Kapazitätsmanagement statt Straßenbau

Pendelverkehr ist eine der größten Herausforderungen für das Verkehrssystem. Der Auto-Anteil ist dabei mit 60 Prozent überdurchschnittlich hoch, der Besetzungsgrad mit nur 108 Personen in 100 Autos unterdurchschnittlich niedrig. Etwa 90 Prozent des Verkehrs am hochrangigen Straßennetz in Ballungszentren verursachen Pkw, nur zehn Prozent Lkw. Ein Worst-Case als Standard: sehr viele Menschen, zur gleichen Zeit, in die gleiche Richtung, mit dem Auto – alleine. In einem Wort: Stau.

Das ist schlecht – für alle Beteiligten. Autofahrende verlieren Zeit, Geld und Nerven. Umfeld und Umwelt werden durch Emissionen und Lärm belastet. Die Wirtschaft büßt Produktivität ein und die Politik wird – abgesehen von der ungelösten Energie- und Klimakrise – früher oder später mit dem paradoxen Wunsch konfrontiert, das Stauproblem durch Straßenausbau zu lösen. Das kostet Milliarden für Bau und Erhalt – und es löst das Problem nicht: Der Versuch Staus durch Straßenausbau zu reduzieren, macht das Auto attraktiver, verursacht somit zusätzlichen Verkehr und letztlich wieder Stau – zurück zum Start.

Die gute Nachricht: Kapazität ist genügend vorhanden. Einerseits abseits der Stoßzeiten – flexible Arbeitszeiten, betriebliches Mobilitätsmanagement oder verkehrspolitische Maßnahmen wie eine Stau-Maut sind hier Möglichkeiten. Andererseits in den Fahrzeugen selbst – würden in Stoßzeiten durchschnittlich 2 statt 1,08 Personen im Auto sitzen, wäre das Stau-Problem gelöst. Effizienz-Champion in Sachen Besetzungsgrad ist natürlich der Öffentliche Verkehr. Statt wie in Wien rund 150.000 Einpendelnde Personen in durchschnittlich 140.000 Autos zu transportieren, könnten das auch 3.000 Busse erledigen. Wie den Besetzungsgrad in Stoßzeiten erhöhen? Eine Option erfreut sich steigender Beliebtheit in Europa, ist in den USA seit den 1970er-Jahren hundertfach erprobt und auch in Österreich seit dem Jahr 1998 auf der B127 zwischen Puchenau und Linz umgesetzt: Bus- und Fahrgemeinschaftsspuren. Kostet wenig, steigert die Effizienz, schafft Potenzial für attraktiven Öffentlichen Verkehr rund um Ballungszentren. Bitte ausprobieren.

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VCÖ begrüßt Raserpaket: Raserei ist tödlich!

VCÖ (Wien, 14. Juni 2023) – Die Mobilitätsorganisation VCÖ begrüßt das von der Bundesregierung beschlossene Raserpaket. Es ein Schritt, um die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer vor Extremrasern besser zu schützen. Jedoch ist aus Sicht des VCÖ die Grenze, ab der das Fahrzeug beschlagnahmt werden kann, zu hoch angesetzt. Der VCÖ fordert, dass ein Teil der Einnahmen aus der Versteigerung beschlagnahmter Fahrzeuge für Gemeinden zur Finanzierung von Discobussen und Anrufsammeltaxis zweckgewidmet werden.

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Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ: In allen Bundesländern ist CO2-Ausstoß des Verkehrs seit 1990 stark gestiegen

VCÖ (Wien, 5. Juni 2023) – Der Verkehr ist Österreichs größtes Klimaschutz-Problem, erinnert der VCÖ anlässlich des heutigen Weltumwelttags. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in allen Bundesländern der CO2-Ausstoß des Verkehrs seit dem Jahr 1990 stark gestiegen ist. Damit wurden Einsparungen anderer Sektoren wieder zunichtegemacht. Zudem ist der Verkehr in allen Bundesländern der größte Verursacher von Stickoxid-Emissionen und Straßen, Parkplätze & Co haben einen sehr großen Anteil am Flächenverbrauch. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um die Umweltbilanz von Mobilität und Gütertransport zu verbessern.

 

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Foto: Bernhard Mittelbach