Nachgefragt – Karl Steininger

Porträtfoto von Karl Steininger
Karl Steininger, Professor für Klimaökonomik und Nachhaltige Transition, Wegener Center, Universität Graz

VCÖ-Magazin: In Zeiten knapper Budgets gerät auch der Öffentliche Verkehr unter Druck. Ist es trotz angespannter Budgetlage nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll, in den Öffentlichen Verkehr zu investieren? Wenn ja, warum?

Karl Steininger: Motorisierten Verkehr zu reduzieren – etwa über Raumordnung – und auf den Öffentlichen Verkehr zu verlagern ist volkswirtschaftlich vor allem relevant aufgrund der Reduktion der energetischen Nachfrage, die gemeinsam mit der Reduktion aus Raumwärme die Energieverfügbarkeit für die Industrie gewährleistet, wo in der Transformation netto kaum Energiebedarfsreduktionen erreichbar sind. Damit kann Österreich seine Exportmärkte weiter bedienen.

VCÖ-Magazin: Konkret auf Ballungsräume bezogen: Welche Maßnahmen sind hier besonders wirksam?

Karl Steininger: Einfache Fahrgastinformation und Nutzung, von integrierten Tarif-Systemen bis zu multimodalen Informationssystemen. Wichtig ist auch die Erschließung neuer Wohngebiete bereits vor deren Bezug. Zur Steuerung des Volumens des Pendelverkehrs ist die Gestaltung von entweder Parkraumbewirtschaftung oder Einfahrtsmauten zentral.

VCÖ-Magazin: Gibt es auch Maßnahmen die keine (oder nur geringe) Investitionen erfordern und den Öffentlichen Verkehr, etwa für Pendlerinnen und Pendler, attraktiver machen?

Karl Steininger: Die genannten Informations-Systeme und integrierte Tarife auch mit letzter Meile benötigen vergleichsweise geringe Investitionen. Parkraumbewirtschaftung und Einfahrtmauten bringen zusätzliche Einnahmen, die in den Öffentlichen Verkehr investiert werden können.

Zurück zur Übersicht

Garantiert mobil in der Region

Seit dem Jahr 2017 gilt im ländlich geprägten Odenwaldkreis mit zwölf Gemeinden im deutschen Bundesland Hessen durch das Projekt „garantiert mobil!“ eine Mobilitätsgarantie, in Form eines Anrufsammeltaxis zusätzlich zum bestehenden Busangebot.

Mehr dazu
Foto: Anrufsammeltaxi im Odenwaldkreis

Mehr Radwege, mehr Radverkehr

Anfang der 2000er-Jahre gab es im spanischen Sevilla 12 Kilometer an unverbundenen Radwegen. In nur vier Jahren wurde bis Ende 2007 ein Radbasisnetz von 77 Kilometer umgesetzt.

Mehr dazu
Foto: Radweg mit Verleihstation