VCÖ-Factsheet 2020-06 Güterverkehr auf Klimakurs bringen

Der Güterverkehr hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen – vor allem auf der Straße. Damit verbunden sind Umweltbelastungen und externe Kosten für die Gesellschaft. Um die EU-Klimaziele zu erreichen, muss der Güterverkehr rasch auf Klimakurs gebracht werden.

Österreich ist aufgrund seiner zentralen Lage eine Drehscheibe für Güterströme innerhalb Europas. Vier der europäischen TEN-V-Kernnetzkorridore verlaufen durch Österreich. Auf Europas Straßen wurde zuletzt mit rund 1.900 Milliarden Tonnenkilometern pro Jahr fast fünf Mal so viel transportiert wie mit der Bahn. Der Güterverkehr in der EU nimmt auf der Straße deutlich stärker zu als auf der Schiene und in Österreich stieg der Gütertransport im vergangenen Jahrzehnt stärker als im EU-Schnitt. Der Zuwachs auf der Straße war mit 21 Prozent fast doppelt so hoch wie auf der Schiene mit 12 Prozent.

Klimaproblem Straßengüterverkehr

Der stark steigende Lkw-Verkehr schlägt sich auch in Österreichs Klimabilanz nieder. Gegenüber dem Jahr 1990 haben sich die Treibhausgas-Emissionen des Straßengütertransports auf fast neun Millionen Tonnen im Jahr 2019 verdoppelt. Dadurch, dass im Jahr 2019 in Österreich 21,7 Milliarden Tonnenkilometer auf der Schiene und nicht auf der Straße transportiert wurden, hat die Bahn über 1,8 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Um den Güterverkehr auf Klimakurs zu bringen, braucht es eine umfassende Strategie mit den drei Säulen vermeiden - verlagern - verbessern.

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Die Treibhausgas- Emissionen des Straßengüterverkehrs haben sich in Österreich seit dem Jahr 1990 mehr als verdoppelt.

Exklusive Luftverkehr betrug im Jahr 2018 in Österreich der Güterverkehrsaufwand 93 Milliarden Tonnenkilometer. Ein Drittel davon ging als Transit durch Österreich. Rund 30 Prozent wurden innerhalb Österreichs transportiert und 36 Prozent wurden entweder ins Ausland versendet oder aus dem Ausland empfangen. Lkw aus Österreich transportierten im Jahr 2018 rund 88 Prozent der Güter auf Strecken kürzer als 150 Kilometer. Bei längeren und internationalen Strecken dominieren Lkw aus dem Ausland. Im Jahr 2019 legten Lkw in Österreich 2,7 Milliarden Kilometer zurück, 34 Prozent davon leer.

Schienengüterverkehr in Österreich liegt über dem EU-Durchschnitt

Mit 76 Prozent der Tonnenkilometer ist der Anteil des Straßengüterverkehrs in der EU höher als in Österreich mit 66 Prozent. Und während in Österreich die Schiene einen Anteil von rund 32 Prozent hat, sind es in der EU nur 18 Prozent. Den höheren Schienenanteil verdankt Österreich den betrieblichen Gleisanschlüssen und dem Einzelwagenverkehr. Mit einer Reihe von Fördermaßnahmen wird in Österreich auch der kombinierte Verkehr unterstützt. Beispielsweise werden mit der Rollenden Landstraße (RoLa) Lkw auf Teilstrecken mit der Bahn befördert. So wurden im Jahr 2019 in Österreich rund 151.000 Lkw auf der Schiene transportiert. Allerdings nimmt die Zahl seit dem Jahr 2010 ab, als mit 344.000 mehr als doppelt so viele Lkw auf der Rollenden Landstraße per Bahn transportiert wurden.

Der Anteil der Lkw-Leerfahrten ist in den Jahren 2010 bis 2019 deutlich gestiegen. Dieser Anteil ist zu reduzieren.

Klimaschäden des Güterverkehrs reduzieren

Der Güterverkehr auf Straße, Schiene und Binnenschiff in der EU plus Großbritannien, Schweiz und Norwegen, verursacht pro Jahr rund 275 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das sind rund ein Drittel der gesamten Verkehrsemissionen. Die Treibhausgas-Emissionen des Straßengüterverkehrs in der EU haben sich vom Jahr 1990 bis zum Jahr 2018 verdoppelt. In Österreich sind die jährlichen Treibhausgas-Emissionen der schweren und leichten Nutzfahrzeuge seit dem Jahr 1990 noch stärker gestiegen. Im Jahr 2019 verursachte der Güterverkehr auf der Straße fast 9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Insgesamt war der Lkw-Verkehr damit in Österreich für rund 36 Prozent der vom Straßenverkehr verursachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich und verursachte außerdem rund 30 Prozent der Stickoxid-Emissionen und 33 Prozent der Feinstaub-Emissionen (PM10) des Straßenverkehrs in Österreich. Während die Bahn in Österreich pro 1.000 Tonnenkilometer 3,5 Kilogramm Treibhausgase verursacht, sind es bei den 40-Tonnen-Sattelzügen mit 69 Kilogramm 20 Mal so viel. Der Durchschnitt über alle Lkw beträgt sogar 90 Kilogramm Treibhausgase pro 1.000 Tonnenkilometer.

Externe Kosten belasten die Gesellschaft

Der Lkw-Verkehr trägt nur einen Teil seiner Kosten selber. Schäden durch Abgase und Lärm an Umwelt und Gesundheit, Unfallfolgekosten und Teile der verursachten Straßenschäden zahlen nicht die verursachenden Lkw, sondern die Allgemeinheit. In Summe betragen die vom Lkw-Verkehr in Österreich verursachten externen Kosten rund 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. EU-weit machen die externen Kosten der Straßengütertransporte pro Jahr sogar 195 Milliarden Euro aus. Im Lkw-Verkehr entstehen in der EU mit rund 42 Euro pro 1.000 Tonnenkilometer mehr als drei Mal so hohe externe Kosten wie mit der Bahn mit 13 Euro pro 1.000 Tonnenkilometer. Aufgrund der vergleichsweise hohen Klimaverträglichkeit der Bahn in Österreich sind die externen Kosten hierzulande niedriger als im EU-Vergleich. Lkw verursachen 3,6 Mal so hohe externe Kosten wie die Bahn. Verglichen mit dem vollelektrifizierten Abschnitt der Rollenden Landstraße sind die externen Kosten des Lkw-Verkehrs sogar um das 5,5-Fache höher. Eine verursachergerechte Bepreisung ist eine wichtige Voraussetzung, damit der Güterverkehr seinen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten kann.

88 Prozent der Güter auf Lkw aus Österreich werden weniger als 150 Kilometer transportiert, was innerhalb der Reichweite von 200 bis 500 Kilometer moderner E-Lkw liegt.

Mikro-Hubs: Cargo-Bikes für die letzte Meile

Neue Logistikkonzepte werden im Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlicher Effizienz und kommunalen Ansprüchen der Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und umweltverträglicher Zustellung umgesetzt. Die Konzepte sollen den Transportaufwand reduzieren. Ein vielversprechendes Logistikkonzept sind City-Hubs. In der Stadt Brüssel konnten bei einem Testlauf, bei dem auf der letzten Meile Transport-Fahrräder eingesetzt wurden, die CO2-Emissionen der Zustellung um 24 Prozent und Feinstaub um 59 Prozent reduziert werden.

Synchromodalität erhöht die Effizienz

Ein weiteres Logistikkonzept mit Potenzial zur Effizienzsteigerung im Güterverkehr ist die Synchromodalität. Das ist die integrierte und hoch flexible Nutzung aller für einen bestimmten Transport von A nach B zur Verfügung stehenden Verkehrsträger. Die Besonderheit bei synchromodalen Transporten ist die Möglichkeit eines Echtzeitwechsels der Verkehrsträger, angepasst an die aktuellen Bedingungen in der Transportkette. Dies wird durch a-modale Transportbuchungen der Verlader ermöglicht. A-modal bedeutet, dass im Vorhinein nur grundlegende Anforderungen, beispielsweise maximale Kosten oder Zeitfenster eines Transports, definiert werden, aber kein Verkehrsträger vorgegeben ist. Dadurch können Transportprozesse optimiert und verfügbare Ressourcen effizienter genutzt werden.

Lkw verursachen in der EU im Schnitt drei Mal so hohe externe Kosten für die Gesellschaft wie die Bahn.

Güterverkehr verursachergerecht besteuern

Für den Güterverkehr erfolgen Regulierungen – egal für welche Verkehrsträger – zu einem großen Teil direkt auf EU-Ebene. Eine Lkw- Bemautung kann sicherstellen, dass der Straßengüterverkehr für die Benützung der Infrastruktur und die dabei verursachten Schäden und Folgekosten des Verkehrs, etwa Umwelt- und Gesundheitskosten, verursachergerecht bezahlt. In der EU gibt es keine Verpflichtung, diese Kosten dem Straßengüterverkehr anzulasten, sondern nur die Ermächtigung für EU-Staaten, Mautsätze zur Abdeckung der Infrastrukturkosten und sehr niedrig gedeckelte Höchstsätze bei Lärm und Luftverschmutzung einzuheben. Die Vorschriften sind unzureichend, weil wesentliche Kosten, wie Unfallfolgekosten, Klimaschäden oder Zerschneidung der Landschaft unberücksichtigt bleiben.

Schiene für Güterverkehr attraktiver machen

Das Jahr 2021 ist das „Europäische Jahr der Schiene“. Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen so zu verändern, dass die Nutzung der Schiene für Gütertransporte attraktiver wird. Aktuell wird der Schienenverkehr von Jahr zu Jahr teurer. Die Trassenpreise der Bahn sind im EU-Durchschnitt in den Jahren 2010 bis 2017 jährlich um 2,5 Prozent gestiegen. Die Bahn muss in ganz Europa Trassenentgelte entrichten, doch nur in 16 EU-Mitgliedstaaten wurden im Jahr 2019 auf Autobahnen kilometerabhängige Lkw-Mauten eingehoben. Diese ungleichen Wettbewerbsbedingungen ließen sich etwa durch vollständige Nutzung der Erlöse des europäischen Emissionshandels aus dem Schienenverkehr für Infrastruktur-Investitionen oder eine allgemeine CO2-Abgabe verbessern.

Quellen: VCÖ-Schriftenreihe „Mobilität mit Zukunft“: „Güterverkehr auf Klimakurs bringen“, Wien 2020.

VCÖ-Empfehlungen

Wettbewerbsverzerrung zwischen Straßengüterverkehr und Schienengüterverkehr in Österreich und der EU endlich reduzieren

  • Vermeiden - verlagern - verbessern: Das ist in dieser Reihenfolge die zentrale Strategie für mehr Nachhaltigkeit im Güterverkehr.

  • Kostenwahrheit und Verursacherprinzip sind zentrale Elemente eines ökologisch nachhaltigen Güterverkehrs. Es braucht die Einführung einer CO2-Bepreisung, die Abschaffung des Diesel-Privilegs und den Abbau von Sozialdumping im Straßengüterverkehr.

  • Erhöhung der Strafen und Sanktionen gegenüber Unternehmen, die arbeits- und sozialrechtliche Standards nicht einhalten.

  • Entsenderichtlinie in allen EU-Staaten durchsetzen und strenge, regelmäßige Kontrollen zwischen allen Behörden abstimmen.

  • Externe Kosten des Straßengüterverkehrs durch verpflichtende Mindest-Maut EU-weit verursachergerecht anlasten.

  • Technische und bürokratische Hürden für Bahntransporte innerhalb der EU abbauen.

  • Kapazitätsengpässe im europäischen Schienennetz durch Ausbau und langfristige Finanzierung von Bahninfrastruktur-Projekten reduzieren.

Michael Schwendinger, VCÖ ‑ Mobilität mit Zukunft

„Der zunehmende Güterverkehr ist eine der zentralen Herausforderungen für die Erreichung der Klimaziele. Für große Transportdistanzen ist die Verlagerung auf die Schiene die wichtigste Lösung. Auf kürzeren Strecken braucht es elektrifizierte Fahrzeuge und innovative Logistik- Konzepte.“

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