VCÖ: Zahl der Verkehrstoten im 1. Halbjahr zurückgegangen – aber bereits 175 Todesopfer

VCÖ: Mit niedrigeren Tempolimits Verkehrssicherheit erhöhen

Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ (Wien, 30. Juni 2023) – Seit Jahresbeginn kamen in Österreich bereits 175 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Die Zahl der Verkehrstoten ist niedriger als im 1. Halbjahr 2022, als 191 Menschen im Straßenverkehr getötet wurden, aber nach wie vor sehr hoch. Der Straßenverkehr kostete heuer nicht nur mehr Menschen das Leben als in den Lockdown-Halbjahren 2020 und 2021, sondern auch mehr Menschen als im 1. Halbjahr 2017. Der VCÖ fordert verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen.

„Im 1. Halbjahr kostete der Straßenverkehr im Schnitt täglich einem Menschen das Leben. Die Unfallbilanz fürs 1. Halbjahr ist sehr traurig und Mahnung an die Politik, verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen umzusetzen“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Seit Jahresanfang kamen bereits 175 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im 1. Halbjahr 2022 waren nach vorläufigen Daten 185 Todesopfer zu beklagen, nach endgültigen 191. Weniger Verkehrstote als heuer gab es im 1. Halbjahr der beiden Lockdown-Jahre 2020 und 2021, aber auch im 1. Halbjahr 2017.

Nachdem Österreich bereits im Jahr 2020 das damalige Verkehrssicherheitsziel nicht erreicht hat, droht ohne weitere Maßnahmen auch das Verfehlen der künftigen Ziele. Wenn in der Verkehrssicherheit Ziele verfehlt werden, dann bezahlen dafür Menschen mit ihrer Gesundheit oder gar mit ihrem Leben, erinnert der VCÖ.

Ein zentraler Faktor für die Sicherheit im Straßenverkehr ist die Geschwindigkeit. Besonders viele schwere Unfälle passieren auch auf Freilandstraßen. Tempolimit 80 statt 100 reduziert das Unfallrisiko, rettet Menschenleben. Auch die Verkehrskontrollen der Exekutive leisten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Zudem braucht es auch mehr Geschwindigkeitskontrollen mit Radarboxen.

„Je höher das Tempo, desto länger der Reaktionsweg und der Bremsweg. Das Risiko eines Unfalls steigt. Im Ortsgebiet hat ein Pkw, der bei Tempo 30 einen Reaktions- und Bremsweg von insgesamt elf Metern hat, bei Tempo 50 mit 24 Metern einen doppelt so langen Anhalteweg und nach elf Metern noch fast die volle Geschwindigkeit. Wird ein Fußgänger mit diesem Tempo angefahren sind schwerste oder gar tödliche Verletzungen die Folge", erklärt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.

Im Ortsgebiet sollte daher Tempo 30 die Regel und Tempo 50 die Ausnahme sein. Aber die geltende Straßenverkehrsordnung erschwert es den Gemeinden, beispielsweise auf Durchzugsstraßen durch den Ort, Tempo 30 umzusetzen, selbst wenn sich entlang der Straße eine Schule oder ein Seniorenheim befindet. Der VCÖ führt daher eine Initiative zur Änderung der StVO durch, damit es leichter wird, Tempo 30 einzuführen. Bereits mehr als 200 Gemeinden und Städte in Österreich unterstützen die VCÖ-Initiative (www.vcoe.at/tempo30).

So stellt der Bürgermeister von Lustenau, Kurt Fischer, fest: „Tempo 30 bedeutet weniger schwere Unfälle, mehr Sicherheit, besseren Schutz für unsere Kinder. Tempo 30 rettet Leben.“  Maria Knauder, die Bürgermeisterin von St. Andrä in Kärnten,  betont: "Uns ist es ein großes Anliegen, durch eine 30 km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung wesentlich zur Sicherheit von Groß und Klein beizutragen.“

Niedrigeres Tempo reduziert auch die möglichen Folgen von Fahrfehlern oder anderer Verkehrsvergehen, wie etwa Ablenkung. So ist beispielsweise Handy am Steuer nach wie vor ein großes Problem. Im Vorjahr wurden in Österreich mehr als 130.000 Lenkerinnen und Lenker beim verbotenen Telefonieren mit dem Handy von der Exekutive erwischt. „Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht und langsam wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Damit steigt die Gefahr eines Verkehrsunfalls massiv“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.  

In allen Bundesländern gab es im 1. Halbjahr in der Vergangenheit bereits eine niedrigere Anzahl an Verkehrstoten als heuer, macht der VCÖ aufmerksam. Im Bundesländervergleich gab es in Niederösterreich seit Jahresbeginn mit 42 die meisten Todesopfer im Straßenvekehr, vor Oberösterreich (33), der Steiermark (27), Salzburg (19), Tirol (18) und Kärnten (13). Die niedrigste Anzahl an Verkehrstoten weist Wien mit sieben auf vor dem Burgenland und Vorarlberg (jeweils 8).

Webtipp: VCÖ-Initiative für mehr Tempo 30 vcoe.at/tempo30

VCÖ: In Österreich im 1. Halbjahr weniger Verkehrstote, aber noch immer viele Todesopfer (Anzahl Verkehrstote in Österreich)

1. Halbjahr 2023: 175 Verkehrstote (vorläufige Daten)

1. Halbjahr 2022: 191 Verkehrstote (endgültige Daten)

1. Halbjahr 2021: 151 Verkehrstote

1. Halbjahr 2020: 153 Verkehrstote

1. Halbjahr 2019: 196 Verkehrstote

1. Halbjahr 2018: 197 Verkehrstote

1. Halbjahr 2017: 170 Verkehrstote

1. Halbjahr 2016: 190 Verkehrstote

1. Halbjahr 2015: 214 Verkehrstote

1. Halbjahr 2014: 238 Verkehrstote

1. Halbjahr 2013: 191 Verkehrstote

1. Halbjahr 2012: 233 Verkehrstote

1. Halbjahr 2011: 246 Verkehrstote

1. Halbjahr 2010: 250 Verkehrstote

Quelle: BMI, Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Niederösterreich mit den meisten Verkehrstoten im Bundesländer-Vergleich (Bei Verkehrsunfällen im 1. Halbjahr 2023 tödlich verunglückt – in Klammer endgültige Daten 1. Halbjahr 2022)

Niederösterreich: 42 (55)

Oberösterreich: 33 Verkehrstote (39 Verkehrstote)

Steiermark: 27 (37)

Salzburg: 19 (9)

Tirol: 18 (15)

Kärnten: 13 (10)

Burgenland: 8 (9)

Vorarlberg: 8 (6)

Wien: 7 (10)

Österreich: 175 (191)

Quelle: BMI, Statistik Austria, VCÖ 2023

Zurück zur Übersicht

Tempolimits – die „low hanging fruits“ im Klimaschutz

Der Verkehr muss einen stärkeren Beitrag zum Klimaschutz leisten als bisher, auch damit Österreich seine Klimaziele erreichen kann. Zuletzt hat ein Team aus über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehr als 1.400 Klimaschutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit und Umsetzbarkeit bewertet. Als eine der wirksamsten und gleichzeitig kostengünstig und rasch umsetzbaren Maßnahmen wurden niedrigere Tempolimits genannt.

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash