VCÖ-Analyse zeigt: Von Spritpreisbremse profitieren Besserverdienende am stärksten

VCÖ: Haushalte mit hohem Einkommen tanken im Schnitt deutlich mehr Sprit

Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.

VCÖ (Wien, 2. Oktober 2026) – Haushalte mit einem Monatseinkommen von mehr als 5.000 Euro tanken fast dreieinhalb Mal so viel Sprit wie Haushalte mit einem Monatseinkommen von bis zu 2.200 Euro, zeigt eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Konsumerhebung der Statistik Austria. Das Gießkannenprinzip führt dazu, dass Besserverdienende deutlich stärker von der Spritpreisbremse profitieren als Wenigverdienende. Sinnvoller und sozial gerechter wäre eine bedarfsorientierte Unterstützung. Gleichzeitig braucht es rasch Maßnahmen zur Reduktion des Spritverbrauchs, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.

„Die Spritpreisbremse soll Haushalte finanziell entlasten. Doch anstatt vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen zu unterstützen, fließt der größte Anteil der Förderung durch die Spritpreisbremse an die Haushalte mit dem höchsten Einkommen. Das ist aus sozialer und ökonomischer Sicht widersinnig“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Die mit 1. Oktober in Kraft getretene Spritpreisbremse reduziert den Spritpreis um rund zwölf Cent pro Liter, davon sind 8,5 Cent Steuerreduktionen. Eine VCÖ-Analyse der Daten der Konsumerhebung 2024/2025 der Statistik Austria zeigt, dass die Gruppe der Haushalte mit einem Monatseinkommen von 4.000 bis 5.000 2,7-mal so viel Diesel und Benzin tankt wie die Haushalte mit einem Einkommen von bis zu 2.200 Euro pro Monat. Die Gruppe der Haushalte mit mehr als 5.000 Euro Einkommen tankt sogar 3,4-mal so viel Sprit. Im Zeitraum 2024/25 haben die Haushalte mit einem Einkommen bis 2.200 Euro im Schnitt monatlich 61 Euro für Sprit ausgegeben, Haushalte mit mehr als 5.000 Euro Einkommen gaben im Schnitt 207 Euro für Sprit aus.

„Gerade in einer Zeit, in der in vielen wichtigen Bereichen, von der Gesundheit über Soziales bis hin zum Öffentlicher Verkehr gespart wird, sollten zusätzliche Unterstützungen nicht mit der Gießkanne verteilt werden, sondern gezielt jenen zugutekommen, die wirklich darauf angewiesen sind“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Die Lehre aus der aktuellen Treibstoff- und insbesondere Dieselkrise muss sein, die Erdölabhängigkeit von Mobilität und Güterverkehr rascher zu reduzieren. „Je weniger Sprit wir benötigen, umso weniger belasten uns Treibstoff-Engpässe am Weltmarkt und explodierende Preise am Ölmarkt. Umso geringer ist auch der Anteil der Treibstoffe am Warenkorb. So kann nicht zuletzt auch eine inflationsdämpfende Wirkung erzielt werden. Gerade deswegen ist es unumgänglich, dass die Regierung endlich verbrauchsreduzierende Maßnahmen setzt und Österreichs Abhängigkeit von hochvolatilen fossilen Treibstoffmärkten rasch reduziert“, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Wirksame Maßnahmen sind niedrigere Tempolimits, eine Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahr- und Mobilitätsverhalten, gezielte Förderungen für den Umstieg auf Elektrofahrzeuge, wie beispielsweise Social Leasing bei Pkw und ein Bonus-Malus-System beim Kauf neuer Lkw, Anreize zum Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr beispielsweise durch einen 20%-Rabatt auf Klimatickets. Der VCÖ sieht auch die Unternehmen gefordert, ihre Beschäftigten zu unterstützen, etwa durch steuerbegünstigte Öffi-Jobtickets, Jobräder, Apps zur Bildung von Fahrgemeinschaften oder dem Ermöglichen von verstärktem Homeoffice.

„Kurzfristig braucht es eine Entlastung, die sozial gerecht und ökonomisch klug ist: gezielt für jene Haushalte, die von den hohen Spritpreisen am stärksten getroffen werden, statt Steuergeld mit der Gießkanne zu verteilen. Mittelfristig müssen wir unsere Mobilität so aufstellen, dass sie weniger Erdöl braucht. Das macht Österreich unabhängiger von Krisen auf den Ölmärkten und stärkt unsere Versorgungssicherheit“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk abschließend fest.

Quellen & Daten

VCÖ: Haushalte mit hohem Einkommen tanken deutlich mehr Sprit
(Monatliche Ausgaben für Benzin / Diesel der Haushalte, nach Haushaltseinkommen – Zeitraum 2024/2025)

Haushalte mit Monatseinkommen

  • bis 2.200 Euro: 61 Euro
  • von 2.201 bis 3.000 Euro: 107 Euro (plus 75,4 Prozent im Vergleich zur Gruppe Haushaltseinkommen bis 2.200 Euro)
  • von 3.001 bis 4.000 Euro: 128 Euro (plus 109,8 Prozent)
  • von 4.001 bis 5.000 Euro: 166 Euro (plus 172,1 Prozent)
  • von mehr als 5.000 Euro: 207 Euro (plus 239,3 Prozent)

Quelle: VCÖ 2026 auf Basis von Konsumerhebung 2024/25 der Statistik Austria

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Licht und Schatten bei EU-Umweltministerrat - Früherer Ausstieg aus Verbrennungsmotor bei Neuwagen notwendig

VCÖ (Wien, 29. Juni 2022) – Licht und Schatten brachte aus Sicht der Mobilitätsorganisation VCÖ – Mobilität mit Zukunft der aktuelle EU-Umweltministerrat. Die Einigung, über den Ausstieg von Benzin und Diesel bei Neuwagen ist sehr erfreulich, das Jahr 2035 ist aber aus Klimasicht zu spät. Das geplante Schlupfloch für E-Fuels wäre aus Energiesicht kontraproduktiv und ein „fauler Kompromiss“. Die Herstellung von E-Fuels verschlingt viel Energie und ist sehr teuer. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise fordert der VCÖ verstärkte Maßnahmen, um den Erdölverbrauch des Verkehrs zu reduzieren.

Mehr dazu
Foto: Sarah Duit

VCÖ: Spritpreise im Europa-Vergleich - Spritsparen zahlt sich heuer bei Urlaubsreise besonders aus

VCÖ (Wien, 24. Juni 2022) – In 16 EU-Staaten sowie in der Schweiz kostet eine 50 Liter-Tank-Füllung Diesel mehr als 100 Euro, bei Eurosuper sind es 15 EU-Staaten, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Am höchsten sind die Spritpreise in Finnland, Dänemark, Griechenland, Schweden und der Schweiz. Günstiger als in Österreich ist das Tanken vor allem in Osteuropa und auch in Kroatien. Wer spritsparend fährt, kann mit einer Tankfüllung rund 15 bis 20 Prozent weiter kommen. Die VCÖ-Tipps: Langsamer und vorausschauend fahren, rasch in den nächsthöheren Gang schalten, Klimaanlage nicht zu kalt einstellen. Und am Urlaubsort Autofahrten möglichst vermeiden.

Mehr dazu
Foto: Sarah Duit