Florian Freistetter - direkt gefragt

„Wenn ich mit dem Fahrrad fahre, fühle ich mich einfach besser“

Porträtfoto Florian Freistetter
Florian Freistetter ist österreichsicher Astronom, Teil des Wissenschaftskabaretts „Science Busters“ und ausgezeichneter Wissenschaftsblogger, -podcaster und -autor. Sein neuestes Buch „Die Farben des Universums“ ist Februar 2026 bei Hanser erschienen.

VCÖ-Magazin: Wir leben erwiesener Weise nicht isoliert vom Kosmos, sondern mitten darin. Von ihnen stammt auch die Aussage „Wenn man wollte, könnte man also jedes beliebige Thema mit Hilfe der Sterne erzählen.“ Probieren wir es: Was können uns Sterne über aktive Mobilität erzählen?

Florian Freistetter: Jede Menge! Zum Beispiel, wohin uns die Mobilität führen soll. Seit es Menschen gibt, die von A nach B wollen, haben sie sich dabei unter anderem auch an den Sternen orientiert. Und wer meint, dass das heute keine Rolle mehr spielt, irrt sich. Wir nutzen heute im Alltag Navigationsapps, aber auch die basieren auf Astronomie. Sie benötigen Satelliten, also quasi künstliche Sterne, und dass wir die in passenden Umlaufbahnen um die Erde platzieren können, verdanken wir unserem Wissen über die Bewegung der Himmelskörper. Menschen wie Isaac Newton, Galileo Galilei oder Johannes Kepler haben sich vor Jahrhunderten Gedanken darüber gemacht, wie der Kosmos aufgebaut ist und die Objekte darin sich bewegen. Die Ergebnisse dieser Forschung nutzen wir heute unter anderem dafür, um uns den Weg von einem Ort zum anderen zeigen zu lassen.

VCÖ-Magazin: Welche Rolle spielt aktive Mobilität, jetzt schon konkreter gemeint, für Sie persönlich und im Alltagsleben?

Florian Freistetter: Wenn ich mit dem Fahrrad fahre, egal ob zur reinen Fortbewegung oder als Sport, fühle ich mich einfach besser, als wenn ich in einem Auto unterwegs bin. Dasselbe gilt für die Fortbewegung zu Fuß oder das Laufen als Sport. Der körperliche Aspekt der aktiven Mobilität hat für mich extrem positive Auswirkungen auf meine Lebensqualität.

VCÖ-Magazin: Sie sind auch beruflich viel unterwegs. Sie touren mit einem Liveformat Ihres Podcasts „Sternengeschichten“ und den Science Busters durch den deutschsprachigen Raum und halten Vorträge. Wie bewegen Sie sich dafür weiter? Und warum?

Florian Freistetter: Meine beruflichen Reisen bestreite ich fast ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Zug zu reisen ist im Allgemeinen deutlich entspannender; ich kann dort arbeiten, schlafen oder lesen. Müsste ich das alles zum Beispiel mit dem Auto erledigen, wäre ich deutlich weniger entspannt, wenn ich am Ziel ankomme. Sofern es mein Gepäck zulässt, lege ich die Wege zwischen Bahnhof, Hotel und Veranstaltungsort zu Fuß zurück. Ich bin auch schon mit dem Fahrrad zu Auftritten gefahren, wenn es die Umstände zulassen. Einmal sogar fast 100 Kilometer bis ins Burgenland.

VCÖ-Magazin: Geht es dabei für Sie auch um Nachhaltigkeit, Klima und/oder Gesundheit?

Florian Freistetter: Natürlich spielt der Gedanke an Nachhaltigkeit und Klima eine Rolle und gesundheitlich tut mir das auch gut. Tatsächlich ist es aber vor allem der Stress, den mir das Autofahren (egal ob aktiv oder als Mitfahrer) verursacht. Ich kenne kaum eine unentspanntere Fortbewegungsart und meide sie, wenn es mir möglich ist.

VCÖ-Magazin: Woher kommt Ihre Fahrradleidenschaft? Was begeistert Sie am Radfahren?

Florian Freistetter: Im Alltag ist es schlicht und einfach für mich die praktischste Fortbewegungsart. Ich muss mir keine Gedanken um Parkplatzsuche machen; in der Stadt bin ich genau so schnell wie ein Auto, aber wesentlich flexibler und man kann damit durchaus sehr viel transportieren. In der Freizeit gibt es für mich kaum etwas Beruhigenderes als eine lange Radtour; vielleicht sogar über mehrere Tage hinweg. Wenn man einfach nichts tun muss, außer zu Radeln, kann man auch im Kopf zu Ruhe kommen.

VCÖ-Magazin: Manchmal spricht man als Fahrrad-Fan auch von Fahrraduniversum… Gibt es tatsächlich irgendwelche Gemeinsamkeit zwischen Fahrrädern Sternen, Planeten oder gar Galaxien?

Florian Freistetter: Auf einer fundamentalen physikalischen Ebene gibt es natürlich jede Menge Gemeinsamkeiten, denn das Fahrrad funktioniert so wie es das tut, weil die Räder sich drehen und das Universum funktioniert so, wie es das tut, weil sich alle Objekte darin ebenfalls drehen. Die zugrundeliegenden Naturgesetze sind dieselben. Für mich persönlich ist die Verbindung eher emotionaler Art: Die Beschäftigung mit dem Radfahren empfinde ich als ebenso befriedigend wie den Blick hinaus in das Universum.

VCÖ-Magazin: Sie sind Experte für erfolgreiche Wissenschaftsvermittlung. Was sollte jeder über den Klimawandel wissen?

Florian Freistetter: Es gibt viel, was man über den Klimawandel wissen sollte. Aber das Wichtigste ist vielleicht: Die Klimakrise ist kein Ereignis, das uns in der Zukunft treffen wird. Sondern etwas, das jetzt schon längst stattfindet und dem sich in der Zukunft niemand entziehen wird können. Der Klimawandel ist eine wissenschaftliche Tatsache. Er verschwindet nicht, wenn man ihn ignoriert; man kann mit der Physik und den Naturgesetzen nicht verhandeln oder Kompromisse schließen, wie es die Politikerinnen und Politiker aus anderen Bereichen gewohnt sind. Und die Klimakrise wird auch nicht von selbst besser – sondern nur dann, wenn wir uns aktiv darum kümmern.

VCÖ-Magazin: Noch eine kurze Frage zu ihrem aktuellen Buch. Welche Bedeutung haben Signalfarben im Universum? Welcher Planet der „farbenfrohste“?

Florian Freistetter: Von den Planeten, die wir so gut kennen, um ihre Farben verstehen zu können, ist ohne Zweifel die Erde der farbenfrohste. Auch die anderen Himmelskörper haben viele Farben – weil es aber auf der Erde Leben gibt, haben wir dort auch die ganze Farbenpracht, die die Lebewesen im Laufe der Milliarden Jahre hervorgebracht haben. Die restlichen Planeten des Sonnensystems sind farblich eher eintönig und von den Planeten bei anderen Sternen wissen wir noch zu wenig, um ihre Farben zu können. „Signalfarben“ wie im Straßenverkehr gibt es im Universum eher nicht. Es gibt zwar rote und gelbe Sterne, aber zum Beispiel keine die grün leuchten – das lassen die Naturgesetze, die die Farben von Sternen bestimmen, nicht zu.

VCÖ-Magazin: Und zum Abschluss: Was können wir von der Beschäftigung mit dem Universum für unser Leben lernen? Was erzählen uns die Sterne über die Welt, auf der wir leben?

Florian Freistetter: Die Sterne erzählen uns natürlich etwas über die Welt dort draußen und das Universum in seiner Gesamtheit. Aber ein Blick hinaus ins All ist immer auch ein Blick zurück auf die Erde. Einerseits, weil wir erst dann richtig verstehen können, wie einzigartig unser Planet ist, wenn wir uns ansehen, wie es anderswo aussieht. Und andererseits sind die Sterne und der Nachthimmel auch eine Projektionsfläche für uns Menschen. Im Laufe der Geschichte haben wir all unsere Mythen, Monster, Helden, Götter, Träume und Ängste an den Himmel gesetzt. Die Beschäftigung mit den Sternen war immer auch eine Beschäftigung mit uns selbst.

Das Gespräch führten Petra Sturm und Bernhard Hachleitner.

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