Aus der Forschung - Bertram Weisshaar

Den öffentlichen Raum zurückerobern

Bertram Weisshaar, Spaziergangsforscher

Allerorts ist es zu beobachten: Ausgelöst durch die Covid-19-Pandemie, spazieren auffallend viele Menschen durch Straßen und Parks. Ganz offensichtlich ist es ihnen ein Genuss. Überwiegend zumindest. Covid-19 sensibilisiert für den Abstand zu Mitmenschen und damit auch für die Breite beziehungsweise Enge von Gehwegen. Ebenso für die Größe des städtischen Grüns. Die Covid-19-Pandemie wischt die Schuppen von den Augen: Die Parks sind oft zu klein, die vorhandenen sind zu wenige. Und die Gehwege? Diese werden nun als viel zu schmal erkannt. Gehende Fachleute rufen ebendies seit Jahren – es waren Rufe in die Wüste. Gegenwärtig werden ihre Forderungen für eine gehfreundliche Stadt vernommen und verstanden – von der Breite der Bevölkerung. Und die Verwaltungen? Sie müssen das Ende der Pandemie nicht abwarten, können gleich heute mit der Rückeroberung des öffentlichen Raums beginnen.

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Welche Lehren aus dem Hitzesommer 2026 aus Mobilitätssicht zu ziehen sind

Österreich hat den heißesten Sommer seiner Messgeschichte hinter sich. Es war ein Sommer voll großem menschlichen Leid: 646 hitzebedingte Todesfälle allein im Juni und Juli. In den Wochen danach wurde viel darüber gesprochen, wie sich Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld vor Hitze schützen lassen. Wir sprechen über Beschattung, über Entsiegelung, über Begrünung und über Trinkbrunnen. All das sind wichtige Ansätze, und es braucht sie alle und mehr. Sie haben jedoch eine gemeinsame Voraussetzung, über die kaum jemand spricht: Sie brauchen Platz. Und dieser Platz ist in unseren Städten und Ortskernen fast überall bereits vergeben, allzu oft an das Auto.

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Foto: Spencer Imbrock, unsplash