In Arbeitsplätze statt in Parkplätze für Autos investieren

Es hat ökonomische Vorteile, wenn Beschäftigte klimaverträglich zur Arbeit kommen. Das erkennen immer mehr Unternehmen und schaffen mit Mobilitätsmanagement gezielt Anreize.

Von Doris Neubauer

Wer am weitesten entfernt wohnt, sammelt die Kolleginnen und Kollegen ein und lässt sie auf dem Heimweg wieder aussteigen. Rund 20 Prozent der rund 1.000 Beschäftigten der Meusburger Georg GmbH & Co KG kommen so mit einem der 41 Sechs-Personen- Kleinbusse des Unternehmens zur Arbeit und brauchen nur einen Pkw- Abstellplatz auf dem Firmengelände. Das bewährt sich seit dem Standortwechsel von Dornbirn nach Wolfurt in den 1980er-Jahren. „Im Schichtbetrieb gibt es klare Arbeitszeiten, da können wir gut mit Werkbussen arbeiten. Doch das geht nicht für die Belegschaft im Büro“, weiß Roman Giesinger, als Geschäftsleiter Personal für das Mobilitätsmanagement verantwortlich und unterstützt daher mehrere Angebote. Auch per Bahn ist der Standort in Wolfurt gut erreichbar – vom Bahnhof sind es zu Fuß acht Minuten zur Firma oder mit einem der fünf Jobfahrräder vier Minuten. Roman Giesinger selbst radelt meist die vier Kilometer zum Arbeitsplatz, wie andere auch. Es stehen Reparatursets mit Luftpumpen sowie Ladestationen für Elektro-Fahrräder bereit. Weitere Anreize, auf gesunde und klimaverträgliche Mobilität umzusteigen, sollen der Fahrrad-Betriebsausflug und die jährliche Teilnahme am Fahrradwettbewerb des Landes Vorarlberg schaffen. „Außerdem leben wir als Führungsteam vor, dass es kein Statement ist, mit dem großen Auto vorzufahren“, sagt Giesinger und ist überzeugt, dass das Mobilitätsangebot allen nützt. Denn Fahrgemeinschaften ersparen Beschäftigten Zweitautos und fördern den kollegialen Austausch. Anrainerinnen und Anrainer werden nicht durch Stau oder Lärm belästigt. Das Unternehmen kann in Arbeitsplätze statt Abstellplätze für Autos investieren.

60 Prozent weniger CO2 durch Bahn, Fahrrad und E-Pkw

Als Berater für Energie, Umwelt und Mobilität kennt Peter Sattler von sattler energie consulting GmbH die Vorteile – auch aus eigener Erfahrung. Im Jahr 2015 ergab die Einführung eines Energiemanagement-Systems nach ISO 50001 „dass wir 80 Prozent der Emissionen mit Mobilität verursachen“. Dienstreisen sowie der Arbeitsweg der 22 Beschäftigten mussten nachhaltiger werden, um bis zum Jahr 2040 auf allen Ebenen klimaneutral zu werden. Ein Selbstversuch mit der Berechnung und Dokumentation von Varianten unter Berücksichtigung von Zeit, Komfort und Emissionen sowie Kosten widerlegte die anfängliche Skepsis gegenüber dem Projekt „businessmobility zero CO2“. „Wenn ich mit dem Zug in eine Region reise und dann meine Termine mit einem E-Carsharing-Auto absolviere, das ich am Bahnhof übernehme, und danach mit der Bahn nach Hause fahre, kann ich die Zeit im Zug zum Arbeiten nutzen”, stellte Sattler fest. 15.000 Bahn-Kilometer entsprechen etwa 150 produktiven Stunden, hat das Energiemanagement- Team hochgerechnet. Mittlerweile wurden fast 50 Prozent der Autofahrten und alle Flüge durch Bahnfahrten ersetzt. Außerdem wurde die Fahrzeugflotte durch zwei E-Autos ergänzt, mit denen heute 78 Prozent der Auto-Kilometer für Besuche bei Kundinnen und Kunden zurückgelegt werden. Diese Vorbildwirkung der Beraterinnen und Berater hat auch andere Beschäftigte motiviert, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad ins Büro zu kommen. Die Durchbindung der Regio-Tram in Gmunden mit einer Haltestelle nahe des Büros seit September 2018 hat die umweltverträgliche Anreise zusätzlich gefördert. So wurden die CO2-Emissionen der betrieblichen Mobilität in vier Jahren von 12.385 Kilogramm auf 4.880 Kilogramm reduziert. Der Energieverbrauch pro Beschäftigtenstunde sank von 2,25 Kilowattstunden auf 1,38 Kilowattstunden. „Natürlich haben wir die Maßnahmen auch wirtschaftlich beurteilt“, erklärt Sattler. „Die Umwegrentabilität durch die zusätzliche produktive Zeit bringt den meisten ökonomischen Nutzen.“ Künftig sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Firmen-E-Autos zur optimalen Auslastung auch privat nutzen können. In ein bis zwei Jahren möchte Sattler auf eine rein elektrische Fahrzeugflotte umstellen. Auch bei Meusburger ist ein Umstieg auf E-Fahrzeuge genauso angedacht wie eine Ladestation am Firmengelände. Für einen neuen Standort in Hohenems seien Jobfahrräder, E-Bikes oder ein Shuttleservice vom Bahnhof angedacht. „Der Standort ist durch die Nähe zur Autobahn für die Anreise mit dem Auto sehr attraktiv. Da müssen wir schauen, wie wir Alternativen schmackhaft machen und Möglichkeiten anbieten“ , meint Giesinger.

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Fachleute für verstärkte Maßnahmen, um mehr Güter auf die Schiene zu bringen

Um Klimaneutralität zu erreichen, sieht der österreichische Masterplan Güterverkehr einen Anteil des Schienengüterverkehrs von 34 bis 40 Prozent am gesamten Transportaufwand vor. Doch lag der Anteil der Schiene im Jahr 1951 in Österreich noch bei rund 75 Prozent, sank er bis 2023 auf nur mehr 26 Prozent. Der Trend verläuft somit deutlich gegen das Ziel und lässt sich unter den aktuellen Bedingungen kaum umkehren. Bei einer aktuellen VCÖ-Befragung von über 250 Fachpersonen aus 177 Organisationen mit Verkehrsbezug sind sich 93 Prozent der Befragten einig: Es braucht stärkere Maßnahmen, um den Schienengüterverkehr auf Klimakurs zu bringen.

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Foto: Spencer Imbrock, unsplash

VCÖ: Zwischen den Urlaubsländern große Unterschiede bei den Spritpreisen

VCÖ (Wien, 23. Juni 2025) – Bei den Spritpreisen gibt es zwischen den Urlaubsreisezielen große Unterschiede, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Im beliebtesten Reiseziel der Österreicherinnen und Österreicher, in Italien, kosten Benzin und Diesel mehr als hierzulande, in Kroatien etwas weniger. Für Benzin und Diesel ist unter anderem auch in Portugal, Frankreich und Deutschland mehr zu zahlen als in Österreich. Unabhängig von den Spritpreisen zahlt sich spritsparendes Fahren auf jeden Fall aus. Der Verbrauch und damit die Kosten können um gut 20 Prozent reduziert werden, betont der VCÖ.

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Grafik: Zapfhahn auf weißen Hintergrund, aus welchem ein Tropfen Treibstoff tropft