahilfer Straße
zu einer Begegnungs- und Fußgängerzone zu den vehementesten Kritikerinnen. Was steckt dahinter? Die Wirtschaftskammer Wien hat fünf Projekte – abgeschlossene und geplante – auf ihre volkswirtschaftlichen Auswirkungen untersuchen lassen: Die Oberflächensanierung am Stephansplatz, die Begegnungszonen in der Herrengasse und der Rotenturmstraße, die Modernisierung des Michaelerplatzes und die Umgestaltung des Schwedenplatzes. Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung hat berechnet: In den Bauphasen werden mit Investitionen von 35,1Millionen Euro 359 Arbeitsplätze geschaffen, der Staat nimmt 14,8 Millionen Euro an Steuern ein. Nach der Fertigstellung kann pro Jahr mit einem Plus von 9,1 Millionen Euro Wertschöpfung im Jahr und 149 Jobs gerechnet werden. „Alleine in der Herrengasse gibt es eine jährliche zusätzliche Wertschöpfung von 1,1 Millionen Euro“, so Biach. „Ähnliche Maßnahmen könne er sich auch in anderen Einkaufsstraßen vorstellen, etwa in der Josefstädter oder Alser Straße. Die Straßenbahn muss dort allerdings erhalten bleiben, die Frage der Parkplätze verliert in innerstädtischen Lagen dagegen an Bedeutung.“ Statt zum Abstellen von Autos kann der Raum anders genutzt werden. Ein Beispiel ist die Otto-Bauer- Gasse. Der Bezirk Mariahilf diskutierte lange mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, Geschäftsleuten und Planungsfachleuten. „Am Ende diesen Diskussionsprozesses waren sich die Beteiligten einig. Wir möchten den öffentlichen Raum menschenfreundlicher gestalten und ein wenig Natur in den Straßenraum bringen“, schildert Bezirksvorsteher Markus Rumelhart. „Ein Teil der Otto-Bauer-Gasse wurde daher in eine Begegnungszone mit Grünflächen umgewandelt. Wir ließen Hibiskussträucher und zwei Schnurbäume pflanzen. Das verbessert auch das Mikroklima in der dicht bebauten Gegend.“

Radweg statt dritter Spur

Auch ältere Untersuchungen zeigen, dass Geld in Radfahrinfrastruktur und in Verkehrsberuhigung gut investiert
ist: Pro investierter Milliarde entstehen direkt rund 11.500 Arbeitsplätze, während es bei Autobahnen und Schnellstraßen nur 5.800 Jobs sind. Bei deren Bau wurden in vielen Fällen über das Ziel hinausgeschossen wurde. „In Österreich sind 80 Prozent des Straßennetzes überdimensioniert“, sagt Harald Frey, Verkehrswissenschaftler an der TU
Wien. Deshalb sind Straßenrückbauten keine Seltenheit mehr. Durch sie sinkt die Geschwindigkeit des Autoverkehrs, damit geht auch der Schadstoffausstoß zurück und die Verkehrssicherheit steigt. Außerdem entsteht Platz für andere Nutzungsformen. „Trotzdem ist es oft schwer, die Reduktion der Fahrbahnbreite durchzusetzen“, weiß Frey. Gelungen
ist es in der Tiroler Gemeinde Obsteig. Im Frühjahr beginnt dort der Bundesstraßen-Rückbau, die Breite wird von mehr als 8 auf 6,5 Meter reduziert. „Leider bekommen wir nicht weniger Verkehr, aber Raser werden dadurch gebremst und riskante Überholmanöver verhindert“, sagt Bürgermeister Hermann Föger. „Das erhöht die Sicherheit und verringert
den Lärm.“ Der erste Abschnitt wird – inklusive Sanierung einer Brücke und der Errichtung eines Geh- und Radwegs – 514.000 Euro kosten. Infrastruktur für Elektro-Mobilität schafft Jobs Das ist eine verhältnismäßig geringe Summe, verglichen mit den Investitionen für die Elektro-Mobilität im Straßenverkehr. Davon ausgehend, dass im Jahr 2030 in Österreich 26 Prozent der neu zugelassenen Pkw und 16 Prozent der leichten Nutzfahrzeuge batterie-elektrisch betrieben werden, sind gemäß einer Studie der TU Wien Investitionen in die Ladeinfrastruktur von mehreren Milliarden Euro notwendig. Investitioen in dieser  Größenordnung haben natürlich erhebliche Effekte auf den Arbeitsmarkt. Für Deutschland erwartet der Bundesverband eMobilität für den Aufbau der Ladeinfrastruktur in den nächsten zehn Jahren ein Personalvolumen von 255.000 Fachkräften. In Österreich kommt noch dazu, dass, so die Studie E-Mapp, durch die „Kompetenzen im Bereich der elektromobilitätsbezogenen Komponenten“ das Wachstumspotenzial für E-Mobilität höher ist als im Bereich der fossil betriebenen Autos. Es gibt also auch aus volkswirtschaftlicher und beschäftigungspolitischer Sicht gute Gründe, eine Wende hin zu einer umweltverträglicheren Mobilität zu begrüßen.

 

 

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Wo macht der Einsatz von E-Fuels Sinn und wo nicht?

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Foto: Sarah Duit