Verbrenner-Aus bei Neuwagen – Planungssicherheit statt Zickzack-Kurs

Von Katharina Jaschinsky (VCÖ - Mobilität mit Zukunft), Dezember 2025

Vor drei Jahren hat die EU einen klaren Plan beschlossen, um die CO2-Emissionen der neuzugelassenen Pkw-Flotte bis zum Jahr 2035 schrittweise auf null Gramm zu senken.1 Es war ein Kompromiss, man ist der Autoindustrie schon damals weit entgegen gekommen. Denn aus Umwelt- und Energiesicht müsste der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor früher erfolgen. Gestern hat die EU-Kommission das Ziel von 100 Prozent auf 90 Prozent aufgeweicht.2 Ein Rückschritt, der die notwendige Transformation der EU-Autoindustrie verzögert.

Bei der Reduktion der viel zu hohen Treibhausgas-Emissionen des Pkw-Verkehrs bei den Neuwagen anzusetzen, ist wirksam und vernünftig. Denn je länger Neuwagen CO2 ausstoßen, umso mehr andere Klimaschutz-Maßnahmen müssen umgesetzt werden.

Auch viele Ökonominnen und Ökonomen kritisieren die Kehrtwende der EU-Kommission beim Verbrenner-Aus. So warnt die deutsche Ökonomin Monika Schnitzer, die auch Vorsitzende der Wirtschaftsweisen ist, vor der Aufweichung der CO2-Vorgaben für Neuwagen: „Würde man Arbeitsplätze retten, wenn man das Verbrenner-Aus jetzt verschiebt? Ich fürchte, das Gegenteil ist der Fall.“ Und: „Wenn es heißt, die Deutschen hätten bei den Verbrennern einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, kann ich nur sagen: kurzfristig vielleicht. Aber heute nutzt auch niemand mehr ein Tastenhandy.“5 Mehr als 200 CEOs aus der Industrie warnen vor fatalen Folgen für die europäische Autoindustrie  mit dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und tausenden Arbeitsplätzen, wenn die bereits vereinbarten CO2-Grenzwerte für das Jahr 2035 wieder rückgängig gemacht werden.4

Es gibt keine „hocheffizienten Verbrennungsmotoren“

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz fordert Ausnahmen für „hocheffiziente Verbrennungsmotoren“. Doch allein schon aufgrund physikalischer Gesetze können Verbrennungsmotoren als Wärmekraftmaschinen „nie hocheffizient sein“, wie beispielsweise der deutsche Physiker Johannes Kückens erklärt.6

Alternativen ineffizient oder limitiert verfügbar

Plug-in-Hybride, Biokraftstoffe, Wasserstoff und E-Fuels sind problematisch: Studien zeigen, dass Plug-in Hybride alles andere als „klimafreundlich“ sind. Plug-in-Hybride stoßen beim Fahren auf der Straße im Schnitt viermal (!) so viel CO2 aus wie die Herstellerangaben versprechen, wie Daten der Europäischen Umweltagentur zeigen. Damit verursachen sie um nur 19 Prozent weniger CO2-Emissionen als Verbrenner-Fahrzeuge. Selbst, wenn diese im Elektromodus gefahren werden, läuft der Verbrennungsmotor meist im Hintergrund weiter und sie verbrauchen im Schnitt drei Liter Treibstoff pro 100 Kilometer. Damit verursachen sie im Elektromodus 8,5-mal so viele Emissionen wie offiziell angegeben.7 Die aktuelle Regelung sieht vor, dass diese Problematik mit dem sogenannten „Utility Factor“, womit die tatsächliche Nutzung des Elektromotors berücksichtigt wird, zumindest schrittweise für die CO2-Grenzwerte bis zum Jahr 2035 berücksichtigen werden soll.8

Wasserstoff und E-Fuels sind um ein Vielfaches ineffizienter als der Elektroantrieb und in der Produktion deutlich teurer. Zudem werden diese Energieträger mangels Alternativen dringend für die Dekarbonisierung des Schiff- und Flugverkehrs benötigt.9

Der EU-Mix aus Biokraftstoffen spart nur 20 bis 40 Prozent CO2. Deshalb wird zunehmend auf Altspeiseöle gesetzt, die jedoch in begrenztem Umfang verfügbar sind.10 EU-weit (einschließlich Großbritannien) wird derzeit achtmal mehr Altspeiseöl verbraucht, als gesammelt wird, was die Abhängigkeit von fragwürdigen Importen erhöht.11,12

Verbrenner-Aus bei Neuwagen bereits deutlich vor dem Jahr 2035 möglich

Dass schon viel früher ein Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bei Neuwagen möglich ist, zeigt nicht nur Norwegen, wo heuer bereits 95 Prozent der Neuwagen Elektroautos sind. So sind in Dänemark 67 Prozent der heuer neuzugelassenen Pkw abgasfreie Elektroautos.16 Österreich hat heuer einen E-Pkw Anteil von 21 Prozent und damit mehr als Norwegen vor acht Jahren im Jahr 2017 hatte.17,18 In China wird in diesem Jahr übrigens bereits mehr als ein Drittel der neu zugelassenen Pkw zur Gänze elektrisch betrieben, Elektroautos verzeichnen den bisher stärksten Zuwachs.14,15

Auflockerung von CO2-Grenzwerten bremst Umstieg auf E-Autos

Der Zickzack-Kurs in der EU ist nicht nur schlecht für das Klima und den Wirtschaftsstandort, sondern schafft auch Verunsicherung und führt dazu, dass Investitionen aufgeschoben werden. Dadurch wird im globalen Wettbewerb wertvolle Zeit verloren. Auflockerungen für Plug-in-Hybride, Wasserstoff oder E-Fuels würden der Elektromobilität schaden und könnten laut Transport and Environment den Anteil neu zugelassener Elektrofahrzeuge im Jahr 2035 um bis zu 25 Prozent verringern.13 Ein Schritt in die falsche Richtung, auch für die exportorientierte europäische Autoindustrie und ihre Beschäftigten. Denn der Weltmarkt fragt schon jetzt effiziente Elektroantriebe nach und umso mehr in zehn Jahren. Wer statt mit Zukunftstechnologien mit veralteten Technologien in den globalen Wettbewerb einsteigt, wird verlieren.

Verlässlicher politischer Rahmen statt Zickzack-Kurs

Eine Auflockerung der CO2-Grenzwerte gefährdet nicht nur den Klimafortschritt, sondern schwächt auch das Vertrauen in die europäische Industrie. An den bis zum Jahr 2035 auf null sinkenden CO2-Grenzwert für Neuwagen soll festgehalten werden. Auch Österreich sollte auf Zukunftstechnologien setzen, Forschung sowie Entwicklung im Bereich Elektromobilität und Batterierecycling vorantreiben und gleichzeitig kontraproduktive, umweltschädliche Förderungen wie die Steuerbegünstigung von Diesel abschaffen.

Quellen

Quellen

1 Europäische Union: Verordnung (EU) 2019/631 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. April 2019. 2019. Weblink
2 ORF: Verbrenner-Aus abgesagt. 2025. Weblink
4 Spiegel: Ökonomen üben scharfe Kritik an der Abkehr vom Verbrenner-Aus. 2025. Weblink
5 AVERE et al.: Charge UP Eurelectric Europe On Hearings Letter. Brüssel: 2024. Weblink
6 Der Standard: Physiker: Die Möglichkeit des Verbrennungsmotors sind längst ausgereizt. 2025. Weblink
7 T&E: Plug-in hybrids pollute almost as much as petrol cars - EU data. 2025. Weblink
8 T&E: Closing the growing PHEV loophole. 2025. Weblink
9 VCÖ: Was sind E-Fuels. Weblink
10 T&E: Biofuels in cars: A dead end for Europe. 2025. Weblink
11 VCÖ: Alternative Treibstoffe alleine werden den Flugverkehr nicht nachhaltig machen. 2024. Weblink
12 T&E: Biofuels in cars: A dead end for Europe. 2025. Weblink
13 T&E: Leaked car industry paper: carmakers’ EU demands would cut EV sales in half. 2025. Weblink
14 Electrive: 1,6 Millionen NEVs: China verbucht im September so viele E-Auto-Verkäufe wie noch nie. 2025. Weblink
15 T&E: EV market. Weblink
16 VCÖ: EU-Spitzenreiter Dänemark bereits mit 67 Prozent E-Pkw bei Neuwagen – Österreich im vorderen Mittelfeld. 2025. Weblink
17 Elective: New record: Almost 100% EV registrations in November. 2025. Weblink
18 Statistik Austria: Pkw-Neuzulassungen seit Jahresbeginn um 13,1 % gestiegen. 2025. Weblink

 

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Spritverbrauch in Österreich heuer im ersten Quartal leicht gesunken

VCÖ (Wien, 18. Juli 2024) – Im ersten Quartal wurde in Österreich um fast ein Prozent weniger Sprit getankt als im ersten Quartal des Vorjahres, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Drei Viertel des getankten Treibstoffs war Diesel. Während der Benzinverbrauch um 5,3 Prozent zunahm, wurde um 2,7 Prozent weniger Diesel getankt. In Vergleich zum 1. Quartal des Vor-Coronajahres 2019 ging der Spritverbrauch in Österreich um 16 Prozent zurück und damit auch der vom Kfz-Verkehr verursachte CO2-Ausstoß. Die Mobilitätsorganisation VCÖ betont, dass der Spritverbrauch durch weitere Maßnahmen von Politik und Wirtschaft noch deutlich gesenkt werden kann.

Mehr dazu
Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.

VCÖ: Eisenstadt hat im Landeshauptstadt-Vergleich den höchsten E-Pkw-Anteil bei Neuwagen, Wien im Bundesland-Vergleich

VCÖ (Wien, am 12. Juli 2024) – Die Unterschiede beim Elektroauto-Anteil bei Neuwagen sind in Österreich groß, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Bei den Landeshauptstädten ist Eisenstadt mit fast 26 Prozent E-Auto-Anteil Spitzenreiter, St. Pölten mit 15 Prozent Schlusslicht. Bei den Bezirken außerhalb Wiens liegt Linz-Land mit fast 28 Prozent vor dem Bezirk Rohrbach mit fast 24 Prozent an der Spitze, den niedrigsten Anteil hat der Bezirk Lilienfeld mit etwas mehr als vier Prozent, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Was bei den Neuzulassungen noch auffällt: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der neuzugelassenen Diesel-Pkw ist gestiegen und 81 Prozent der Diesel-Pkw wurden auf Firmen oder andere juristische Personen zugelassen. Der VCÖ fordert ein Ende der steuerlichen Begünstigung von privat genutzten Diesel- oder Benzin-Dienstwagen.

Mehr dazu
Foto: E-Auto, welches gerade geladen wird, vor einem Feld mit Windrädern