Superblocks: Mehr Platz für Grünes und Schönes

Foto: Florian Lorenz

Verkehrsberuhigte Zonen sind eine effektive Möglichkeit für Städte, die Verkehrsbelastung zu reduzieren und damit die Lebensqualität zu erhöhen. Das Beispiel der „Superblocks“ aus Spanien zeigt, was möglich ist.

Das Konzept der „Superblocks“ wurde in Barcelona als Instrument der Stadtgestaltung entwickelt und dort, ebenso wie im baskischen Vitoria-Gasteiz, bereits vielfach umgesetzt, erklärt Salvador Rueda, Mastermind der Agencia de Ecologia Urbana de Barcelona, die das Konzept entwickelt hat. Vitoria- Gasteiz, ein Zentrum der Autoproduktion, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer international beachteten Vorreiter-Stadt für umweltorientierte Verkehrslösungen entwickelt. Ruedas Kollegin Cynthia Echave war Ende Jänner in Wien beim Abschlussevent des Sondierungsprojektes Superbe zu Gast und erzählte im Gespräch mit dem VCÖ-Magazin, wie die Idee der Superblocks („Superilles“ auf Katalanisch, „Supermanzanas“ auf Spanisch) entstanden ist. „Auslöser war die Suche nach einer Lösung für die enorme Lärmbelastung in Barcelona in den 1990er-Jahren“, erinnert sie sich. „Verkehr und Mobilität waren dabei der zentrale Ausgangspunkt. Rasch rückten der öffentliche Raum, seine Gestaltung und die mögliche Verbindung mit einem ökologischen Planungsmodell in den Mittelpunkt. Erste Pilotprojekte wurden im Jahr 1993 und 2006 verwirklicht.“ Als Superblock wird ein Straßenblock von etwa 400 mal 400 Meter beziehungsweise drei mal drei Häuserblocks definiert, in dem der Kfz-Verkehr neu organisiert wird. Ein ausgeklügeltes System von Einbahnstraßen verhindert, dass die Straßen innerhalb dieser Zonen zur Durchfahrt genutzt werden. Zusätzlich werden Parkplätze minimiert und maximal den Anrainerinnen und Anrainern gewidmet, wodurch Parkplatz-Suchverkehr und „Abkürzer“ vermieden werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Einsatz- und Servicefahrzeuge haben weiterhin Zufahrt zu allen Häusern, das erlaubte Tempo wird auf 10 Stundenkilometer reduziert.

Weniger Autoverkehr, es wird mehr zu Fuß gegangen

Vergleichende Verkehrszählungen zeigen einen Anstieg der zu Fuß zurückgelegten Wege um zehn Prozent und eine Abnahme des Kfz-Verkehrsaufkommens im Untersuchungsgebiet um 26 Prozent, in den innenliegenden Straßen sogar um 40 Prozent. So konnten 75 Prozent der zuvor vom Kfz-Verkehr blockierten Flächen in den Blocks umgenutzt werden und stehen nunmehr für Sitzgelegenheiten, Spielplätze und Begrünung zur Verfügung.  Das macht es möglich, Straßenräume als Wohnumfelder mit einer Vielzahl an Nutzungen und als grüne Infrastruktur zu gestalten, die zum Verweilen einlädt. Dadurch werden die Bedingungen für das Gehen und Radfahren innerhalb der Superblocks maßgeblich verbessert.

Nicht nur in Barcelona

Eine Rasterbebauung wie in Barcelona macht die Definition von Superblocks zwar einfacher, sei aber keine Grundvoraussetzung, erklärt Cynthia Echave: „Wir haben Superblocks schon in Städten mit unterschiedlichen Bebauungsstrukturen umgesetzt. Das Modell funktioniert. Wichtig ist es am Beginn das Gebiet gründlich zu analysieren, bevor ein Plan gemacht wird. Und wichtig ist auch, dass jemand politisch die Führung übernimmt und das Projekt vorantreibt.“ Die aktive Beteiligung der lokalen Bevölkerung ist dabei von zentraler Bedeutung. Im Zuge des Umgestaltungsprozesses wird vieles zuerst mit reversiblen Eingriffen ausprobiert, etwa Bäume in Pflanztrögen und Straßenmöblierung, um die Neugestaltung besser vorstellbar zu machen, bevor mittels baulicher Eingriffe der Straßenraum langfristig umgestaltet wird. „Die Menschen sahen die Veränderungen und unterstützten die Idee nicht nur, sondern wurden selbst aktiv. Sie setzten sich dafür ein, die Superblocks beizubehalten, als das Konzept durchaus noch umstritten war“, erzählt Echave. Superblocks sind jedoch deutlich mehr als Verkehrsplanung. Mittlerweile steht nicht mehr die Mobilität im Vordergrund, sondern das Konzept wird als Instrument für die Umweltplanung erkannt. „Im Jahr 2006 lud uns Vitoria-Gasteiz ein, einen Mobilitätsplan zu erstellen – was wir auf Grundlage des Superblock-Konzepts auch gemacht haben. Das Ergebnis trug unter anderem dazu bei, dass Vitoria-Gasteiz im Jahr 2012 mit dem European Green Capital Award ausgezeichnet wurde. Das verlieh der Idee auch in Barcelona neuen Auftrieb und verhalf ihr auch hier zum Durchbruch. Vitoria-Gasteiz hat heute 63 Superblocks und plant weitere 48.“ Die im Jänner 2020 von der Stadt Barcelona präsentierte Deklaration zum Klimanotstand enthält eine raschere Umsetzung des Superblock Programms unter anderem, um eine 15 Kilometer lange Grün-Achse durch die Stadt zu schaffen.

Auch in Österreich großes Potenzial für Superblocks

Superblocks sind mittlerweile in mehreren Städten Spaniens verwirklicht und stoßen auch international auf große Aufmerksamkeit – so auch in Wien, wo im Sondierungsprojekt „Superbe“ das Potenzial einer möglichen Implementierung des Superblock- Modells in Wien aufgezeigt wurde. Das Projekt wurde von der Technischen Universität Wien vom Austrian Institute of Technology sowie von Florian Lorenz (Urban Consultant) durchgeführt und vom Verkehrsministerium Österreichs im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft“ gefördert. In den Wiener Stadtstrukturen, etwa den Gründerzeitvierteln, wurde dabei großes, noch ungenütztes Potenzial für das Superblock Konzept als langfristige Strategie für Verkehrsberuhigung bei Verbesserung der Lebensqualität im Wohnumfeld gesehen. Für die Studie wurden auf Basis von Indikatoren wie der Bevölkerungsdichte, Dichte von Stadtbäumen, Aufteilung des Freiraumes oder Erschließung mit Öffentlichem Verkehr mehrere mögliche Superblock-Anwendungsgebiete identifiziert und konzipiert und die Auswirkungen auf Verkehrsverhalten sowie die Flächennutzung untersucht

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