Pendelverkehr gut auf Schiene

Frau und Mann unterhalten sich auf einem Bahnsteig auf dem gerade ein Zug der Badner Bahn einfährt

Menschen, die zum Arbeiten in die Stadt pendeln, sind auf gute und verlässliche Verbindungen angewiesen. S-Bahnen oder Regionalbahnen bilden das Rückgrat des Öffentlichen Verkehrs in Ballungszentren – auch über Stadtgrenzen hinweg.

Von Susanne Wolf

Von Baden zur Wiener Staatsoper: Seit über 135 Jahren verbindet die Badner Bahn, Österreichs meistgenutzte Regionalbahn, das Stadtzentrum der Bundeshauptstadt Wien mit der Kurstadt Baden und den dazwischen liegenden Ortschaften. „Rund die Hälfte unserer Fahrgäste sind Pendlerinnen und Pendler“, sagt Simone Schaller-Galler, Geschäftsführerin der Wiener Lokalbahnen, des Betreibers der Badner Bahn. Rund 15,3 Millionen Fahrgäste nutzten die Badner Bahn im Jahr 2025, im Schnitt sind das rund 42.000 pro Tag. „An mehreren Haltestellen gibt es ergänzende Mobilitätsangebote, wie Bikesharing, Fahrradboxen oder auch Carsharing, um das Angebot möglichst attraktiv zu gestalten“, ergänzt Schaller-Galler. Dazu kommen Park-and-Ride-Plätze an einigen Stationen.

Die Intervalle zwischen den Zügen wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich verkürzt: Heute wird der am stärksten befahrene Abschnitt der Strecke zwischen Wien Oper und Wiener Neudorf im 7,5-Minuten- Takt befahren. „Wir arbeiten laufend daran, das Angebot zu verbessern“, so Schaller-Galler. Ein Schwerpunkt sei die Verbesserung der Fahrgastinformation. „Wir arbeiten intensiv daran, die Fahrgäste bei spontanen Störungen, aber auch geplanten Baustellen, bestmöglich zu informieren.“

Große regionale Bedeutung

Der Unterschied zur schnelleren S-Bahn, die Wien und Baden verbindet, sei die Anbindung an Gemeinden, die sonst nicht so gut an den Öffentlichen Verkehr angeschlossen seien. Auch in Wien kommen viele Menschen durch die kleineren Stationsabstände näher an ihr Ziel als mit der S-Bahn – und ohne Umsteigen direkt ins Stadtzentrum. „Daher hat die Badner Bahn für viele Fahrgäste eine große regionale Bedeutung und ist schon seit Generationen ein täglicher Wegbegleiter.“ In Wien nutzt die Badner Bahn das Gleisnetz der Straßenbahn, außerhalb der Stadt fährt sie auf eigenen Schienensträngen. Damit ähnelt die Badner Bahn den Regiotrams, wie sie etwa in den deutschen Städten Kassel oder Karlsruhe in Betrieb sind. In Linz ist eine Regional-Stadtbahn in Planung.

Schweiz als Vorreiter

Viele Menschen, die in Wien arbeiten, aber außerhalb leben, müssen täglich zu ihrem Arbeitsplatz pendeln. Um dabei nicht auf das Auto angewiesen zu sein, sind verlässliche öffentliche Verbindungen unverzichtbar. Wenn es um hohe Kapazitäten geht, sind gute Verbindungen auf der Schiene essenziell. Eine Vorreiterrolle bei solchen Verbindungen hat die Schweiz und hier insbesondere die S-Bahnen des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV). „Erfolgsentscheidend sind unter anderem verlässliche Taktfahrpläne, gute Anschlüsse ohne lange Wartezeiten, eine einheitliche Tarifstruktur sowie eine enge Verknüpfung und gute Abstimmung zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln“, sagt die ZVV-Sprecherin Natasha Varisco. Das Ergebnis kann sich laut aktueller Zahlen der Stadt Zürich sehen lassen: Bei den Einpendelnden lag der der Anteil der Bahn im Jahr 2024 bei knapp 60 Prozent, nur etwa 22 Prozent kommen mit dem Auto. Im ZVV werden das Bahn- und Busangebot sowie jenes von Tram und Schiff aus einer Hand geplant und dementsprechend eng aufeinander abgestimmt. Dazu gibt es einen einheitlichen Verbundtarif, bei dem ein Ticket innerhalb der gelösten Zonen für verschiedene Verkehrsmittel wie Zug, Bus, Tram oder Schiff genutzt werden kann. Für alle, die regelmäßig unterwegs sind, bietet der ZVV Abos für verschiedene Zeiträume an, wie Monats- oder Jahresabos.

Bei den Tarif-Informationen fallen kundenfreundliche Details auf: „Sollten Sie Ihr persönliches Abo einmal zu Hause vergessen und in eine Kontrolle geraten, so können Sie das Abo innerhalb von zehn Tagen am Schalter vorweisen und bezahlen nur fünf Franken anstelle der vollen Kontrollgebühr“, heißt es auf der ZVV-Homepage. Dazu gibt es übertragbare Abos, die an andere Personen zur Benützung weitergegeben werden können und nur wenig mehr kosten als die persönlichen Abos. „Die Ticketpreise im ZVV sind subventioniert, damit sie fair und bezahlbar sind und damit möglichst viele Menschen den Öffentlichen Verkehr benutzen“, erklärt Natasha Varisco.

Grenzüberschreitender Pendelverkehr

Auch beim grenzüberschreitenden Pendelverkehr ist die Schweiz tonangebend. Das trireno-Netz in der Dreiländer-Region Basel zeigt es vor: Es verbindet Frankreich, Deutschland und die Schweiz, über 100.000 Menschen sind hier täglich mit der S-Bahn unterwegs. „Langfristig stabile Zuständigkeiten und damit großes Know-how und kurze Wege bei den zuständigen Partnern sind hier unerlässlich“, sagt trireno-Leiter Emanuel Barth und nennt in Bezug auf die Schweiz zwei weitere Faktoren: Einplanung von genügend Betriebsmitteln für den Substanzerhalt der Infrastruktur sowie eine eingeschränkte Verspätungsausbreitung, da nationale Personenverkehrszüge Laufwege von maximal 4,5 Stunden aufweisen. „Bei übermäßiger Verspätung übernimmt ein pünktlicher Ersatzzug“, so Barth. Es sei hilfreich, die Siedlungsentwicklung eng mit der Verkehrsplanung abzustimmen, wozu viele Gebietskörperschaften zusammenarbeiten müssen.

Die grenzüberschreitenden Verbindungen bieten auch Herausforderungen: „In Frankreich, Deutschland und der Schweiz haben wir es mit ungleich verteilten Tarif-Zuständigkeiten, unterschiedlichen Verbundstrukturen und unterschiedlichen Vertriebssystemen zu tun“, heißt es auf der Homepage. Dazu kommen nationale Bestimmungen, die etwa die Altersgrenze für Kindertarife oder Ermäßigungen unterschiedlich regeln. An guten und einfachen Lösungen für grenz- überschreitende Tickets werde jedoch gearbeitet, so Barth. Das könnte dem ohnehin schon gut funktionierenden System einen weiteren Schub geben – und Vorbildwirkung für andere grenzüberschreitende Ballungsräume haben.

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VCÖ-Fachveranstaltung: Verkehrsberuhigte Innenstädte

Der Lärm des Straßenverkehrs belastet in Wien und Österreichs Städten mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern 750.000 Menschen, Verkehrsabgase sogar 1,4 Millionen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Die von der Bundesregierung präsentierte StVO-Novelle wird es Städten ab kommendem Jahr ermöglichen, automationsunterstützte Zufahrtskontrollen einzuführen. Bei der am 23. Oktober 2025 online durchgeführten VCÖ-Fachveranstaltung wurden die Systeme in Bozen, Oslo und London vorgestellt.  

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VCÖ begrüßt Ermöglichung automationsunterstützter Zufahrtskontrolle durch StVO-Novelle

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