Begrünung ist gesund und fördert aktive Mobilität
Eine Analyse des Mobilitätsverhaltens im niederländischen Eindhoven zeigt wie stark der Einfluss von Grünflächen auf die aktive Mobilität ist. Menschen, die durchschnittlich 200 Meter von Grünraum entfernt wohnen, gingen rund 160 Minuten wöchentlich. Personen, die im Schnitt nur hundert Meter weiter entfernt von Grünraum wohnen, gingen pro Woche 21 Minuten weniger.3 Weitere Studien zeigen, dass vor allem ältere Personen mehr zu Fuß gehen, wenn sich Grünräume in der Umgebung befinden.4 Menschen, die zu Fuß gehen oder Radfahren, bewerten diese Wege auch positiver, wenn sie dabei Grünräume durchqueren, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, es zur Gewohnheit zu machen.5 Das liegt daran, dass entlang von Büschen und Bäumen gehen, Stresshormone stärker reduziert als ein vergleichbarer Spaziergang in einer Asphaltwüste.6
Neue Konzepte für aktive Mobilität in Zeiten der Klimakrise
In der EU-Verordnung wird festgelegt, dass Begrünung so umgesetzt werden sollte, um unter anderem urbane Temperaturen im Sommer zu reduzieren und um die Klimaresilienz von Städten zu erhöhen.7 Die doppelte Herausforderung der Klimawandelanpassung für die Mobilitätswende bedeutet, der Klimakrise durch eine Reduktion der CO2-Emissionen zu begegnen und zugleich Mobilitätssysteme an eine bereits heißere Welt anzupassen. Um Städte klimaresilienter zu machen, müssen sie zugleich kompakter, grüner und auch lebenswerter werden. Das gelingt in einer „Fünfzehn-Minuten-Stadt“, wo die täglichen Wege innerhalb von fünfzehn Minuten zu Fuß oder mit dem Rad abgedeckt werden. Hier werden die Nachbarschaft und die täglichen Bedürfnisse die zentrale Bezugsgröße der Stadt- und Mobilitätsplanung. Alle wesentlichen tägliche Bedarfe sollen innerhalb der eigenen Nachbarschaft erledigt werden können. Zugleich wird aktive Mobilität die dominante Mobilitätsform, um sich in diesem Quartier fortzubewegen.8 Nachdem dadurch der Bedarf an Pkw-Abstellplätzen zurückgeht, kann der freiwerdende Straßenraum auch besser begrünt werden, was wiederum die Aufenthaltsqualität und die Nutzung aktiver Mobilität innerhalb dieser Nachbarschaften stärkt.9
Gartenstraßen in grünen Nachbarschaften
Sogenannte „Gartenstraßen“ sind ein neues Planungsinstrument in Wien, um die Begrünung des Straßenraumes voranzutreiben. Solche Straßen haben einen Begrünungsgrad von 40 Prozent und 60 Prozent des Straßenraumes werden durch Baumkronen bedeckt. In diesen Gartenstraßen gilt ein aufrechtes Parkverbot, sowie keine Durchfahrtsmöglichkeiten für Pkw. Dieser Straßentyp soll besonders in dicht besiedelten Stadtteilen umgesetzt werden.10 In Wien wurden mehrere begrünte Straßentypen definiert, um die Planung solcher Straßen zu erleichtern. Das ermöglicht eine bessere geplante Vernetzung von Umgestaltungsmaßnahmen, indem verschiedene Straßentypen zu einem zusammenhängenden grünen Netzwerk verknüpft werden, dessen Straßen sich nur durch den Grad der Begrünung und Pkw-Verkehrsreduktion unterscheiden.11
Wer morgen Schatten will, muss heute Bäume pflanzen
Bäume brauchen etwa fünfunddreißig Jahre bis sie groß genug sind, um einen effektiven Schatten zu werfen.12 Ein heute gepflanzter Raum wird erst 2060 seine volle Wirkung entfalten. Umso wichtiger ist es schon heute Bäume systematisch als Bestandteil von sämtlichen Verkehrsflächen einzuplanen und Baumpflanzungen energisch voranzutreiben. Das ermöglicht aktive Mobilität auch in einem heißeren Klima. In Brandenburg wurde im Jahr 2025 der erste klimaresiliente Radweg Deutschlands geplant, der genau diese Herausforderungen im Blick hat.13 Mit Wärmebildkameras wurde die Route anhand der optimalen Kühlwirkung von Alleen und Hecken geplant. Bei Hitzestellen wurden Bäume nachgepflanzt. Gebaut wurde die Route entlang von Trinkbrunnen, schattigen Plätzen und Badestellen.