Mit E-Bussen durch Städte und auf den Berg

Die Umstellung auf E-Busse funktioniert. Das zeigen Beispiele in Wien, Vorarlberg und sogar im gebirgigen Zillertal. Förderprogramme sollen den Anteil an E-Bussen weiter erhöhen.

von Jutta Berger

Die flotten Londoner Doppeldecker fahren zum Teil elektrisch, in den Niederlanden sind E-Busse bei den Neuzulassungen auf der Überholspur und in der südchinesischen Großstadt Shenzhen fährt die Busflotte zu 100 Prozent elektrisch. Davon ist Österreich noch weit entfernt, aber erste Projekte sind vielversprechend, wie ein Beispiel aus Tirol zeigt: „Die Dekarbonisierung im Öffentlichen Verkehr funktioniert, daran gibt es für mich keine Zweifel mehr“, sagt Andreas Kröll, Geschäftsführer der Christophorus Reiseveranstaltungs GmbH im Tiroler Zillertal. Der Unternehmer schickt seit März in Kooperation mit dem Tourismusverband Tux-Finkenberg vier E-Busse auf den Berg, von Mayrhofen zum Hintertuxer Gletscher und zum Schlegeis Stausee. „Das ist eine sehr fordernde Bergstrecke, ich würde sagen, die Königsklasse in Österreich.“ Kröll über die ersten Erfahrungen: „Unsere Busse sind gerammelt voll bei dem schönen Sommerwetter. Draußen hat es bis zu 30 Grad, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Und trotzdem laufen die E-Busse wie ein Uhrwerk“, schildert Kröll den Fahrbetrieb.

Hohe Leistungsfähigkeit

„Wir waren selbst verblüfft, wie super die neue Batteriegeneration ist“, räumt Kröll ein. Denn erste Versuche vor drei Jahren waren ernüchternd, weil die benötigte Reichweite nicht erreicht wurde. Umso mehr freut sich Kröll, dass die neuen Busse bis zu 320 Kilometer ohne Zwischenladung, die auf der Bergstrecke nicht möglich wäre, schaffen. „Und sparsam laufen sie auch noch. Wir erreichen Werte von knapp einer Kilowattstunde auf einen Kilometer“, nennt Andreas Kröll einen weiteren Pluspunkt. Aufgeladen werden die Batterien nachts ohne teuren Spitzenstrom. Die Fahrerinnen und Fahrer programmieren nach der letzten Fahrt das intelligente Ladesystem, geladen wird ab 22 Uhr. Für die nächste Wintersaison werden drei weitere Busse angeschafft. Dann fährt die gesamte Christophorus-Flotte auf den Linien
von Mayrhofen nach Hintertux und zum Schlegeis Stausee (im Sommer) und im Winter der Tuxer Sportbus zwischen Vorderlanersbach und Hintertux batterie-elektrisch.

Das Investment wird über das Förderprogramm „Emissionsfreie Busse und Infrastruktur“ (EBIN) des Klimaschutzministeriums mitfinanziert. Im EBIN-Topf, Teil des Aufbau- und Resilienzplans der Europäischen Union, befinden sich 250 Millionen Euro. Christophorus investierte in die ersten vier Busse und Ladeinfrastruktur drei Millionen Euro, der nächste Schritt zur Dekarbonisierung wird 1,8 Millionen Euro kosten. Christophorus fährt das 12,5 Meter lange Modell MAN Lion’s City 12 E mit 36 Sitz- und 36 Stehplätzen. Batteriekapazität: 480 Kilowattstunden. Die Umstellung auf E-Busse funktioniert. Das zeigen Beispiele in Wien, Vorarlberg und sogar im gebirgigen Zillertal. Förderprogramme sollen den Anteil an E-Bussen weiter erhöhen.

Österreich muss aufholen

Noch hinkt Österreich im europäischen Vergleich bei den Neuzulassungen von E-Bussen hinterher. Im Jahr 2022 waren österreichweit 184 E-Busse in Betrieb, bis zum Jahr 2026 soll sich die Anzahl fast vervierfachen. Hans-Jürgen Salmhofer, Leiter der Abteilung Mobilitätswende im
Klimaschutzministerium: „Wir versuchen mit dem Förderprogramm EBIN den Start zur Transformation zu schaffen. Die stärkste Resonanz
kommt von den Städten und einigen Regionen. Leuchttürme sind Wien und Vorarlberg mit einer klaren verkehrspolitischen Perspektive.“ Die Wiener Linien wollen beispielsweise bis zum Jahr 2025 neun zusätzliche Buslinien auf E-Busse umstellen, 17 Prozent der Busflotte werden dann emissionsfrei betrieben. In Siebenhirten wird für den Betrieb ein Kompetenzzentrum für E-Busse errichtet. Einen Grund für die Bereitschaft insbesondere von Städten sieht Salmhofer in der EU-Richtlinie zur Förderung sauberer und energieeffizienter Straßenfahrzeuge, welche die Städte über das Straßenfahrzeug-Beschaffungsgesetz (SFBG) erfüllen müssen. Die Richtlinie sieht eine Quote von 45 Prozent dieser Fahrzeuge bis zum Jahr 2025 vor. Regionale Verkehrsbetriebe nehmen das Förderprogramm noch eher zögerlich in Anspruch. Salmhofer: „Wir werden im Austausch mit den Gebietskörperschaften nach den Gründen dafür suchen und fragen, was wir bei den Förderrichtlinien verbessern können.“

Vorarlberg, das E-Bus-Land

Wie ein regionaler Verkehrsverbund die Transformation angehen kann, zeigt der Verkehrsverbund Vorarlberg. Hier wurde im Jahr 2015 mit
den ersten Tests begonnen. Aktuell sind vier Fahrzeuge täglich zwischen Feldkirch und Bludenz in den Städten wie im Überlandverkehr im Einsatz. Sie haben eine reale Reichweite von 220 Kilometer, Zwischenladungen dauern 40 Minuten. Die nächste Generation E-Busse soll dann 300 Kilometer ohne Zwischenladung schaffen. Tests im winterlichen Bregenzerwald brachten gute Ergebnisse. Für die Ladeinfrastruktur in Vorarlberg ist der landesweite Energieversorger illwerke vkw zuständig. Bis zum Jahr 2025 wird Vorarlberg mit dann insgesamt 108 Elektro-Bussen das größte E-Bundesland Österreichs sein, verkündete das Klimaschutzministerium im Jahr 2022 bei der Zuteilung von weiteren 17,5 Millionen Euro aus dem EBIN-Topf.

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