Transformation ökologisch und gerecht gestalten

Mann mit Regenkleidung und Fahrrad auf einem Bahnsteig, einfahrender Zug

Eine Transformation hin zu CO2-Neutralität im Verkehrssystem ist möglich. Sie bringt unter anderem qualitätsvolle Arbeitsplätze und mehr Lebensqualität. Dazu sind gesamtgesellschaftliche Ansätze gefragt, damit der Wandel auch positive soziale Auswirkungen hat.

von Petra Sturm und Berhard Hachleitner

Verlust von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung, Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung und der Menschen mit geringem Einkommen – diese Argumente werden häufig gegen die sozial-ökologische Transformation unseres Mobilitätssystem in Richtung CO2-Neutralität ins Spiel gebracht. Gernot Wagner, Klimaökonom an der Columbia Business School in New York, widerspricht und plädiert insbesondere in Bezug auf die Autoindustrie dafür, das Wort ‚Wertschöpfung‘ zu hinterfragen. „Jede Tonne Kohle und jedes Fass Öl verursachen durchschnittlich mehr an negativen externen Kosten als sie an Wertschöpfung zur Wirtschaft beitragen“, so Wagner.

Wichtig sei die Internalisierung der externen Kosten, also dass die Kosten von jenen getragen werden, die sie verursachen und nicht von der Allgemeinheit und dass die Wirtschaftsströme in die richtige Richtung gelenkt würden. In der Argumentation gegen die Mobilitätswende ortet Wagner Widersprüche. Einerseits werde gesagt, die Abkehr vom System Auto sei wirtschaftlich schlecht, weil die hohen Kosten für Autos das Brutto-Inland-Produkt stützen. „Andererseits lautet ein Hauptargument oft, dass wir so leben müssen wie jetzt, weil jede Alternative einfach viel zu teuer sei.“

Nachhaltige Mobilität bringt qualitätsvolle Arbeitsplätze

Die wirtschaftlichen Effekte der nachhaltigen Mobilität stehen oft im Schatten der Automobilindustrie. Laut der Studie „Wirtschaftsfaktor Radfahren“ sorgte die Fahrradwirtschaft in Österreich im Jahr 2022 für 46.000 Arbeitsplätze und 2,9 Milliarden Euro Wertschöpfung, im Jahr 2009 waren es hingegen nur rund 0,9 Milliarden Euro Wertschöpfung und 18.000 Arbeitsplätze. Für die Zuwächse sorgen neben etablierten Herstellern auch Neueinsteiger, wie WSF Bicycle Technology, eine im Jahr 2020 gegründete Firma, die in Regau in Oberösterreich hochwertige Fahrräder für verschiedene Marken herstellt. Im Jahr 2022 produzierte das Unternehmen mit 45 Beschäftigten 17.000 Stück, Tendenz steigend.

Insbesondere der Öffentliche Verkehr zählt zu den Jobmotoren und die sozial-ökologische Transformation funktioniert in manchen Fällen bereits. So fanden ehemalige Opel- Beschäftigte in Wien beim Straßenbahnhersteller Bombardier neue Jobs. Aber selbst wenn die Transformation des Mobilitätssystems gesamtgesellschaftlich und volkswirtschaftlich gesehen positive Effekte bringt, gibt es auch „Verlierer“: Menschen, die ihre Jobs verlieren, Regionen, die stark auf die Automobilindustrie oder auf fossile Rohstoffe ausgerichtet waren. „Die Batteriefabrik für die E-Autos profitiert, die Verbrennungsmotoren-Fabrik verschwindet“, so Wagner. Hier zeigt sich die Notwendigkeit von „Just Transition“. Das Konzept des gerechten Wandels soll den Übergang erleichtern und sozial verträglicher gestalten. Dazu gehören Umschulungsmaßnahmen, aber auch gezielte Investitionsprogramme in nachhaltige Mobilität, die den CO2-Ausstoß reduzieren, Wertschöpfung bringen und die Mobilität der Menschen sicherstellen – auch auf dem Land.

Städte verdichten, Ortskerne erneuern, Zukunft gestalten

„Für Mobilität auf dem Land gilt insbesondere: Es braucht multifunktionale Orte, also etwa Mobilitätsstationen“, sagt Martha Marisa Wanat, Mobilitätsberaterin, Unternehmerin und Autorin. Dort sollte es nicht nur Öffentlichen Verkehr und E-Bikesharing geben, sondern auch „medizinische Versorgung und Therapien, ein Café oder einen Spielplatz.“ Im deutschen Bundesland Thüringen sei das mit den „Gesundheitskiosken“ bereits Realität. Rückgrat für die Mobilität am Land ist ein starker Öffentlicher Verkehr, ergänzt von Bedarfsverkehren, wie Sammeltaxis und Shuttlediensten. Die Digitalisierung eröffnet hier neue Möglichkeiten, auch in Hinsicht auf Home-Office. „Klar ist aber auch, dass es am Land immer Autos geben wird. E-Autos, aber eben immer noch Autos“, sagt Gernot Wagner. „Das heißt, es geht um viel mehr als um Subventionen für E-Autos. Es geht um Verdichtung von Städten und dem Speckgürtel, um Ortskernerneuerung, um ein Umdenken im Großen, in Sachen Regionalplanung, Flächenumwidmung und so weiter.“

Letztendlich geht es bei der Mobilitätswende eben nicht um Stadt oder Land, sondern um eine Gesamtperspektive. Für Wanat ist die Mobilitätswende vor allem eine Verhaltens- wende. Es gilt an jenen Faktoren anzusetzen, die unsere Routinen beeinflussen. In Transformationsprozessen ginge es nicht zuletzt „um eine holistische, vernetzende Perspektive.“ Die technologischen Innovationen spielen laut Wanat dabei nur eine untergeordnete Rolle, sie liefern die notwendigen Werkzeuge. „Die Innovationsqualität, die wir für eine Mobilitätswende brauchen, ist eine ökosystemische, die Nachbarschaft, lokale Wirtschaft, Lebensqualität, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit zusammen denkt. Das eine kann nicht ohne das andere transformiert werden, weil es um das Verhalten einer ganzen Gesellschaft geht.“ Wanat, die auch Gründerin ist, betont dabei die Rolle der jungen Generation: „Genau deswegen und weil Transformation sich auf eine Zukunft bezieht, die nur einen Teil der heutigen Gesellschaft faktisch betreffen wird, ist es umso wichtiger, jungen Menschen im Transformationsprozess eine Schlüsselrolle zu gewähren.“

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VCÖ-Untersuchung: Wo in Österreich im Vorjahr die meisten Lkw fuhren

VCÖ (Wien, 1. März 2024) – Die A1 Westautobahn bei Traun war im Vorjahr der Straßenabschnitt Österreichs mit dem meisten Lkw-Verkehr, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Im Vergleich zum Jahr 2022 nahm an 83 Prozent der Zählstellen der Lkw-Verkehr ab, bei 17 Prozent gab es eine Zunahme. Durch Österreich fahren viele Transit-Lkw. Die großen Transit-Lkw nutzen die Straße so stark ab wie rund 60.000 Pkw. Im Interesse der Verkehrssicherheit sind mehr Lkw-Kontrollen nötig, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ. Zudem sind betriebliche Gleisanschlüsse zu forcieren, um Güter direkt vom Betrieb weg auf die Schiene zu bekommen.

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Wo macht der Einsatz von E-Fuels Sinn und wo nicht?

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