Warum automatisierte Zufahrtskontrollen ein Gewinn für Städte sind
Von Katharina Jaschinsky (VCÖ - Mobilität mit Zukunft), März 2026
Automatisierte Zufahrtskontrollen können einen wichtigen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit in den Städten leisten. Insbesondere das Unfallrisiko für Schwächere im Verkehr, wie Fußgängerinnen und Fußgänger, kann damit reduziert werden.
In Ortsgebieten in Österreich zählen Fußgängerinnen und Fußgänger zu den gefährdetsten Verkehrsteilnehmenden. Im Jahr 2024 kamen in Österreichs Landeshauptstädten 40 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, mit 16 waren Fußgängerinnen und Fußgänger die größte Opfergruppe.1 Verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Tempo 30, Begegnungs- oder Fußgängerzonen sind maßgeblich, um die Verkehrssicherheit insbesondere dort zu erhöhen, wo viele Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad mobil sind. Anrainerinnen und Anrainer profitieren wiederum von weniger Verkehrslärm und Abgasen. Nebenbei führt eine durch Verkehrsberuhigung verbesserte Aufenthaltsqualität auch zu höherer Kundenfrequenz und in vielen Fällen zu höherem Umsatz des Einzelhandels.2 Verkehrsberuhigung in urbanen Zentren bringt eine Win-Win-Win-Situation für die Verkehrssicherheit, Bevölkerung und die lokale Wirtschaft.
Belastung des Autoverkehrs in Innenstädten effektiv reduzieren
Italien ist ein Pionier bei verkehrsberuhigten Innenstädten. Bereits im Jahr 1962 wurde in Siena die Innenstadt vom Verkehrschaos befreit.3 Mittlerweile gibt es in über 300 Städten Italiens eine sogenannte „Zona a traffico limitato“, in die nur bestimmte Fahrzeuge einfahren dürfen.4 Mit großem Erfolg: In Rom beispielsweise ging der Autoverkehr binnen fünf Jahren nach Einführung der „Zona a traffico limitato“ um 20.000 Fahrzeuge pro Tag beziehungsweise 13 Prozent zurück. Eine Analyse aus dem Jahr 2014 zeigte, dass der Anteil der Nutzerinnen und Nutzer des Öffentlichen Verkehrs sowie der aktiven Mobilität seither gestiegen ist.5
Das Potenzial für Verkehrsberuhigung durch automatisierte Einfahrtsbeschränkungen in Innenstädte, wo Ausnahmegenehmigungen unumgänglich sind und der Kfz-Verkehr dadurch nicht gänzlich entfernt werden kann, ist auch in Österreich groß. Für den ersten Bezirk in Wien kommt eine Studie zum Ergebnis, dass damit täglich rund 15.700 weniger Fahrzeuge durch die Innenstadt fahren würden, das entspricht einer Reduktion um 30 Prozent.6
Ausnahmeregelungen durch automatisierte Kontrollen ermöglichen
Durch Parkraumbewirtschaftung, attraktive Bedingungen für aktive Mobilität oder sogenannte Modal-Filter wie Poller kann sichergestellt werden, dass verkehrsberuhigende Maßnahmen auch eingehalten werden. Der Einsatz von Kameras hilft Ausnahmegenehmigungen, insbesondere für die Wirtschaft oder auch für Anrainerinnen und Anrainer, zu kontrollieren. Automatisierte Kontrollen von verkehrsberuhigten Städten sind auch außerhalb Italiens bereits in Spanien, Belgien, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Slowenien und dem Vereinigten Königreich erfolgreich im Einsatz.7 Auch Bozen setzt für seine Innenstadt auf ein digital unterstütztes Zufahrtsmanagement. Für Kundinnen und Kunden von Apotheken sowie Unterkunftsgäste gibt es Ausnahmeregelungen für die Zufahrt in die Fußgängerzone. Lieferfahrzeuge dürfen zu geregelten Randzeiten unter der Woche für das Be- und Entladen einfahren. Für Lieferungen außerhalb dieser Zeitfenster wurden am Rand der Zone eigene Stellplätze nur für Lieferfahrzeuge reserviert, welche über eine App gebucht werden können.8 In Rom hat der Einsatz von automatisierten Kameras zudem dazu geführt, dass anstelle von 80 Polizeikräften nur noch 16 benötigt werden, um die Einfahrtsgenehmigungen zu kontrollieren. Ressourcen können so effizienter eingesetzt werden.9
Die internationalen Beispiele aus Italien, Frankreich, Spanien, Belgien und den Niederlanden zeigen: Automatisierte Zufahrtskontrollen erleichtern Ausnahmen etwa für den Einzelhandel, entlasten die Exekutive und erhöhen insgesamt die Lebensqualität für die Bevölkerung. Künftig können auch Österreichs Städte diese Potenziale ausschöpfen. Mit der 36. StVO-Novelle, die mit 1. Mai in Kraft treten wird, werden automatisierte Zufahrtskontrollen ermöglicht.
Quellen
Quellen
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Statistik Austria: Straßenverkehrsunfälle 2024. Mit Personenschaden. Wien: 2024.
VCÖ (Wien, 17. Februar 2026) – „Autofasten“ wird in Österreich nicht nur in der Fastenzeit praktiziert. 34 Prozent der in Österreich lebenden Menschen ab 16 Jahren lenken nie oder nur selten ein Auto, in Wien sind es sogar 63 Prozent, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Auffallend ist, dass außerhalb von Wien in den westlichen Bundesländern deutlich weniger Auto gefahren wird als in den östlichen Bundesländern. Die Mobilitätsorganisation VCÖ ruft zur Teilnahme an der Initiative Autofasten der katholischen und evangelischen Kirche auf.
VCÖ (Wien, 11. Februar 2026) – Der Zustell- und Lieferverkehr in Städten verursacht durch häufiges Stop-and-Go überdurchschnittlich viele CO₂-Emissionen, Luftschadstoffe und Lärm. International forcieren daher immer mehr Städte den Einsatz von Cargo-Bikes. Denn ein relevanter Teil der Lieferfahrten ist sowohl was Gewicht als auch Distanz betrifft für Transporträder gut geeignet. Auch in Österreich ist das Potenzial von Cargo-Bikes groß, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Dieses Potenzial zu nutzen, reduziert die Abgas- und Lärmbelastung, entlastet die Straßen und verbessert die Parkplatzsituation, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.