Kapazitätsmanagement statt Straßenbau

Porträtfoto von Michael Schwendiger
Michael Schwendinger, VCÖ-Verkehrspolitik

Pendelverkehr ist eine der größten Herausforderungen für das Verkehrssystem. Der Auto-Anteil ist dabei mit 60 Prozent überdurchschnittlich hoch, der Besetzungsgrad mit nur 108 Personen in 100 Autos unterdurchschnittlich niedrig. Etwa 90 Prozent des Verkehrs am hochrangigen Straßennetz in Ballungszentren verursachen Pkw, nur zehn Prozent Lkw. Ein Worst-Case als Standard: sehr viele Menschen, zur gleichen Zeit, in die gleiche Richtung, mit dem Auto – alleine. In einem Wort: Stau.

Das ist schlecht – für alle Beteiligten. Autofahrende verlieren Zeit, Geld und Nerven. Umfeld und Umwelt werden durch Emissionen und Lärm belastet. Die Wirtschaft büßt Produktivität ein und die Politik wird – abgesehen von der ungelösten Energie- und Klimakrise – früher oder später mit dem paradoxen Wunsch konfrontiert, das Stauproblem durch Straßenausbau zu lösen. Das kostet Milliarden für Bau und Erhalt – und es löst das Problem nicht: Der Versuch Staus durch Straßenausbau zu reduzieren, macht das Auto attraktiver, verursacht somit zusätzlichen Verkehr und letztlich wieder Stau – zurück zum Start.

Die gute Nachricht: Kapazität ist genügend vorhanden. Einerseits abseits der Stoßzeiten – flexible Arbeitszeiten, betriebliches Mobilitätsmanagement oder verkehrspolitische Maßnahmen wie eine Stau-Maut sind hier Möglichkeiten. Andererseits in den Fahrzeugen selbst – würden in Stoßzeiten durchschnittlich 2 statt 1,08 Personen im Auto sitzen, wäre das Stau-Problem gelöst. Effizienz-Champion in Sachen Besetzungsgrad ist natürlich der Öffentliche Verkehr. Statt wie in Wien rund 150.000 Einpendelnde Personen in durchschnittlich 140.000 Autos zu transportieren, könnten das auch 3.000 Busse erledigen. Wie den Besetzungsgrad in Stoßzeiten erhöhen? Eine Option erfreut sich steigender Beliebtheit in Europa, ist in den USA seit den 1970er-Jahren hundertfach erprobt und auch in Österreich seit dem Jahr 1998 auf der B127 zwischen Puchenau und Linz umgesetzt: Bus- und Fahrgemeinschaftsspuren. Kostet wenig, steigert die Effizienz, schafft Potenzial für attraktiven Öffentlichen Verkehr rund um Ballungszentren. Bitte ausprobieren.

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Warum das Sicherheitsgefühl von Frauen über den Erfolg des Öffentlichen Verkehrs mitentscheidet

Laut Unfallstatistik ist 2025 in Österreich im Straßenverkehr niemand in einem Bus, einer Straßenbahn oder einem Zug ums Leben gekommen. Ob Menschen in Bus und Bahn einsteigen, entscheidet aber nicht die Unfallstatistik allein. Es zählt auch, wie sicher sich der Weg zur Haltestelle anfühlt, ob sie gut beleuchtet ist, ob Personal sichtbar ist und wie respektvoll es im Fahrzeug zugeht. Darauf achten insbesondere Frauen, die öffentliche Verkehrsmittel schon heute häufiger nutzen als Männer. Wege für Frauen sicher zu gestalten, ist der kürzeste Weg zu mehr Fahrgästen.

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Foto: Spencer Imbrock, unsplash

VCÖ: 5 Jahre Klimaticket – Anzahl der Haushalte mit Öffi-Jahreskarte stark gestiegen

VCÖ (Wien, 21. Oktober 2026) – Vor fünf Jahren, am 26. Oktober 2021, wurde das Klimaticket in Österreich eingeführt. Zuletzt hatten laut Statistik Austria bereits 1,67 Millionen Haushalte in Österreich mindestens eine Jahreskarte für den Öffentlichen Verkehr, um rund 320.000 mehr als im Zeitraum 2019/20, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Den höchsten Anteil an Haushalten mit Öffi-Jahreskarte gibt es in Wien mit 75 Prozent vor Salzburg und Tirol mit jeweils 36 Prozent. Am günstigsten ist das Bundesland-Klimaticket in Vorarlberg und Salzburg, den höchsten Preis weist das Klimaticket Oberösterreich auf. Wo es gute Verbindungen gibt, können sich Pendlerinnen und Pendler mit dem jeweiligen Klimaticket viel Geld sparen, insbesondere in Zeiten hoher Spritpreise, wie auch Beispiele des VCÖ zeigen.  

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