Aus der Praxis – Heide Studer

„Der Öffentliche Verkehr trägt zu globaler Klimagerechtigkeit bei“

Porträtfoto von Heide Studer
Heide Studer, Landschaftsplanerin und Sozialanthropologin tilia staller.studer og

„Guter Öffentlicher Verkehr ermöglicht leistbare umweltverträgliche Mobilität für alle und benötigt viel weniger Platz in Städten als der Autoverkehr. Dadurch wird in den Straßen Raum frei für Entsiegelung, kühlendes Grün und Wasserelemente. Dies macht heiße Sommer für die, die in der Stadt bleiben, erträglicher. Solche Straßenräume sind für die Lebensqualität zentral, besonders für Kinder, Ältere, Bewohnerinnen und Bewohner mit geringem Einkommen und Menschen, die im Freien arbeiten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein verringert Emissionen in Österreich und trägt zu globaler Klimagerechtigkeit bei. Denn Menschen im globalen Süden oder in arktischen Regionen verursachen weniger Emissionen, sie und ihre Räume sind von Folgen des Klimawandels aber viel stärker betroffen als wir in Mitteleuropa. In arktischen Gebieten stellt das Auftauen von Permafrostböden die Erhaltung von Straßeninfrastruktur und öffentlichen Räumen vor neue technische Herausforderungen. Hitzephänomene können in Nordafrika, zum Beispiel in kontinentalen Gebieten Marokkos, bedeuteten, dass der öffentliche Raum im Sommer tagsüber bei 45 bis 50 Grad Celsius nicht mehr nutzbar ist.“

Zurück zur Übersicht

Die Technik liefert, die Politik hinkt nach

Wenn Kostenwahrheit herrscht, wandern Güter auf die Schiene

Mehr dazu

Welche Lehren aus dem Hitzesommer 2026 aus Mobilitätssicht zu ziehen sind

Österreich hat den heißesten Sommer seiner Messgeschichte hinter sich. Es war ein Sommer voll großem menschlichen Leid: 646 hitzebedingte Todesfälle allein im Juni und Juli. In den Wochen danach wurde viel darüber gesprochen, wie sich Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld vor Hitze schützen lassen. Wir sprechen über Beschattung, über Entsiegelung, über Begrünung und über Trinkbrunnen. All das sind wichtige Ansätze, und es braucht sie alle und mehr. Sie haben jedoch eine gemeinsame Voraussetzung, über die kaum jemand spricht: Sie brauchen Platz. Und dieser Platz ist in unseren Städten und Ortskernen fast überall bereits vergeben, allzu oft an das Auto.

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash