VCÖ: Klimaschädliche Emissionen des Flugverkehrs in Österreich im Vorjahr um 50 Prozent gestiegen

VCÖ: Europa braucht mehr Bahn, mit Videokonferenzen Geschäftsflüge reduzieren

VCÖ (Wien, 10. Mai 2023) – Die klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs in Österreich sind im Vorjahr um 640.000 Tonnen auf rund 1,9 Millionen Tonnen gestiegen, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Die Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs lagen im Vorjahr noch um ein Drittel unter dem Höchstwert im Vor-Pandemiejahr 2019. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise sind verstärkte Maßnahmen gegen die steigenden Emissionen des Flugverkehrs nötig, betont der VCÖ. Europa braucht mehr grenzüberschreitende Bahnverbindungen, die Steuerbefreiung von Kerosin ist endlich abzuschaffen. Unternehmen sind gefordert, Geschäftsflüge zu vermeiden, etwa durch Videokonferenzen und die verstärkte Nutzung der Bahn.

Nach dem coronabedingten Sinkflug nimmt der Flugverkehr wieder massiv zu  und damit sowohl der Fluglärm für die Anrainerinnen und Anrainer, als auch die klimaschädlichen Emissionen. Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis des Kerosinverbrauchs in Österreich zeigt, dass der Flugverkehr in Österreich im Vorjahr rund 1,9 Millionen Tonnen Treibhausgase verursacht hat und damit um 50 Prozent mehr als im Jahr 2021. Im Vorjahr lag der Flugverkehr aber noch deutlich unter dem Höchststand von 2,99 Millionen Tonnen im Jahr 2019.

Im 1. Quartal hat der Flugverkehr heuer in Österreich weiter stark zugenommen. „Der massive Anstieg der klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs ist rasch zu bremsen. Einerseits, indem Flüge vermieden und verlagert werden, andererseits durch eine Beschleunigung der Energiewende im Flugverkehr“, drängt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer auf raschere Maßnahmen der Politik und der Wirtschaft. Unternehmen können Flüge durch Videokonferenzen vermeiden und sind gefordert, ihre Dienstreiseregeln an die Klimakrise anzupassen, etwa indem keine Kurzstrecke geflogen und verstärkt die Bahn genutzt wird.

Ein Treiber für die Zunahme des Flugverkehrs sind die nach wie vor bestehenden Steuerbegünstigungen. So zahlen Flugkonzerne für den Treibstoff Kerosin keine Mineralölsteuer. Damit wird der Flugverkehr in der EU massiv gefördert, vor der Pandemie bezifferte eine Studie im Auftrag der EU-Kommission diese Subvention mit rund 30 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kommt die Mehrwertsteuerbefreiung von internationalen Flugtickets, die vor der Pandemie in der EU rund 40 Milliarden Euro an Subventionen pro Jahr ausmachte. „Mit den Einnahmen aus der Kerosinsteuer sollten die grenzüberschreitenden Bahnverbindungen in Europa ausgebaut und verbessert werden“, schlägt VCÖ-Expertin Mosshammer vor.

Das Flugzeug ist übrigens ein Verkehrsmittel, das viele nicht oder selten benutzen, wenige aber sehr viel: Ein Drittel von Österreichs Bevölkerung (ab 16 Jahren) fliegt nie, nur 14 Prozent fliegen mehrmals im Jahr und zwei Prozent mehrmals in der Woche. Der Rest fliegt einmal im Jahr oder seltener.

Zudem sind auch die Fluggesellschaften gefordert, den Ausstieg aus fossiler Energie zu beschleunigen. Aus erneuerbaren Energien synthetisch hergestelltes Kerosin, sogenanntes E-Kerosin, ist eine wichtige technische Option. „Der aktuelle Kerosinverbrauch ist um ein Vielfaches höher als in absehbarer Zeit an E-Fuels zur Verfügung steht. Auch deshalb ist es notwendig, den Flugverkehr zu reduzieren und dort, wo es effizientere Alternativen gibt, wie etwa im Pkw- und Lkw-Bereich, keine E-Fuels zu verwenden“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer.

Aber auch die E-Fuels machen den Flugverkehr nicht klimaneutral, denn negative Klimaeffekte etwa durch Kondensstreifen und Ozon werden auch mit den synthetisch hergestellten Treibstoffen weiter bestehen.

VCÖ: Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs im Vorjahr um 50 Prozent gestiegen
(Durch in Österreich getankten Flugtreibstoff verursachte Treibhausgas-Emissionen)

Jahr 2022: 1,91 Millionen Tonnen

Jahr 2021: 1,27 Millionen Tonnen

Jahr 2020: 1,12 Millionen Tonnen

Jahr 2019: 2,99 Millionen Tonnen

Jahr 2018: 2,61 Millionen Tonnen
Jahr 2017: 2,32 Millionen Tonnen
Jahr 2016: 2,40 Millionen Tonnen
Jahr 2015: 2,21 Millionen Tonnen

Jahr 2014: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2013: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2012: 2,15 Millionen Tonnen
Jahr 2011: 2,21 Millionen Tonnen
Jahr 2010: 2,08 Millionen Tonnen

Jahr 2009: 1,99 Millionen Tonnen
Jahr 2008: 2,31 Millionen Tonnen
Jahr 2007: 2,31 Millionen Tonnen
Jahr 2006: 2,14 Millionen Tonnen
Jahr 2005: 2,05 Millionen Tonnen

Jahr 2004: 1,78 Millionen Tonnen
Jahr 2003: 1,51 Millionen Tonnen
Jahr 2002: 1,59 Millionen Tonnen
Jahr 2001: 1,70 Millionen Tonnen
Jahr 2000: 1,75 Millionen Tonnen

Quelle: BMK, VCÖ 2023

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Foto: Sarah Duit