VCÖ-Analyse: In Österreichs Landeshauptstädten gibt es mehr als 2.300 Ampelanlagen

VCÖ spricht sich für längere Grün- und kürzere Rotphasen bei Fußgängerampeln aus

VCÖ (Wien, 10. August 2023) – Österreich ist reich an Ampeln. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass es in den neun Landeshauptstädten 2.311 Ampelanlagen gibt. Mehr als die Hälfte davon gibt es in Wien. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gibt es in Graz und St. Pölten die meisten Ampeln. Der VCÖ weist darauf hin, dass viele Fußgängerampeln zu kurze Grün- und zu lange Rotphasen haben. Auf die Gehgeschwindigkeit älterer Seniorinnen und Senioren oder Menschen mit Mobilitätseinschränkung wird zu wenig Rücksicht genommen.

„Österreich ist reich an Ampeln“, fasst VCÖ-Expertin Lina Mosshammer eine aktuelle VCÖ-Analyse zusammen. Allein in den neun Landeshauptstädten gibt es 2.311 Ampelanlagen. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 1.304, sind in Wien im Einsatz, dahinter folgen Graz mit 337 und Linz mit 204. Die Stadt Salzburg hat 141 Ampelanlagen, Innsbruck 120, Klagenfurt 110, St. Pölten 65 und Bregenz 18. Die wenigsten Ampelanlagen gibt es in Eisenstadt mit 12.

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gibt es in Graz und St. Pölten die meisten Ampelanlagen mit jeweils 11,3 pro 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Es folgen Klagenfurt mit 10,5 und Linz mit 9,7. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gibt es in Bregenz vor Wien und Eisenstadt die wenigsten Ampeln, wie die VCÖ-Analyse zeigt.

„Für Fußgängerinnen und Fußgänger bedeuten Ampeln oft lange Wartezeiten. Während Rotphasen sehr lange sind, sind hingegen die Grünphasen oft zu kurz. Auf die langsamere Gehgeschwindigkeit beispielsweise älterer Menschen wird dabei zu wenig Rücksicht genommen“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Während ein Jugendlicher eine dreispurige Fahrbahn in schnellem Schritt in etwas mehr als fünf Sekunden überquert, benötigt eine ältere Person oder eine Person mit Kleinkind mit rund 14 Sekunden fast dreimal so lange und eine Person mit starker Mobilitätseinschränkung mit 19 Sekunden fast viermal so lange, wie Studien zeigen.

Wenn während des Überquerens die Fußgängerampel von Grün auf Rot wechselt, dürfen die Fußgängerinnen und Fußgänger die Fahrbahn weiter queren (Paragraph 76, Absatz 3 der StVO), aber insbesondere für ältere Menschen ist das eine sehr unangenehme, stressige Situation. „Zudem darf wenn es eine Schutzinsel gibt nur zu dieser weiter gegangen werden, wodurch Fußgängerinnen und Fußgänger durch Abgase belastet werden und insbesondere für Eltern mit Kleinkindern ist das Warten auf einer Schutzinsel alles andere als angenehm“, erklärt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.  Seit dem Jahr 2022 ist in der Straßenverkehrsordnung explizit festgehalten, dass bei Ampelschaltungen auf die „Bedürfnisse der Fußgängerinnen und Fußgänger, nach kurzer Wartezeit und ohne Eile queren zu können“ Bedacht zu nehmen ist. Entsprechend sind bei Fußgängerampeln längere Grünphasen und kürzere Rotphasen umzusetzen, betont der VCÖ.

Zudem sollten Ampeln in Schwachlastzeiten auf gelb Blinken umgestellt werden. „Heute gibt es eher zu viele als zu wenige Ampeln. Es soll keinen Kahlschlag geben, aber ein vernünftiges Durchforsten des Ampelwaldes ist den Städten auf jeden Fall sinnvoll“, stellt VCÖ-Expertin Mosshammer fest. So sollte bei Straßen, die verkehrsberuhigt werden, auch immer überprüft werden, ob bestehende Ampelanlagen noch nötig sind. Ein sparsamerer Einsatz von Ampelanlagen würde auch die Kosten reduzieren, denn nicht nur die Anschaffung, auch der Betrieb von Ampelanlagen kostet einiges an Geld.

VCÖ: In Österreichs Landeshauptstädten gibt es mehr als 2.300 Ampeln

Wien: 1.304 Ampelanlagen
Graz: 337
Linz: 204
Salzburg: 141
Innsbruck: 120
Klagenfurt: 110
St. Pölten: 65
Bregenz: 18
Eisenstadt: 12

Summe: 2.311

Quelle: Landeshauptstädte, VCÖ 2023

VCÖ: Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gibt es in Graz und St. Pölten die meisten Ampeln (Anzahl Ampelanlagen je 10.000 Einwohnende)

Graz: 11,3 Ampelanlagen pro 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner
St. Pölten: 11,3
Klagenfurt: 10,5
Linz: 9,7
Innsbruck: 9,1
Salzburg: 9,0
Eisenstadt: 7,6
Wien: 6,6
Bregenz: 6,1

Quelle: Landeshauptstädte, VCÖ 2023

VCÖ: Längere Grünphasen bei Fußgängerampeln für ältere Menschen und Kinder sehr wichtig (Geh-Geschwindigkeit – benötigte Zeit für Überqueren von 3-spuriger Fahrbahn)

Person mit starker Mobilitätseinschränkung: 1,8 km/h (19,0 Sekunden)
Ältere Person oder Person mit Kind: 2,5 km/h (13,7 Sekunden)
Kinder zwischen 6 und 10 Jahren: 4,0 km/h (8,6 Sekunden)
Blinde Person, Person im Rollstuhl: 4,7 km/h (7,3 Sekunden)
Erwachsene Durchschnitt: 5,4 km/h (6,3 Sekunden)
Jugendliche: 6,5 km/h (5,3 Sekunden)

Quelle: VCÖ 2023

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