VCÖ: Mit Kreislaufwirtschaft kann Umweltbilanz des Verkehrs stark verbessert werden

VCÖ: Herstellung großer E-Pkw verursacht doppelt so viel CO2 wie von kleineren E-Pkw

VCÖ (Wien, 17. Jänner 2023) – Die Herstellung großer E-Pkw verursacht im Schnitt doppelt so viel CO2 wie die Herstellung kleiner Elektroautos. Mit Kreislaufwirtschaft kann die Umweltbilanz des Verkehrssystems stark verbessert werden, wie eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt. „Circular Mobility“ bedeutet, mehr Mobilität mit weniger Fahrzeugen zu erreichen. Dies ist unter anderem mit mehr Carsharing erreichbar. Bei neun von zehn Autofahrten sitzt nur eine Person im Auto. Der Einsatz kleinerer Fahrzeuge verbessert die Umweltbilanz deutlich.

Die rund 3,1 Millionen Erstautos von Österreichs Haushalten sind im Schnitt eine Stunde pro Tag im Einsatz und 23 Stunden am Tag nicht Fahrzeuge, sondern „Stehzeuge“, verdeutlicht der VCÖ. Noch mehr Zeit verbringen die rund 1,5 Millionen Zweit- und Drittautos am Parkplatz oder in der Garage: Sie sind nur rund eine halbe Stunde pro Tag im Einsatz. „Schon die Herstellung von Pkw verursacht viel CO2 und benötigt große Mengen an Ressourcen. Wenn es gelingt, den Bedarf an Automobilität mit weniger Fahrzeugen abzudecken, dann wird ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaziele geleistet“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Mehr Carsharing-Angebote sind dafür eine zentrale Voraussetzung, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.

Carsharing ist eine wichtige Säule der so genannten „Circular Mobility“. Das bedeutet, gleich viel oder mehr Mobilität mit weniger Ressourcenverbrauch und weniger Energieeinsatz zu erreichen. Verstärktes Carsharing ermöglicht auch, je nach Fahrzweck die jeweils am besten passende Fahrzeuggröße einzusetzen. Immerhin sitzt bei neun von zehn Autofahrten nur eine Person im Auto. Und die Größe der Fahrzeuge hat sehr großen Einfluss auf die Umweltbilanz, betont der VCÖ. So verursacht die Herstellung eines Elektro-Kleinwagens laut Umweltbundesamt im Schnitt rund 10,8 Tonnen CO2, die Herstellung eines Benzin-Pkw der Oberklasse rund 13 Tonnen und die Herstellung eines großen Diesel-Pkw rund 14,4 Tonnen CO2. Die Herstellung eines E-Pkw der Oberklasse verursacht mit durchschnittlich 21,4 Tonnen doppelt so viel CO2 wie ein Elektro-Kleinwagen.

Im Durchschnitt benötigt die Batterie eines mittelgroßen Elektro-SUV etwa ein Viertel mehr kritische Rohstoffe wie Lithium, Nickel und Kobalt als die eines Elektroautos der - kleineren – Kompaktklasse. „Beim Fahren verursachen Elektroautos deutlich weniger CO2 als Benzin und Diesel-Pkw. In der Gesamtbilanz reduzieren sie den Treibhausgas-Ausstoß des Autoverkehrs. Aber der Trend zu immer größeren und schwereren Autos macht einen Teil der Einsparungen zunichte. Und das können wir uns angesichts der sich massiv verschärfenden Klimakrise nicht leisten", sieht VCÖ-Expertin Mosshammer die EU gefordert gegenzusteuern. So wie für Schadstoffe und CO2 braucht es für die Hersteller auch Vorgaben hinsichtlich der Größe, des Gewichts und des Materialeinsatzes für Pkw. Zudem ist auf EU-Ebene ein Batteriepass rasch einzuführen, eine Kennzeichnung der Batterie in Kombination mit einer digitalen Akte, die für mehr Transparenz bezüglich der verwendeten Rohstoffe und für die Nachverfolgung von Batterien über ihren gesamten Lebenszyklus sorgt.

Eine weitere zentrale Säule der „Circular Mobility“ ist die Erhöhung des Anteils von Öffentlichem Verkehr, Radverkehr und Gehen an der Mobilität. Im Vergleich zu einem Diesel-Pkw ist der Energieeinsatz eines Linienbusses über den gesamten Lebenskreislauf pro Personenkilometer um rund 77 Prozent niedriger als von Pkw, bei der Bahn sogar um 85 Prozent niedriger. Der Energieeinsatz pro Personenkilometer kann beim Öffentlichen Verkehr weiter reduziert werden, wenn die Anzahl der Personen pro Fahrt erhöht wird. Wird das Fahrrad genutzt, ist der Energieeinsatz um 98 Prozent geringer als beim Pkw. Alltagswege zu Fuß zurückzulegen ist energieneutral, das heißt es wird keine zusätzliche Energie eingesetzt.

„Kreislaufwirtschaft macht Mobilität nachhaltiger. Durch die Planung über den gesamten Kreislauf wird der Ressourcenbedarf nicht nur reduziert, sondern die Ressourcen bleiben durch Wiederverwendung und Recycling langfristig im System. Damit wird Österreich unabhängiger von Rohstoff-Importen“, fasst VCÖ-Expertin Mosshammer zusammen.

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Foto: Sarah Duit