VCÖ-World Café: Mobilitätswende vorantreiben - zentrale Rolle des Öffentlichen Verkehrs

Die zentrale Rolle des Öffentlichen Verkehrs erkennen

In Österreich sind im Jahr 2018 mehr als 31 Milliarden Personenkilometer mit Bahn, Bus, Straßenbahn und U-Bahn zurückgelegt worden. Aber  nicht nur der Öffentliche Verkehr nimmt deutlich zu, sondern auch der Autoverkehr.

Im Bereich der Mobilitätswende ist einiges in Bewegung. Der Radverkehr wird ausgebaut, der Öffentliche Verkehr verbessert, aber trotzdem ist wenig Veränderung im Verhalten sichtbar. Wie man ermöglicht, dass mehr Personen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen wurde im Rahmen des VCÖ-World-Cafés „Mobilitätswende vorantreiben – Zentrale Rolle des Öffentlichen Verkehrs“ mit Fachleuten aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung diskutiert. Der Verkehrswissenschafter Stephan Tischler von der Universität Innsbruck bzw. dem CMC Center for Mobility Research betonte in seiner Keynote:  „Mobilitätsverhalten ist von verschiedensten Faktoren beeinflusst. Neben der Schaffung attraktiver Angebote im Öffentlichen Verkehr ist eine der zentralen Herausforderungen jedoch die Bezugnahme auf persönliche Einstellungen. Um die über Jahrzehnte gepflegte emotionale Bindung zum Pkw zu Gunsten des Öffentlichen Verkehrs aufzubrechen bedarf es neuer Konzepte unter Miteinbeziehung innovativer Verkaufs- und Marketingstrategien, Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten wie auch die Rückbesinnung auf die klassischen Motive der Bedürfnisbefriedigung.“

Ballungsraum und Region
Ein Großteil der Arbeitsplätze konzentriert sich in den Landeshauptstädten und den umliegenden Ballungsräumen. Der Verkehr bündelt sich dort und durch Platzmangel ist es immer schwieriger die Straßeninfrastruktur weiter auszubauen. Neben den Städten braucht es aber auch die Regionen, um die Mobilitätswende zu erreichen. Außerhalb der Städte leben etwas weniger als die Hälfte der Bevölkerung, stoßen aber mehr als die Hälfte des CO2 des Verkehrs aus. Um das zu ändern ist es notwendig und wichtig die rund 120 regionalen Zentren gut an das öffentliche Verkehrsnetz anzubinden und somit eine Basis für die Mobilitätswende in den Regionen zu schaffen.

Jugend von heute sind Fahrgäste von morgen
Bei der jungen Bevölkerung ändert sich das Mobilitätsverhalten momentan sehr. Bewegungen wie Fridays4Future sensibilisiert die Jugend für ökologische Themen und den Öffentlichen Verkehr als einen Lösungsansatz, sind sich die Teilnehmenden einig. Je früher positive Erlebnisse mit dem Öffentlichen Verkehr gemacht werden, desto mehr wird er später genutzt. Da die Jugend am Land noch viel mehr mit dem Auto sozialisiert worden ist, entsteht im späteren Leben eine gewisse Distanz zum Öffentlichen Verkehr, die es gilt durch Aufklärung in Schulen zu überbrücken.

Hürden überwinden und Maßnahmen setzen
Der Verkehrswissenschafter Harald Frey von der TU-Wien weist auf bestehende Hürden für  den Öffentlichen Verkehr hin: „Zersiedelung macht eine flächendeckende Versorgung mit Öffentlichem Verkehr schwierig und teurer. Raumplanung und Bauordnungen beeinflussen maßgeblich die Verkehrsmittelwahl. Kompakte Siedlungsstrukturen und die Aufhebung der Pkw-Stellplatzverpflichtung sind grundlegende Voraussetzungen für eine Chancengleichheit zwischen Öffentlichem Verkehr und Auto.“ Dabei spielen nicht nur die räumlichen Barrieren eine Maßgebende Rolle, sondern gilt es auch zeitliche und mentale Barrieren zu überwinden. Flexible und verlässliche Taktfahrpläne sowie übersichtliche und einfache Buchungs- und Ticketingprozesse sind mögliche Pull-Maßnahmen, um den Öffentlichen Verkehr für alle Altersgruppen attraktiver zu gestalten. Nadine Haufe von der TU Wien blickt hoffnungsvoll in die Zukunft: „Unterschiedliche Menschen und Benutzergruppen haben unterschiedliche Ansprüche und Einstellungen und diese unterschiedlichen Bedürfnisse sind beim Ausbau des Öffentlichen Verkehrs zu beachten, dann ist bis zum Jahr 2030 eine intensive Reduzierung des Verkehrs zu schaffen.“

Der VCÖ führte diese Veranstaltung durch in Kooperation mit:

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Grafik: VCÖ 2020