VCÖ: Täglich werden 7 Kinder im Straßenverkehr verletzt - Verkehrssystem nimmt auf Kinder zu wenig Rücksicht

VCÖ fordert Maßnahmen für kindgerechtes Verkehrssystem

Wien (13. Mai 2022) – Im Vorjahr wurden in Österreich bei 2.229 Verkehrsunfällen 2.402 Kinder verletzt, sechs Kinder verloren ihr Leben. Heuer sind bereits fünf Kinder im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Der VCÖ weist zum bevorstehenden internationalen Tag der Familie darauf hin, dass unser Verkehrssystem auf Kinder zu wenig Rücksicht nimmt. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem sowie die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in die Verkehrsplanung.

Seit dem Jahr 2010 wurden rund 33.000 Kinder bei Verkehrsunfällen in Österreich verletzt, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Allein im Vorjahr waren es 2.402 Kinder. Besonders traurig: Seit dem Jahr 2010 starben 107 Kinder im Straßenverkehr. Die größte Opfergruppe - 44 - kamen als Pkw-Insassen ums Leben. "Wenn ein Kind im Auto mitfährt, ist es noch einmal wichtiger aufmerksam und vorausschauend zu fahren, Tempolimits einzuhalten und ebenso das Motto "Don't drink and drive" und "Don't phone & drive", erinnert VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.

Weitere 35 Kinder wurden seit dem Jahr 2010 als Fußgänger im Straßenverkehr tödlich verletzt, zwölf mit dem Fahrrad, fünf mit dem Moped, drei mit Sport- und Spielgeräten und sieben mit sonstigen Verkehrsmitteln. „Unser Verkehrssystem nimmt auf die Schwächsten zu wenig Rücksicht. Es wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel getan, damit Kinder verkehrsgerecht werden, stark vernachlässigt wurden aber Maßnahmen, die unser Verkehrssystem kindgerecht machen“, stellt VCÖ-Expertin Mosshammer fest. Mangelnde Verkehrssicherheit durch zu viel Kfz-Verkehr oder zu hohes Tempo des Autoverkehrs, durch gefährliche Kreuzungen, unübersichtliche Übergänge oder fehlende Radwege führen dazu, dass Kinder in ihrer selbständigen Mobilität massiv eingeschränkt werden. Dadurch wird der Bewegungsmangel bei Kindern und auch bei Jugendlichen verstärkt.

Der VCÖ fordert daher mehr Verkehrsberuhigung in den Gemeinden und Städten, ausreichend breite Gehwege, eine sichere Rad-Infrastruktur, übersichtliche Straßenübergänge sowie im Ortsgebiet Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit. Ein höheres Tempo soll nur dort erlaubt sein, wo es aus Sicht der Verkehrssicherheit zulässig ist. „Ein kindgerechtes Verkehrssystem ermöglicht es Kindern, durch ihre Alltagsmobilität auf eine tägliche Portion gesunde Bewegung zu kommen. Die Anzahl an Kindern und Familien, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad mobil sind, ist ein Indikator für die Qualität der Verkehrsplanung in der Gemeinde oder in der Stadt“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer.

So kommen beispielsweise in Amsterdam dank eines dichten Netzes an ausreichend breiten Radwegen mehr als die Hälfte der Kinder mit dem Fahrrad zur Schule, in Österreich waren es vor Covid-19 nur sechs Prozent. Wie zufrieden Familien mit den Bedingungen zum Radfahren im Ort sind, erhebt der VCÖ derzeit. An der Befragung kann auch online unter https://www.vcoe.at/radfahren teilgenommen werden.

Wesentlich ist aus Sicht des VCÖ auch die stärkere Einbeziehung der Kinder in die Verkehrsplanung, etwa bei der Gestaltung des Schulumfelds und des Wohnumfelds. Durch die Einbeziehung von Kindern, beispielsweise in Form eines Kinderparlaments, wird berücksichtigt, was Erwachsene übersehen.

Beim diesjährigen VCÖ-Mobilitätspreis sind auch Projekte von Schulen, Gemeinden, Städte oder Initiativen gesucht, die die aktive Mobilität von Kindern fördern. Noch bis zum 1. Juni können vorbildliche Projekte und auch Ideen und Konzepte von Privatpersonen unter www.vcoe.at/mobilitaetspreis eingereicht werden.

VCÖ: Mehr als 100 Kinder kamen im Straßenverkehr seit 2010 ums Leben

(Anzahl Kinder, die bei Verkehrsunfällen in Österreich seit  dem Jahr 2010 ums Leben kamen)

Als Pkw-Insasse: 44

Zu Fuß gehend: 35

Mit dem Fahrrad: 12

Mit Moped: 5

Mit Spiel- oder Sportgerät: 3

Als Bus-Insasse: 1

Sonstige Verkehrsmittel: 7

Summe: 107

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2022

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Foto: Sarah Duit