Aus der Forschung - Marion Jungbluth

Frauen sind anders mobil

Marion Jungbluth, Deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband

VCÖ-Magazin: Was kann die weibliche Perspektive für eine zukunftsweisende Mobilität einbringen, was derzeit fehlt?

Marion Jungbluth: Mehr als die Hälfte der Menschen sind weiblich und viel unterwegs. Studien zeigen: Frauen sind anders mobil. Sie legen dreimal so viele Begleitwege zurück wie Männer und gehen doppelt so oft einkaufen. Die Anforderungen an das Mobilitätsangebot sind andere, wenn auch Kinder und Einkaufstaschen zu transportieren sind. Ein ganzheitliches Mobilitätssystem muss die Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigen. Um diese Bedürfnisse zu erkennen, braucht die Verkehrspolitik neue Resonanzräume und ein partizipatorisches Design, zum Beispiel durch Mobilitätsräte.

VCÖ-Magazin: Welche Anforderungen haben speziell Frauen an den Öffentlichen Verkehr?

Marion Jungbluth: Unpünktlichkeit, schlechte Taktung und seltene Verbindungen erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Darüber hinaus ist das subjektive Sicherheitsempfinden bei Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln niedriger. Auch weil Frauen immer noch mehr Care-Arbeit leisten, fehlen oft Zeit und Nerven, Mobilitäts-Apps auszuprobieren. Wichtig ist ein besseres Angebot, also mehr Verbindungen, engere Takte, bessere Verknüpfung, sowie mehr Qualität durch Maßnahmen, die Fahrten sicherer und angenehmer machen. Öffentlicher Verkehr muss für alle die einfache und beste Wahl werden.

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VCÖ-Fachveranstaltung: Aktive Mobilität als Zubringer zum Öffentlichen Verkehr

Eine gute Erreichbarkeit der Bahnhöfe und Bushaltestellen zu Fuß und mit dem Fahrrad erhöht die Anzahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs. Das zeigen internationale und nationale Beispiele, die am 16. Mai 2024 bei der VCÖ-Fachkonferenz präsentiert wurden. In einem verkehrsberuhigten Umfeld steigt die Bereitschaft, längere Strecken zu Fuß zu gehen, der Einzugsbereich von Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs verdreifacht sich dadurch.

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Foto: Lkw-Kolonne

Bahnsysteme in Europa harmonisieren

VCÖ - Mobilität mit Zukunft (Mai 2024) – Der Bahnverkehr in Europa ist von einer Vielzahl unterschiedlicher nationaler Regelungen und Systeme geprägt. Dadurch entstehen an den Grenzen Verzögerungen. Auch ein Buchungssystem für internationale Tickets fehlt. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn auf internationalen Verbindungen zu stärken, sind Bahnsysteme umfassend zu harmonisieren.

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Eisenbahnbrücke über eine Grenze, auf der die Strom-Oberleitung mitten auf der Brücke endet