Rahmenbedingungen für abgasfreie Stadt-Logistik verbessern

Von Katharina Jaschinsky (VCÖ - Mobilität mit Zukunft), Februar 2026

Obwohl die Luft in den letzten Jahrzehnten sauberer wurde, bleibt ein Problem bestehen: in allen österreichischen Landeshauptstädten ist die Stickstoffdioxid-Belastung aus gesundheitlicher Sicht noch immer zu hoch.1 Stickstoffoxid wird hauptsächlich durch Dieselfahrzeuge verursacht, hat gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit, verursacht zahlreiche Erkrankungen und belastet damit auch das Gesundheitssystem maßgeblich. Bei Lkw und Transportfahrzeugen ist der Dieselanteil besonders hoch. Die Umstellung von Diesel- auf Elektrotransporter ist eine der wichtigsten Maßnahmen für eine bessere Luftqualität und somit auch für die Gesundheit der Menschen. Damit sich abgasfreie Logistik in Städten schneller durchsetzt, braucht es in Österreich dringend verbesserte Rahmenbedingungen.

Überproportionale Belastung durch Lieferverkehr

Obwohl städtischer Güterverkehr nur einen kleinen Teil des Verkehrsaufkommens ausmacht, ist die Wirkung auf die Luftqualität überproportional hoch.2 Leichte Diesel-Nutzfahrzeuge, wie sie oft für Lieferungen in Städten genutzt werden, emittieren vor allem durch das häufige Stop-and-Go pro Tonnenkilometer 22-mal so viel Stickoxide wie alle Lkw im Durchschnitt.3 Die Schadstoffe belasten die Gesundheit der Anrainerinnen und Anrainer. Zudem sind Diesel-Transporter lauter als Elektro-Transporter. Ihr Lärm beeinträchtigt zusätzlich die Lebensqualität der Bevölkerung.

Umweltzonen in Österreich sind nicht mehr zeitgemäß

Umweltzonen verbieten die Einfahrt besonders schmutziger Kraftfahrzeuge. Österreichs Umweltzonen in Wien, dem Burgenland und der Steiermark betreffen lediglich Lkw mit einer Abgasklasse schlechter als Euro 3. Die Abgasklasse Euro 3 ist der veraltete Standard des Jahres 2001! Eine positive Ausnahme gibt es in Tirol. Hier gilt auf der A12 Inntalautobahn zwischen Langkampfen und Zirl auf über 80 Kilometer auch für Lkw der Euroklasse V ein Fahrverbot. Andere europäische Länder und Städte setzen - mit großem Erfolg - bereits neue Maßstäbe und forcieren abgasfreie Lieferfahrzeuge.

  • London: Dank wirksamer Niedrig-Emissionszonen seit dem Jahr 2008 verbesserte sich die Luftqualität deutlich, die Zahl der Krankenstandstage ging um beachtliche 19 Prozent zurück. In Summe wird das Gesundheitssystem dank der „Low Emission Zone“ für Lkw und der „Ultra Low Emission Zone“ für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge um jährlich 42 Millionen Pfund entlastet.4,5
  • Dänemark: Auch in Dänemark gibt es in den Städten Kopenhagen, Frederiksberg, Odense, Aarhus und Aalborg effektive Niedrig-Emissions-Zonen. Um in diese Zonen einfahren zu können, müssen schwere Lkw die Abgasklasse Euro 6 und leichte Nutzfahrzeuge die Abgasklasse Euro 5 erfüllen oder mit einem Feinstaubfilter ausgerüstet sein.6 Dänemark zählt bei den Elektro-Lkw Neuzulassungen zu den Spitzenreitern der EU.7
  • Niederlande: Seit dem Jahr 2025 setzen 18 Städte auf Null-Emissions-Zonen für Logistikfahrzeuge. Neu zugelassene Fahrzeuge müssen dort abgasfrei sein. Ein einheitlicher Stufenplan für Bestandsfahrzeuge schafft dabei die nötige Planungssicherheit für Unternehmen. Das Besondere: die Regelungen dafür sind in allen teilnehmenden Städten gleich, wodurch Klarheit und Transparenz gewährleistet wird.8
  • Oslo: Die City-Maut in Oslo ist für Lkw nach der Abgasklasse und Zeit gestaffelt, sodass ältere Modelle in der Rush-Hour etwa 19 Euro zahlen müssen, um durch die Stadt zu fahren. Emissionsfreie Lkw sind hingegen von der City-Maut bis zum Jahr 2027 befreit.9

Vier Hebel für emissionsfreie Stadt-Logistik

Um den Hochlauf von emissionsfreier Stadt-Logistik in Österreich zu beschleunigen, sollte rasch an folgenden Stellschrauben gedreht werden:

  1. Gesetzliche Basis für ambitionierte Luftqualität und CO2-Reduktion: Es braucht eine klare rechtliche Grundlage für Städte, um Niedrig-Emissionszonen sowie eine City-Maut nach internationalem Vorbild einführen und diese kontrollieren zu können.
  2. Fokussierte steuerliche Begünstigungen: Steuerliche Vorteile, wie die Befreiung von der Normverbrauchsabgabe (NoVA), sollen konsequent ausschließlich voll-elektrischen Fahrzeugen gewährt werden.
  3. Gleichstellung von Elektro-Fahrzeugen: Leichte Elektro-Nutzfahrzeuge sind aufgrund des höheren Gewichts noch nicht gänzlich den leichten Diesel-Nutzfahrzeugen gleichgestellt, was Fahrverbote oder die Maut betrifft. Zudem braucht es auch für Kleintransporteure ohne Konzessionspflicht in der Gewerbeordnung eine Anpassung der erlaubten Gewichtsgrenze.
  4. Attraktive Bedingungen für Transporträder schaffen: Emissionsfreie Stadt-Logistik bedeutet auch, den Umstieg auf Transportfahrräder zu forcieren. Dafür braucht es neben einer gut ausgebauten Radinfrastruktur auch ausreichend Umschlagsplätze.

Die derzeit in allen Landeshauptstädten erarbeiteten „Sustainable Urban Logistic Plans“ bilden den Rahmen, um konkrete Maßnahmen auf Stadtebene zu definieren und notwendige gesetzliche Anpassungen, welche nicht von Städten umgesetzt werden können, gezielt an die Bundesregierung heranzutragen. Es ist höchste Zeit, dass auch in Österreichs Städten verstärkte Maßnahmen für abgasfreie City-Logistik gesetzt werden (können).

Quellen

Quellen

1 Umweltbundesamt: Vorläufige Bilanz der Luftqualität 2025. Wien, 2025. Weblink
2 The Real Urban Emissions Initiative: TRUE data exposes threat of delaying Brussels LEZ. 2024. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
3 Umweltbundesamt: Emissionskennzahlen von Verkehrsmitteln. 2025. Weblink
4 Mayor of London: Ultra Low Emission Zone: Vans, minibuses and more. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
5 Ali Beshir, Fichera: "And Breathe Normally": Impacts of low emission zones on sick leave and mental well-being. Journal of Economic Behavior & Organization. 2025. Zugriff am 29.01.2026 Weblink
6 Miljozoner: Rules for lorries and buses. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
7 International Council on Clean Transportation: Race to Zero: European heavy-duty vehicle market development quarterly (January-September 2025). 2025. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
8 Zero-Emissie Stadslogistiek: Waar komen de zero-emissiezones. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
9 Electrive: Oslo increases HGV toll-making e-trucks even more cost-effective. 2026. Zugriff am 29.01.2026. Weblink

 

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Die Chance ergreifen

Die Entwicklung geht klar in Richtung emissionsfreier Antriebe. Steigende Reichweiten sprechen dafür, dass sich beim Pkw der batterie-elektrische Antrieb mittelfristig durchsetzen wird. Synthetische Treibstoffe, mit denen Verbrennungsmotoren CO2-neutral betrieben werden könnten, sind für den Masseneinsatz absolute Zukunftsmusik. Unter den etablierten Autoherstellern gab Volvo als Teil eines chinesischen Konzerns als erster bekannt, vollständig auf Elektro-Antriebe umzustellen. Auch Volkswagen ziele „auf den Punkt, an dem sich jeder fragen muss, warum er einen Verbrenner haben will. Denn wir glauben nicht, dass es eine Alternative zur E-Mobilität gibt“, wird ein Vorstandsmitglied von Volkswagen zitiert. Die Pkw-Neuwagenflotte von Mercedes soll bis zum Jahr 2039 CO2-neutral werden. Entwicklungskapazitäten werden aktuell von Motoren und Getrieben hin zu Batterietechnologie und Leistungselektronik verschoben. Das bedeutet einschneidende Veränderungen, auch für Beschäftigte der Automobilbranche. Doch die Entwicklung lässt sich auf Dauer nicht aufhalten und nur Unternehmen, die sich rechtzeitig umstellen, werden auch in Zukunft noch Arbeitsplätze bieten können. Viele Autozulieferer diversifizieren bereits ihre Produktpalette in Richtung Elektro- Antriebe oder anderer Sektoren, etwa der Autozulieferer Miba, der Bremsen für Windkraftanlagen herstellt. Für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte werden Tausende Fachkräfte für Aufbau und Wartung der E-Ladeinfrastruktur gebraucht werden. Geld, das bisher in den Import von Erdöl geflossen ist, kann künftig verstärkt im Inland ausgegeben werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Mobilitätswende unterm Strich für ein Plus an Beschäftigung sorgen wird.

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