Spritkostenbremse: It’s the Spritverbrauch, stupid!
Von Michael Schwendinger (VCÖ - Mobilität mit Zukunft), März 2026
Österreich diskutiert über gestiegene Spritpreise – schon wieder. Die Bundesregierung hat nun mit einer Spritpreisbremse reagiert. Ein Blick über die Zapfsäule hinaus zeigt, dass die Diskussion zu kurz greift. Der Weltmarkt und internationale Konflikte bestimmen den Erdölpreis, dagegen ist die Regierung in Wien machtlos. Auch zukünftig werden uns Energiekrisen wohl nicht erspart bleiben. Schuld und betroffen zugleich ist vor allem der Verkehr, zumal in Österreich 83 Prozent des verbrauchten Erdöls in diesen Sektor fließen.1 Anstatt alle Jahre wieder zu diskutieren, was Österreich gegen schwankende Erdölpreise tun kann (nämlich fast nichts), sollten wir dringend darüber reden, wie wir uns rasch aus der Erdöl-Abhängigkeit befreien können.
Déjà-vu oder lessons learnt
Ein Rückblick auf die Diskussion über steigende Spritpreise im Jahr 2022 infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sollte uns zu denken geben. Deutschland versuchte durch eine vorübergehende Steuerreduktion von Juni bis August die Preise an den Zapfsäulen zu drücken. Der Effekt währte denkbar kurz. Schon zwischen Juli und August nahm die preisdämpfende Wirkung ab. Den Autofahrenden war wenig geholfen, aber die Aktion schlug sich mit einem stolzen Preis von mehr als einer Milliarde Euro pro Monat im deutschen Budget nieder.2 Sehr viel Steuergeld also, das schon damals knapp (Stichwort Corona-Krise) und zudem wenig treffsicher und energiepolitisch kontraproduktiv eingesetzt war. Rückblickend aus dem Jahr 2026 warnen namhafte Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland davor, denselben Fehler noch einmal zu machen.3 Noch krachender gescheitert ist der ungarische Versuch, einen starren, staatlich verordneten Spritpreisdeckel einzuziehen: kleinere Tankstellen mussten zusperren, die Versorgung kam ins Stocken, der Versuch die Inflation zu drücken ging nach hinten los und Regierungschef Orban sah sich zur Schadensbegrenzung gezwungen, die Maßnahme ohne Vorwarnung wieder zurückzunehmen.4
Transformation schafft Wertschöpfung
Natürlich sollen Krisenprofite durch unlauteren Wettbewerb verhindert werden – das ist Sache der Wettbewerbsbehörden. Solange wir die Krisendiskussion jedoch auf Spritpreise reduzieren, bleiben wir in der Falle sitzen. Die Frage muss lauten: Wie kommen wir rasch aus der Erdöl-Abhängigkeit heraus? Die gute Nachricht: ein Umsteuern macht nicht nur krisensicherer, sondern schafft zudem Wertschöpfung in Österreich und hilft die Klimaziele zu erreichen, die mittlerweile längst auch budgetrelevant sind. Statt wie im Vorjahr mehr als sieben Milliarden Euro für Erdöl-Importe ans Ausland zu überweisen, stützt der Umstieg auf erneuerbare Energie den Standort Österreich.5 Während von einem in fossile Energie investierten Euro nur 55 Cent an Wertschöpfung in Österreich verbleiben, sind es bei erneuerbaren Energien 96 Cent.6
Rasche Abhilfe durch sparsames und effizientes Fahren
Bleibt die Frage: Was tun? Kurzfristig hilft den Betroffenen in Österreich vor allem eines: die steigenden Spritkosten zu reduzieren, indem beim größten Hebel angesetzt wird, den Autofahrende selbst in der Hand haben – beim Verbrauch. Wer etwa auf der Autobahn 100 statt 130 Stundenkilometer fährt, senkt den Spritbedarf im Durchschnitt um rund 23 Prozent.7Den Verbrauch durch einen spritsparenden Fahrstil um 20 Prozent zu reduzieren, wirkt auf die Spritkosten wie eine Reduktion des Spritpreises von 2,15 Euro auf 1,72 Euro. Eine Spritverbrauchbremse ist eine sehr günstige Maßnahme mit sehr großer Wirkung. Und wer darüber hinaus kurze Strecken möglichst oft statt mit dem Auto mit dem Fahrrad fährt – der Frühling lädt dazu ein – spart zusätzlich Geld, verbrennt Kalorien statt Sprit und tut zusätzlich der eigenen Gesundheit Gutes.8
Rahmenbedingungen für „raus aus Öl“ schaffen
Aber auch mittel- und langfristig ist der Handlungsbedarf groß. Klar muss sein, dass öffentliche Investitionen in Energiefragen nur dann langfristig sinnvoll sind, wenn sie dem Ziel „raus aus Öl“ dienen. Natürlich kann man bei akuten Krisen sozial gerecht gegensteuern. Wenn dem Staat, wie derzeit der Fall, infolge höherer Umsatzsteuer-Einnahmen an der Tankstelle ein budgetärer Spielraum entsteht, sollte das Geld aber nicht mit der Gießkanne verschüttet werden, sondern jene unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind. Beispielsweise über gezielt unterstützte Öffi-Tickets für Pendelnde. Dort, wo das Auto heute noch nicht ersetzt werden kann, können sozial treffsichere Förderungen den Umstieg auf sparsame E-Pkw unterstützen – so wie es etwa Frankreich unter dem Titel „Social Leasing“ erfolgreich macht.9 Eine weitere Selbstverständlichkeit muss es sein, klimaschädliche Subventionen abzubauen und Förderungen nach sozial-ökologischen Kriterien auszulegen. Schon im Jahr 2022 legte das Wifo einen Bericht zu klimaschädlichen Subventionen vor, der dringenden Handlungsbedarf aufzeigt.10 Im Rahmen des „Nationalen Energie- und Klimaplans“ hat sich Österreich mittlerweile sogar EU-verbindlich zur Reduktion von zwei Millionen Tonnen jährlichem CO2-Ausstoß durch Anpassung bei den Subventionen verpflichtet. Dazu tagt seit dem Jahr 2025 eine Taskforce im Finanzministerium – Ausgang offen.
Sagen, was ist: die Zukunft der Pkw ist elektrisch
Ganz allgemein muss ein gesetzlicher und fiskalpolitischer Rahmen geschaffen werden, der unmissverständlich vermittelt: „Wenn Auto, dann zukünftig elektrisch“. Zentral ist dabei eine klare, verlässliche Kommunikation, die Planungssicherheit schafft – vor allem auch für Unternehmen, die ein entscheidender Hebel für die Transformation sind, zumal in Österreich zwei Drittel der Neuwagen auf Firmen und andere juristische Personen zugelassen werden.11 Zum Glück muss Österreich das Rad nicht neu erfinden. Wie der Umstieg gelingen kann, zeigt beispielsweise Dänemark, wo im Jahr 2025 bereits 68 Prozent der Neuwagen Elektroautos waren und heuer in den ersten zwei Monaten sogar 82 Prozent.12 In Österreich waren es im Jahr 2025 und heuer in den ersten zwei Monaten nur 21 Prozent. Die Niederlande wiederum verzeichnet mit sogenannten „Zero Emission Zones“ in Innenstädten große Erfolge beim Umstieg auf emissionsfreie Transportfahrzeuge, die mittlerweile mehr als 80 Prozent der Neuzulassungen ausmachen.13 Österreich, mit 14 Prozent leichten E-Transportern, hat im Jahr 2025 hingegen die erst vier Jahre zuvor umgesetzte Normverbrauchsabgabe für Diesel-Transporter und somit den Anreiz auf emissionsfreie Modelle umzusteigen wieder abgeschafft. Ein Paradebeispiel dafür, wie konsequente Transformationspolitik nicht geht. Zwei Energiekrisen in vier Jahren zeigen deutlich: the time is now.
Quellen
Quellen
1
VCÖ: Österreichs größte Rohöllieferanten mit massiven Defiziten bei Pressefreiheit und Demokratie. 10.12.2025. Wien: 2025.
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI): Weitergabe des Tankrabatts im Jahr 2022 nahm über die Zeit stark ab und fiel je nach Region sehr unterschiedlich aus. 18.7.2024. Essen: 2024.
Wird ein Grundstück von Grün- in Bauland umgewidmet, entsteht ohne Zutun der Eigentümerinnen und Eigentümer eine beträchtliche Wertsteigerung. Sowohl aus Gründen der Fairness, als auch der Raumplanung verpflichtet das Schweizer Raumplanungsgesetz alle Kantone zur Einhebung einer „Mehrwertabgabe“ von mindestens 20 Prozent.
VCÖ (Wien, 19. September 2024) – Autofahrten auf die Bahn zu verlagern, reduziert den CO2-Ausstoß und die Schadstoff-Emissionen und trägt zur Vermeidung von Staus bei. Aber was bewegt zum Umstieg vom Auto auf die Bahn? Beim diesjährigen VCÖ-Bahntest sagten 58 Prozent der Fahrgäste, dass sie heute Strecken mit der Bahn fahren, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben. Als Hauptgründe wurden der Kauf eines Klimatickets und die nutzbare Reisezeit im Zug genannt. Um aktuelle Autofahrten auf die Bahn verlagern zu können, brauchen die meisten Fahrgäste eine kürzere Gesamtreisezeit sowie häufigere Verbindungen außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert ein verbessertes Bahnangebot sowohl in den Ballungsräumen als auch auf den Regionalbahnen.