Ausflugsverkehr auf Klimakurs bringen

Ausflugsziele sollen ohne Auto komfortabel erreichbar sein. Viele Destinationen sind gut mit dem Öffentlichen Verkehr erreichbar und bieten flexible Angebote vor Ort. Mobilitätsmanagement ermöglicht Tourismusregionen Mobilität aktiv zu gestalten.

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32 Prozent der Wege von Haushalten in Österreich sind Freizeitwege für Ausflüge und Besuche. Während der Anteil an Werktagen auf 23 Prozent zurückgeht, machen Freizeitwege an Samstagen bereits 44 Prozent und an Sonn- und Feiertagen mit 73 Prozent den Großteil aller Wege in Österreich aus. Dabei werden pro Woche rund 750 Millionen Kilometer beziehungsweise 47 Millionen Wege zurückgelegt, davon 57 Prozent Auto lenkend oder mitfahrend. Alleine die Freizeitwege im Pkw verursachen pro Jahr rund 2,5 Millionen Tonnen an direkten Treibhausgas-Emissionen.1

Freizeitverkehr klimaverträglich gestalten

Über die Hälfte der Freizeitwege werden in Österreich mit dem Auto zurückgelegt, gut elf Prozent im Öffentlichen Verkehr und 35 Prozent zu Fuß und per Rad.2 Um die Ausflugsmobilität auf Klimakurs zu bringen sieht der nationale Mobilitätsmasterplan 2030 des Klimaschutzministeriums vor, dass Ausflugsdestinationen mit Öffentlichem Verkehr, Bedarfsverkehr sowie zu Fuß und per Fahrrad gut erreichbar sind. In vielen Regionen in Österreich gibt es bereits entsprechende Angebote, die einen Umstieg auf nachhaltige Mobilität
ermöglichen.

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Ausflüge als Teil unserer Mobilität

Tagesausflüge sind Teil des Freizeitverkehrs. Insgesamt machen etwa 18 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal im Monat einen Tagesausflug.3  Als Tagesausflüge gelten alle Ausflüge in der Freizeit, bei denen das gewohnte Umfeld verlassen wird, jedoch nicht auswärts übernachtet wird. Neben Ausflugsfahrten ins Grüne oder für Besichtigungen, gehören dazu auch Ausflüge, um Verwandte oder Bekannte zu besuchen, um Sport zu treiben, um an Veranstaltungen teilzunehmen oder auch um Essen zu gehen. Wege für den täglichen Bedarf sind keine Ausflüge.

Weglänge steigt am Wochenende

In Österreich sind 32 Prozent der Wege Freizeitwege und Besuche. Die Weglänge steigt an Sonn- und Feiertagen im Vergleich zu einem Werktag um fast 50 Prozent und die Dauer steigt um mehr als 20 Prozent. Freizeitwege am Sonntag spielen hier eine wesentliche Rolle. Für Oberösterreich wurde erhoben, dass rund 40 Prozent der Ausflüge an Wochenenden stattfinden.4 Der Besetzungsgrad der Pkw ist höher als werktags, mit 1,7 Personen pro Pkw. An Samstagen ist dieser Unterschied geringer.5

Bessere Angebote für klimaverträgliche Anreise

Die Motive für die Wahl eines Ausflugsziels sind vielfältig. Für Oberösterreich ergab sich etwa, dass für 43 Prozent das „Genießen der Natur“ Anlass für den Tagesausflug war. Mehr als ein Drittel sucht Restaurants und Gasthäuser auf, 30 Prozent betreiben Sport. Trotzdem werden die An- und Abreisen zu Ausflugszielen in Oberösterreich zu 89 Prozent mit dem Auto zurückgelegt.6 Der Anteil des Öffentlichen Verkehrs ist bei Tagesausflügen unterdurchschnittlich, allgemein sinkt dieser Anteil in Österreich von 17 Prozent an Werktagen auf neun Prozent an Sonntagen.7 Die Erreichbarkeit wichtiger Ausflugsziele mit Öffentlichem Verkehr, flexiblen Diensten wie Rufbussen und Angeboten auch am Nachmittag und an Wochenenden sind die zentrale Voraussetzung für eine klimaverträgliche Anreise. Außerdem spielt die Reisezeit eine Rolle bei der Auswahl.8 Der Öffentliche Verkehr schafft Flexibilität. Wichtig sind Einfachheit und möglichst umsteigefreie Direktverbindungen. Die meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Österreich liegen größtenteils im städtischen Bereich. Der Stephansdom, die Galerie Belvedere, Schloss und Tiergarten Schönbrunn und die Festung Hohensalzburg verzeichneten vor der Covid-19-Pandemie ein bis rund fünf Millionen Gäste pro Jahr.9 Auch außerhalb des urbanen Bereichs finden sich zahlreiche beliebte Sehenswürdigkeiten. Von 42 Ausflugszielen in Österreich mit über 100.000 Gästen pro Jahr sind mehr als zwei Drittel gut im Taktverkehr erreichbar.

Mit Öffis zu Wanderungen und Bergtouren

Die Suchmaschine Zuugle zeigt Wanderungen und Bergtouren, die gut mit dem Öffentlichen Verkehr erreichbar sind. Gestartet wird die Tour dabei von „daheim“. Die Tour beginnt bereits an der nächsten Öffi-Haltestelle des Wohnorts. Zuugle ist die erste Suchmaschine für Aktivitäten wie Bergtouren, Skitouren, Klettern, Mountainbiking und Wandern im Alpenraum, die von vornherein von einer An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgeht. Insgesamt umfasst das Suchportal bereits mehr als 8.000 Touren. Weitere Angebote wie NaturTrip und bahn-zum-berg.at erleichtern ebenfalls die klimafreundliche Anreise zu sportlichen Aktivitäten.

Öffentlicher Verkehr schafft Flexibilität

Ein wesentlicher Vorteil des Öffentlichen Verkehrs ist, dass Start und Ziel beispielsweise bei einer Wanderung oder einem Radausflug unterschiedlich sein können. Eine Radmitnahme ist in Regionalzügen und vielen lokalen Verbindungen möglich. Beispielsweise ermöglicht der „Tauernsprinter“ in Kärnten das Fahrrad von Villach nach Mallnitz im Nationalpark Hohe Tauern mitzunehmen. Der Zug fährt einmal am Tag hin und retour und verfügt über einen Waggon mit mehr als 200 Fahrradabstellplätzen.10 In Niederösterreich sind viele der Ausflugsbahnen wie die Mariazellerbahn und der Radtramper am Traisental-Radweg mit Fahrradplätzen ausgestattet.11  Busse mit Radanhängern gibt es beispielsweise im Ötztal in Tirol oder im Bregenzerwald in Vorarlberg.12 Im Ybbstal fährt im Sommer ein Radtaxi zwischen Waidhofen an der Ybbs und Lunz am See.13 Ergänzend sind auch Radverleihsysteme an vielen Orten in Österreich verfügbar.

Mehr Autos durch kostenlose Pkw-Abstellplätze

Die Verfügbarkeit von Pkw-Abstellplätzen beeinflusst die Wahl des Verkehrsmittels. Berufstätige, die keinen Pkw-Abstellplatz am Arbeitsort haben, legen im Schnitt 30 Prozent ihrer Arbeitswege mit dem Auto zurück, bei jenen, die einen Abstellplatz haben, sind es 77 Prozent.14 Wird die Anzahl der Pkw-Abstellplätze reduziert und werden stattdessen ein gutes öffentliches Verkehrsangebot, eine Anbindung an das Radwegenetz sowie ausreichende Radabstellplätze angeboten, ändert das das Mobilitätsverhalten.

Im Nenzinger Himmel in Vorarlberg ist für Tagesausflüge die Zufahrt nur per Shuttlebus erlaubt, um Autoverkehr in das enge Hochtal zu vermeiden. In den Alpenregionen wie Werfenweng, Hinterstoder, Mallnitz oder Weißensee stehen vielfältige lokale Angebote zur Verfügung, wie Tälerbusse, Wandertaxis und weitere Services.15 Zermatt in der Schweiz ist ganz autofrei, die Anreise erfolgt im Öffentlichen Verkehr. Vor Ort stehen Gehen und Radfahren im Vordergrund und es gibt einen E-Bus und Elektrotaxis. Osttirol bietet Tälerbusse im Stundentakt, der Öffentliche Verkehr ist für Gäste kostenlos.16

Klimaticket und Ausflugstickets als Anreize

Flächendeckend gültige Tickets ermöglichen einen einfachen und flexiblen Zugang zum Öffentlichen Verkehr. Tourismusregionen bieten ihren Gästen immer öfter regionale Tickets, die meist mit Angeboten zu lokalen Attraktionen verbunden sind. In Vorarlberg kann mit der Gästekarte der Öffentliche Verkehr kostenlos genutzt werden.17 Das Freizeitticket des Verkehrsverbund Ost-Region kann an Wochenenden und Feiertagen in Niederösterreich und dem Burgenland genutzt werden. Ein Tagesticket bietet der Verkehrsverbund Oberösterreich, wo zwei Erwachsene mit bis zu vier Kindern regionale Verkehrsangebote nutzen können. Für Gruppen gibt es mit dem „Einfach-Raus-Ticket“ ein Angebot zur Nutzung des Nahverkehrs der ÖBB und der Raaberbahn. Das Ticket kann um die Radmitnahme erweitert werden.18

Mit dem im Herbst 2021 eingeführten Klimaticket kann das gesamte Angebot des Öffentlichen Verkehrs in einem Bundesland oder in ganz Österreich genutzt werden. Ende Juni 2022 wurden bereits rund 170.000 österreichweite Klimatickets verkauft.19 Die meisten regionalen Tickets wurden in Vorarlberg mit über 70.000 Tickets und in Salzburg mit über 40.000 Tickets verkauft.20 Noch fehlt die Erweiterung des Klimatickets zu einer Mobilitätskarte, in dem auch lokale Mikro-ÖV-Angebote wie Rufbusse, Anrufsammeltaxis und Sharing-Angebote inkludiert sind.

Flexible Angebote auf der letzten Meile

Eine Herausforderung ist oft der letzte Abschnitt von der höherrangigen Haltestelle zum Zielort. Flexible Mobilitätsangebote wie Bike- und Carsharing, Sammeltaxis und Rufbusse sind hier eine sinnvolle Ergänzung zum Linienverkehr. In Kärnten ist das Bahnhofshuttle Zubringer zum Öffentlichen Verkehr in zehn Tourismusregionen. Ein Beispiel ist das Nockmobil, das derzeit in acht Gemeinden in den Nockbergen verfügbar ist.21 In Tirol ist das Bahnhofshuttle für die letzte Meile zum Zielort verfügbar.22 Eine eigene Tourismus Mobilitätszentrale ist in Kärnten auf Angebote für den Tourismus spezialisiert.23

Mobilitätszentralen und Synergieeffekte nutzen

Mobilitätszentralen ermöglichen das Einholen notwendiger Informationen zu nachhaltiger Mobilität in einer Region über eine Anlaufstelle. Durch die zentrale Koordination können Freizeitverkehr und Angebote für die lokale Bevölkerung gesamthaft geplant werden und Potenziale, etwa unterschiedlicher Nutzungszeiten, genutzt werden. Neben Auskunft zu Fahrplan und Tarifen, werden auch allgemeine Fragen zu Öffentlichem Verkehr und klimaschonender Mobilität beantwortet. In Bischofshofen bietet seit dem Jahr 2001 die Mobilitätszentrale „Mobilito“ Informationen zu umweltverträglichen Mobilitätsangeboten im Pongau. In der Gemeinde Gosau in der Dachsteinregion Salzkammergut steht vor Ort ganztägig ein Taxi zur Verfügung, das auch über eine App bestellt werden kann. Die Bevölkerung kann den Service vergünstigt nutzen.24

Ausflugsverkehr klimaverträglich gestalten

Freizeitmobilität und Besuche machen in Österreich an Werktagen knapp ein Viertel aller privaten Wege aus, an Sonn- und Feiertagen sind es sogar 73 Prozent.25 Ein Teil der Freizeitmobilität sind Tagesausflüge, mehr als die Hälfte davon wird fahrend oder mitfahrend im Auto erledigt. Mobilitätsangebote unabhängig vom Privatauto nehmen zu und bieten Potenzial zum Umstieg auf nachhaltige Mobilität. Ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz bietet Flexibilität für Tagesausflüge, beispielsweise durch unterschiedliche Start- und Endpunkte. Mobilitätsangebote wie Ruf- und Wanderbusse oder Sammeltaxis ermöglichen eine klimaverträgliche An- und Abreise in die Ausflugsregionen.

Mobilitätsmanagement im Tourismus einführen

Mobilitätsmanagement in Tourismusregionen ermöglicht die Bereitstellung von öffentlich zugänglichen Mobilitätsangeboten angepasst an regionalen Bedarf. Das beinhaltet einen integrierten Taktfahrplan und gesicherte Umstiegsmöglichkeiten für Gäste und die lokale Bevölkerung. Nachfragebasierte Mobilitätsangebote wie Rufbusse und Sammeltaxis in Kombination mit Sharing-Angeboten bedienen die letzte Meile zum Ausflugsort sowie bedarfsgerechte Mobilität vor Ort. Einfach zugängliche Informationen zur Mobilität vor Ort und regionale Tickets und Gästekarten schaffen einen einfachen Zugang.

VCÖ-Empfehlungen

  • Mobilitätskonzepte für die öffentliche Erreichbarkeit von Ausflugszielen einführen

  • Angebote in Tourismusregionen durch Erweiterung des Öffentlichen Verkehrsangebots verbessern und flexible Mobilitätsangebote wie Shuttlebusse und Rad- oder Carsharing einführen

  • Integrierte Taktfahrpläne mit gesicherten Umstiegsmöglichkeiten zur besseren Erreichbarkeit von Ausflugszielen

  • Sichere Fuß- und Radwege insbesondere zur Verbindung von Ausflugszielen und dem Öffentlichen Verkehr schaffen

  • Verfügbarkeit regionaler Tickets für den Öffentlichen Verkehr für Tagesgäste verbessern

  • Etablierung von Mobilitätszentralen für den Freizeitverkehr unter Einbindung eines kontinuierlichen Mobilitätsmanagements

  • Gute und leicht zugängliche Information zu Öffentlichen Mobilitätsangeboten vor Ort etwa über regionale Mobilitätszentralen

Lina Mosshammer, VCÖ ‑ Mobilität mit Zukunft

„Mobilitätsmanagement in den Tourismusregionen und speziell bei Ausflugszielen ermöglicht eine umfassende Planung nachhaltiger Mobilität vor Ort nach Bedarf und integrale Planung mit den weiteren Verkehrsangeboten in der Region.“

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Dieses Factsheet entstand mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.

Im Jahr 2022 stehen im Rahmen von klimaaktiv mobil Förderungen für Aktive Mobilität und nachhaltiges Mobilitätsmanagement in der Höhe von 60 Millionen Euro zur Verfügung. Durch das klimaaktiv mobil Programm für den Tourismus- und Freizeitbereich werden Maßnahmen für einen klimafreundlichen Tourismus und ein nachhaltiges Freizeitangebot gefördert.

Mehr Informationen unter: klimaaktivmobil.at/tourismus


Quellen

1 Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit): Österreich unterwegs 2013/2014. Wien: 2016; Umweltbundesamt: Emissionskennzahlen Datenbasis 2020. Aktualisiert Juni 2022. Wien: 2022. Weblink - 10.8.2022; VCÖ: Eigene Berechnungen. Wien: 2022
2 Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit): Österreich unterwegs 2013/2014. Wien, 2016
3 Institut für Freizeit- und Tourismusforschung. Wien: 2022
4 Land Oberösterreich. Analyse Tagesausflüge AnTagA Sommer 2017. Linz: 2018. Weblink
5 Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit): Österreich unterwegs 2013/2014. Wien: 2016
6 Land Oberösterreich. Analyse Tagesausflüge AnTagA Sommer 2017. Linz: 2018. Weblink
7 Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit): Österreich unterwegs 2013/2014. Wien: 2016
8 mobXpert. Mikrozensus Mobilität und Verkehr. Themendossier 6: Freizeitmobilität. Schweiz: 2010.
9 TourMis und Wienkultur. Weblinks: www.tourmis.info und www.wienkultur.info
10 Visit Villach. Weblink
11 Land Niederösterreich. Weblink
12 VMOBIL. Land Tirol. ULR: Weblink und Weblink
13 Region Mostviertel. Weblink
14 Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit): Österreich unterwegs 2013/2014. Anhang C Teil 2 Seite 43 und 45. Wien: 2016
15 Alpine Pearls. Weblink
16 Stadt Zermatt. Weblink
17 Land Vorarlberg. Weblink
18 VOR. Weblink Weblink, ÖBB. Weblink Weblink
19 One Mobility GmbH. Stand Juni 2022. Wien: 2022
20 Verkehrsverbund Salzburg. Salzburg: 2022; ORF. Bericht auf Basis parlamentarischer Anfrage. 2022. Weblink
21 Nockmobil. www.nockmobil.at
22 VCÖ. Mobilitätsprojekte. Weblink
23 Stadt Villach. Weblink
24 Gemeinde Gosau. Weblink
25 Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit): Österreich unterwegs 2013/2014. Wien: 2016
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