VCÖ: Verkehr benötigt die meiste Energie und hat die größte Erdölabhängigkeit aller Sektoren in Österreich

VCÖ-Fachkonferenz: Mit vermeiden, verlagern und erhöhter Effizienz kann Energiebedarf des Verkehrs stark reduziert werden

Energiewende im Verkehr © Katharina Lutzky

VCÖ (Wien, 13. April 2023) – Der Verkehr ist Österreichs größter Energiefresser, wie eine aktuelle VCÖ-Publikation zeigt. Der Verkehr hat von allen Sektoren den höchsten Energiebedarf, weist im Vergleich zum Jahr 1990 die größte Zunahme des Verbrauchs auf und ist massiv von - großteils importiertem - Erdöl abhängig. Gleichzeitig kann schon mit heute zur Verfügung stehenden Maßnahmen der Energiebedarf des Verkehrs deutlich reduziert werden, wie die heutige VCÖ-Fachkonferenz zeigte. Neben der Reduktion des Verkehrsaufwands und der Verlagerung auf energiesparende Mobilitätsformen ist auch der Einsatz von effizienten Antrieben zentral.

„Der Verkehr ist ein Brennpunkt mehrfacher Energieprobleme: Er benötigt insgesamt zu viel Energie, der Anteil des Erdöls ist extrem hoch und er weist im Vergleich zum Jahr 1990 die größte Zunahme auf. Der Erfolg der Energiewende in Österreich führt über eine umfassende Verkehrswende“, fasst VCÖ-Expertin Lina Mosshammer die Ergebnisse einer aktuellen VCÖ-Analyse zusammen.

Der Verkehr ist der Sektor in Österreich, der die meiste Energie benötigt: Ein Drittel des gesamten Energiebedarfs fließt in den Verkehr. Zudem ist der Verkehr jener Bereich, dessen Verbrauch seit dem Jahr 1990 am stärksten gestiegen ist. Im Jahr 2021 benötigte der Verkehr um 68 Prozent mehr Energie als im Jahr 1990. Der Energiebedarf ist damit doppelt so stark gestiegen wie jener der Haushalte, macht der VCÖ aufmerksam. Für die massive Zunahme des Energiebedarfs des Verkehrs ist der Kfz-Verkehr hauptverantwortlich: Der Energiebedarf stieg von 181 Petajoule im Jahr 1990 auf 318 Petajoule im Jahr 2021, der Energiebedarf der Bahnen ist von neun Petajoule im Jahr 1990 auf sieben im Jahr 2019 gesunken, obwohl die mit der Bahn gefahrenen Personenkilometer um rund 50 Prozent gestiegen sind.

Weiteres Problemfeld: Kein anderer Sektor ist – auch hier aufgrund des Kfz-Verkehrs – so stark von Erdöl abhängig wie der Verkehr. 92 Prozent der Energie für den Kfz-Verkehr kommen aus Erdöl.

Der Verkehr ist auch insgesamt der größte Verbraucher von Erdöl: 80 Prozent des gesamten heimischen Erdölverbrauchs fließen in den Verkehr, zuletzt waren das 313 Petajoule pro Jahr. Davon verbrannten 292 Petajoule, das sind 93 Prozent, in den Motoren des Kfz-Verkehrs. Der Kfz-Verkehr benötigte siebenmal so viel Erdöl wie die Haushalte, alleine der Flugverkehr trotz Rückgangs wegen der Pandemie fast doppelt so viel wie die Landwirtschaft, so die VCÖ-Analyse.

Bei der heutigen online durchgeführten VCÖ-Fachkonferenz betonte Holger Heinfellner vom Umweltbundesamt, dass „dieser hohe Energieeinsatz nur durch den Umstieg auf erneuerbare Energie und besonders effiziente Technologien nachhaltig reduziert werden kann, ergänzend zur Mobilitätswende. Das bedeutet, Fahrten einzusparen und auf öffentliche Verkehrsmittel, Rad- und Fußverkehr umzusteigen. Für die Mobilität der Zukunft und ein klimaneutrales Österreich führt kein Weg daran vorbei, Verkehr zu vermeiden, zu verlagern und zu verbessern.“

Dass Technologieklarheit notwendig ist, bekräftigte Christoph Streissler von der AK Wien. Auch um der Wirtschaft Planungssicherheit zu geben und die Transformation als Chance zur Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze zu nutzen. Und Streissler betonte: "Der Verbrennungsmotor ist die Videokassette des Verkehrs."

Bei der VCÖ-Fachkonferenz wurden auch erfolgreiche Praxisbeispiele präsentiert. So setzt der Verkehrsverbund Vorarlberg seit dem Jahr 2020 vier Elektrobusse im Gebiet Oberes Rheintal und Walgau ein. Die tägliche Wegstrecke der Busse liegt bei 250 bis 400 Kilometer, die mit einer Zwischenladung gut zu bewältigen ist. Bis zum Jahr 2025 möchte Vorarlberg knapp mehr als 100 E-Busse anschaffen, im Jahr 2030  sollen bereits 90  Prozent der Linienbusse emissionsfrei fahren. Leonard Lechner vom Verkehrsverbund Vorarlberg: „Mit der Umrüstung der Busflotten auf emissionsfreie E-Busse wird die bereits sehr gute Umweltleistung der Öffis weiter verbessert. Somit stellen E-Busse einen wesentlichen Anteil bei der Energie- und Verkehrswende dar. Das Land Vorarlberg hat es sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2030 90 Prozent aller Linienbusse emissionsfrei sein sollen.“

In Niederösterreich setzt der Verkehrsverbund Ost-Region im südlichen Weinviertel elf Elektro-Busse ein. Ein Bus ist 300 bis 500 Kilometer pro Tag im  Einsatz. Im Vergleich zu Diesel-Bussen  benötigen die Elektro-Busse im realen Einsatz um 56 Prozent weniger Energie. Pro Jahr sparen die Elektrobusse im Vergleich zu Diesel-Bussen in Summe 2,3 Millionen Kilowattstunden.

In Kärnten werden Wasserstoff-Busse eingesetzt. Herbert Guggenberger vom Verkehrsverbund Kärnten: „Wir erkennen das Potential von grünem, erneuerbarem Wasserstoff als Antriebsform und Energiespeicherlösung, sowie als nachhaltigen klimaneutralen Energieträger und Rohstoff. Wir streben an Schwerpunkte zu setzen, in dem grüner Wasserstoff als Basis zur Steigerung der Energiesicherheit und zur Verringerung der Abhängigkeit Kärntens von fossilen Importen dient und somit die Wertschöpfungskette im Land stärkt.“ Der reale Verbrauch der Busse liegt bei rund zehn Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer. Ein Kilogramm Wasserstoff kostet derzeit fast 28 Euro.

Den Einsatz batterieelektrischer Sattelzüge testete Müller-Transporte, berichtete deren CEO Fritz Müller. Die Reichweite betrug 120 Kilometer. Ab Mai wird ein Kühl-Sattelzug getestet, bei dem die Kühlung nicht mit einem Diesel-Aggregat, sondern auch elektrisch erfolgt. Fritz Müller: "Wir hoffen, dass die Transformation beim Antrieb technisch lösbar ist."

Und auch die Dekarbonisierung der Taxiflotten schreitet voran, Marlene Doiber von tbw research berichtete bei der VCÖ-Fachveranstaltung als Leiterin des Projekts eTaxi Austria von den - positiven - Erfahrungen mit einem konduktiven Ladesystem: „Um die Energiewende im Verkehr voranzubringen, braucht es den vermehrten Einsatz umweltschonender Antriebe. Dabei können innovative Technologien wie neue Ladesysteme, Förderungen aber vor allem auch gesetzliche Vorgaben einen wesentlichen Beitrag leisten. Zudem ist ein gesellschaftlicher Wandel individueller Gewohnheiten und Denkmuster erforderlich; dies ist der vermutlich komplexere, aber womöglich nachhaltigere Baustein am Weg zur Energiewende.“

VCÖ-Publikation "Energiewende im Verkehr voranbringen": vcoe.at/energie

VCÖ: Energiebedarf des Verkehrs ist seit 1990 am stärksten gestiegen (Energiebedarf im Jahr 2021, im Klammer Änderung zum Jahr 1990)

Verkehr: 351 Petajoule (plus 68 Prozent)
Industrie: 319 Petajoule (plus 49 Prozent)
Haushalte: 321 Petajoule (plus 32 Prozent)
Dienstleistungen: 109 Petajoule (plus 51 Prozent)
Landwirtschaft: 23 Petajoule (minus 5 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Der Kfz-Verkehr benötigt die meiste Energie (Energiebedarf in Petajoule im Jahr 2021)

Kfz-Verkehr: 318 Petajoule
Flugverkehr: 18 Petajoule
Transport Rohrfernleitungen:  7 Petajoule
Bahnen: 6 Petajoule
Schifffahrt: 2 Petajoule

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Spritverbrauch in Österreich heuer im ersten Quartal leicht gesunken

VCÖ (Wien, 18. Juli 2024) – Im ersten Quartal wurde in Österreich um fast ein Prozent weniger Sprit getankt als im ersten Quartal des Vorjahres, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Drei Viertel des getankten Treibstoffs war Diesel. Während der Benzinverbrauch um 5,3 Prozent zunahm, wurde um 2,7 Prozent weniger Diesel getankt. In Vergleich zum 1. Quartal des Vor-Coronajahres 2019 ging der Spritverbrauch in Österreich um 16 Prozent zurück und damit auch der vom Kfz-Verkehr verursachte CO2-Ausstoß. Die Mobilitätsorganisation VCÖ betont, dass der Spritverbrauch durch weitere Maßnahmen von Politik und Wirtschaft noch deutlich gesenkt werden kann.

Mehr dazu
Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.