Aus der Praxis: Aglaée Degros

„Zuallererst braucht es eine faire Umverteilung des verfügbaren Raums“

VCÖ-Magazin: Sie haben – etwa in Belgien – zahlreiche öffentliche Plätze gestaltet. Was braucht es, damit sie Orte werden, die von Menschen angenommen und genützt werden?

Aglaée Degros: Öffentliche Räume sind essenziell für urbanes Leben. Sie verdienen daher, sorgfältig gestaltet zu werden. Dazu braucht es zuallererst eine faire Umverteilung des verfügbaren Raums zwischen den verschiedenen Nutzungen. Das heißt, der Aufenthaltsqualität und auch aktiver Mobilität wie Gehen und Radfahren mehr Raum geben. Und es braucht von Anfang an einen Transformationsprozess, der die Bürgerinnen und Bürger einbezieht. Diese Transformationsräume sollten Teil eines größeren Netzes von öffentlichen Räumen sein und einer einfachen Ästhetik folgen, sodass sie offen sind für sich wandelnde Aneignungen. Sie sollten zur lokalen Wirtschaft beitragen, kleine Geschäfte bieten, gemeinschaftliche Annehmlichkeiten, mehr Bäume oder besseres Wassermanagement – dann werden diese Räume auch von Jung und Alt angenommen.

VCÖ-Magazin: Sie haben über „Traffic space is public space” geschrieben. Was ist die zentrale Aussage dieser Feststellung?

Aglaée Degros: Auch wenn es manchmal vergessen wird: Verkehrsräume sind vor allem öffentliche Räume. Ansichtskarten aus den 1960er-Jahren, die den Grand Place in Brüssel, eines der schönsten Architekturensembles in Europa und heute ein Platz voller Leben, noch voller Autos zeigen, schauen heute amüsant aus. Und trotzdem dominieren bis heute Autos unsere Plätze. Das und die Tatsache, dass private Gegenstände, nämlich Autos, darauf abgestellt sind, bewirkt, dass Verkehrsräume selten als Orte gemeinschaftlicher Begegnung, zugänglich für alle, wahrgenommen oder behandelt werden – und doch sind sie es.

Aglaée Degros
Technische Universität Graz, Fakultät für Architektur, Leiterin des Instituts für Städtebau

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Laut Unfallstatistik ist 2025 in Österreich im Straßenverkehr niemand in einem Bus, einer Straßenbahn oder einem Zug ums Leben gekommen. Ob Menschen in Bus und Bahn einsteigen, entscheidet aber nicht die Unfallstatistik allein. Es zählt auch, wie sicher sich der Weg zur Haltestelle anfühlt, ob sie gut beleuchtet ist, ob Personal sichtbar ist und wie respektvoll es im Fahrzeug zugeht. Darauf achten insbesondere Frauen, die öffentliche Verkehrsmittel schon heute häufiger nutzen als Männer. Wege für Frauen sicher zu gestalten, ist der kürzeste Weg zu mehr Fahrgästen.

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Foto: Spencer Imbrock, unsplash

VCÖ warnt: In der dunklen Jahreszeit nehmen Schutzwegunfälle stark zu

VCÖ (Wien, 23. Oktober 2026) – Am kommenden Wochenende endet die Sommerzeit. Damit wird es früher dunkler. In der dunklen Jahreszeit nimmt die Zahl der Schutzwegunfälle stark zu, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Im Vorjahr gab es im November mit 136 die meisten Schutzwegunfälle, gefolgt vom Dezember und dem Jänner. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert mehr Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet sowie eine bessere Sicht auf Schutzwege und ihr Umfeld. Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass sich Fahrzeuglenkende einem Schutzweg nur mit einer solchen Geschwindigkeit nähern dürfen, dass sie ihr Fahrzeug erforderlichenfalls rechtzeitig davor anhalten können.

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