VCÖ: Buchen internationaler Bahntickets in Europa endlich vereinfachen!

VCÖ: Bahnsysteme in Europa stärker harmonisieren

VCÖ (Wien, 8. Mai 2024) – Buchen und planen internationaler Bahnreisen ist nach wie vor nicht so einfach wie es sein sollte, stellt die Mobilitätsorganisation VCÖ fest. Zudem gehen bei der Kombination von Tickets unterschiedlicher Anbieter häufig Fahrgastrechte im Verspätungsfall verloren. Darüber hinaus sorgen viele unterschiedliche Systeme und Vorschriften bis hin zu einer fehlenden einheitlichen Betriebssprache zu Verzögerungen im internationalen Bahnverkehr, insbesondere im Gütertransport. Der VCÖ fordert den verstärkten Einsatz der EU und der Mitgliedsstaaten für den Abbau bestehender Barrieren im grenzüberschreitenden Bahnverkehr.

„Vom einheitlichen Europa ist der Schienenverkehr noch weit entfernt. Bei jedem Grenzübertritt auf der Schiene ändern sich die Betriebsbedingungen. Auch technische Aspekte wie unterschiedliche Zugsicherungssysteme verursachen Stehzeiten an der Grenze“, weist VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky auf die Folgen von mangelndem europäischen Denken und Handeln im Bahnverkehr hin. Auch wenn in den vergangenen Jahren einige Harmonisierungsschritte gesetzt wurden, im Jahr 2021 bestanden in der EU für den Schienenverkehr noch 862 unterschiedliche nationale Regelungen. In der EU gibt es mehr als 20 unterschiedliche Zugsicherungssysteme, vier verschiedene Stromsysteme und in jedem Staat eigene Betriebsvorschriften, macht der VCÖ aufmerksam. Das führte dazu, dass für die Fahrt durch 26 EU-Staaten und über 33 Grenzen ein Zug im Jahr 2021 55 verschiedene Lokomotiven benötigte. Eine einheitliche Betriebsprache fehlt nach wie vor. Triebfahrzeugpersonal muss über ein B1-Sprachniveau der Landessprache verfügen, um im jeweiligen Land fahrberechtigt zu sein, was den internationalen Einsatz von Personal erschwert.

„All das behindert die Ziele der EU, den Güterverkehr stärker von der Straße auf die Schiene zu bringen sowie im europäischen Reiseverkehr einen verstärkten Umstieg vom Flugzeug auf die Bahn zu erreichen. Es muss der Bevölkerung so einfach wie möglich gemacht werden, klimaverträglich zu reisen“, fordert VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky verstärkte Maßnahmen sowohl von der EU als auch von den Mitgliedsstaaten, bestehende Hürden beim Planen und Buchen internationaler Bahnreisen zu beseitigen. So scheiterten im Rahmen einer Studie nur drei Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Buchung einer Flugreise, beim Buchen einer internationalen Bahnreise scheiterten hingegen mit 33 Prozent elfmal so viele Teilnehmende. Das liegt vor allem daran, dass die Buchungssysteme nicht verknüpft sind.

Der VCÖ weist auf ein weiteres Problem für Fahrgäste hin: Werden Tickets verschiedener Anbieter kombiniert, gehen häufig Fahrgastrechte zur Sicherung der Weiterreise im Fall von Verspätungen verloren. „Angesichts der zahlreichen Baustellen in Deutschland kann das beispielsweise bei Zugreisen über Hamburg nach Skandinavien zu Problemen führen“, nennt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky ein Beispiel. Eine Verordnung zur einfachen Planung und Buchung von Durchgangstickets hätte bereits im Vorjahr Abhilfe schaffen sollen, doch die EU-Kommission wollte dabei neben der Bahn auch die Nutzung von verschiedensten Mobilitätsanbietern, wie zum Beispiel Sharing-Angeboten, inkludieren. Das erhöhte die Komplexität, was dazu führte, dass über Vertragsbedingungen und Konditionen keine Einigung erzielt wurde. Die Verordnung ist noch immer nicht initiiert. „Es wäre klug, wenn die EU-Kommission hier Schritt für Schritt vorginge und in einem ersten Schritt eine Lösung für die grenzüberschreitenden Bahnreisen schafft. Davon würden viele Bahnreisende in Österreich und in der EU insgesamt profitieren“, betont VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.

Im Güterverkehr kann ein Lkw durch Europa von einer Person gefahren werden, für Fahrzeug und Zulassung gelten einheitliche Bedingungen. Anders bei der Schiene. Beispielsweise gibt es auf der Strecke von Rotterdam ans Schwarze Meer drei verschiedene Stromsysteme und vier verschiedene Zugsicherungssysteme. Bei Grenzüberquerungen werden im Güterverkehr bei der Übergabe Prüfungen des Zugs vorgenommen, neue Dokumente ausgestellt. Die Folge sind viele Stehzeiten, längere Fahrzeiten verteuern den Transport, bringen einen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Lkw. Je nach Strecke könnte eine Harmonisierung der Vorschriften die Fahrzeit der Güterzüge um bis zu sechs Stunden reduzieren. „Gerade für das Transitland Österreich und die Anrainerinnen und Anrainer entlang der Transitrouten wäre es wichtig, wenn mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Dafür braucht es höhere Kapazität und effiziente Abwicklungen an den Grenzen“, erklärt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.

VCÖ-Factsheet zu Bahnsystemen in Europa: https://vcoe.at/factsheet

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Die Chance ergreifen

Die Entwicklung geht klar in Richtung emissionsfreier Antriebe. Steigende Reichweiten sprechen dafür, dass sich beim Pkw der batterie-elektrische Antrieb mittelfristig durchsetzen wird. Synthetische Treibstoffe, mit denen Verbrennungsmotoren CO2-neutral betrieben werden könnten, sind für den Masseneinsatz absolute Zukunftsmusik. Unter den etablierten Autoherstellern gab Volvo als Teil eines chinesischen Konzerns als erster bekannt, vollständig auf Elektro-Antriebe umzustellen. Auch Volkswagen ziele „auf den Punkt, an dem sich jeder fragen muss, warum er einen Verbrenner haben will. Denn wir glauben nicht, dass es eine Alternative zur E-Mobilität gibt“, wird ein Vorstandsmitglied von Volkswagen zitiert. Die Pkw-Neuwagenflotte von Mercedes soll bis zum Jahr 2039 CO2-neutral werden. Entwicklungskapazitäten werden aktuell von Motoren und Getrieben hin zu Batterietechnologie und Leistungselektronik verschoben. Das bedeutet einschneidende Veränderungen, auch für Beschäftigte der Automobilbranche. Doch die Entwicklung lässt sich auf Dauer nicht aufhalten und nur Unternehmen, die sich rechtzeitig umstellen, werden auch in Zukunft noch Arbeitsplätze bieten können. Viele Autozulieferer diversifizieren bereits ihre Produktpalette in Richtung Elektro- Antriebe oder anderer Sektoren, etwa der Autozulieferer Miba, der Bremsen für Windkraftanlagen herstellt. Für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte werden Tausende Fachkräfte für Aufbau und Wartung der E-Ladeinfrastruktur gebraucht werden. Geld, das bisher in den Import von Erdöl geflossen ist, kann künftig verstärkt im Inland ausgegeben werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Mobilitätswende unterm Strich für ein Plus an Beschäftigung sorgen wird.

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