Aus der Forschung – Martin Fellendorf

„Die Reisezeit von Tür zu Tür ist der wichtigste Faktor“

Porträtfoto von Martin Fellendorf
Martin Fellendorf, Professor für Straßen- und Verkehrswesen, TU Graz

Wichtigster Faktor bei der Verkehrsmittelentscheidung zwischen Kraftfahrzeug und Öffentlichem Verkehr ist zweifellos weiterhin die Tür-zu-Tür Reisezeit im Pendelverkehr. Wenn hier das Reisezeitverhältnis zu Lasten des Öffentlichen Verkehrs steigt, hat es der Öffentliche Verkehr schwer. Das bedeutet, immer wenn sowohl Quelle als auch Ziel der Fahrt in der Nähe eines guten Schienenverkehrsangebots liegen, können hohe Anteile des Öffentlichen Verkehrs realisiert werden. Sowohl Wohnraum als auch die Arbeitsplätze müssen gut mit dem Öffentlichen Verkehr erreichbar sein und über eine ausreichende Dichte verfügen. Diese hohen Siedlungsdichten verbunden mit einem attraktiven S-Bahnangebot (kurze Reisezeiten, hohe Taktdichte maximal 15 Minuten) sind zum Beispiel auf der Südbahn Richtung Wien oder auf der Achse Leibnitz-Graz gegeben mit entsprechend hohen Anteilen des Öffentlichen Verkehrs. Auf Achsen mit vergleichbarer Taktdichte und kurzen Reisezeiten zwischen den Haltestellen aber fehlenden Siedlungsdichten rund um die Haltestellen ist der Anteil des Öffentlichen Verkehrs spürbar geringer.

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VCÖ: Großes Potenzial des Radverkehrs in Österreich wird viel zu wenig genutzt

VCÖ (Wien, 2. Juni 2026) – Vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer und damit in Radfahrdistanz. Zwei Drittel von Österreichs Haushalten haben mindestens ein funktionstüchtiges Fahrrad. In Vorarlberg legt die Bevölkerung bereits 22 Prozent ihrer Alltagswege mit dem Rad zurück, österreichweit sind es weniger als zehn Prozent. Das Potenzial für mehr Radverkehr ist in Österreich groß und wird bei weitem nicht ausgeschöpft, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ anlässlich des Welttags des Fahrrads am 3. Juni aufmerksam. Der VCÖ fordert eine österreichweite Rad-Infrastrukturoffensive sowie in Gemeinden und Städten sichere Bedingungen zum Radfahren durch mehr Verkehrsberuhigung und mehr Tempo 30 statt 50.

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Foto: Lächelnde Person auf Fahrrad. Im Hintergrund ist ein Markt zu sehen.

Gent steigert Radverkehr durch Infrastrukturumbau

Im Jahr 2017 wurde in Gent die Innenstadt sechs Sektoren eingeteilt, die für den motorisierten Durchzugsverkehr nicht mehr direkt passierbar sind. Schlüsselstraßen wurden in Radwege umgewandelt, Brücken für Kfz gesperrt. Mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit dem Öffentlichen Verkehr kann die Innenstadt weiterhin durchquert werden.

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Elektronisches Schild bei Zufahrtskontrolle für Pkw in Mailand