VCÖ-Bahntest: Welche Maßnahmen zum Umstieg vom Auto auf die Bahn bewegen
VCÖ: Fahrgäste würden bei kürzerer Gesamtreisezeit und häufigeren Verbindungen öfters Bahn statt Auto nutzen
VCÖ (Wien, 30. August 2026) – Die Mobilitätsorganisation VCÖ hat im Rahmen des diesjährigen VCÖ-Bahntests untersucht, was zum Umstieg vom Auto auf die Bahn führt. Sechs von zehn Fahrgästen fahren heute Strecken mit der Bahn, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben. Die wichtigsten Gründe für den Umstieg waren der Erwerb eines Klimatickets, die nutzbare Zeit beim Bahnfahren, gestiegene Autokosten und Verbesserungen des Bahnangebots. Weiteres Ergebnis beim VCÖ-Bahntest: Es könnten noch viele weitere Autofahrten auf die Bahn verlagert werden, wenn die Gesamtreisezeit bei Bahnfahrten verkürzt wird und häufigere Bahnverbindungen, insbesondere außerhalb der Hauptverkehrszeiten, angeboten werden.
„Mobilitätsverhalten ist veränderbar. Umso mehr als der Großteil der Bevölkerung mehrere Verkehrsmittel nutzt. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer fahren auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad. Wenn durch gezielte Maßnahmen mehr Autofahrten auf die Bahn verlagert werden, bringt das einen vielfachen Nutzen: Weniger Staus, weniger Abgase, weniger Unfälle und dort, wo es gute öffentliche Verkehrsverbindungen gibt, sind die Mobilitätskosten für die Haushalte niedriger“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.
Der VCÖ hat im Rahmen des VCÖ-Bahntests untersucht, welche Faktoren zum verstärkten Umstieg vom Auto auf die Bahn führen. Insgesamt wurden in den Zügen von neun Bahnunternehmen österreichweit mehr als 11.200 Fahrgäste befragt. 61 Prozent der Fahrgäste gaben beim VCÖ-Bahntest an, dass sie heute Strecken mit der Bahn fahren, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben. Ein Drittel davon hat viele Autofahrten auf die Bahn verlagert. Der Erwerb eines Klimatickets wurde am häufigsten, nämlich von 70 Prozent, als sehr wichtiger Grund für den Umstieg vom Auto auf die Bahn genannt. 54 Prozent sagten, dass die nutzbare Reisezeit beim Bahnfahren ein wichtiger Grund war, für 48 Prozent spielten die Kosten für das Autofahren eine Rolle, für 39 Prozent Verbesserungen beim Bahnangebot.
„Kosten und Zeit sind zentrale Einflussfaktoren für die Verkehrsmittelwahl. Wer häufig mit Bahn oder Bus mobil ist, spart sich mit dem Klimaticket viel Geld. Und die Zeit beim Bahnfahren kann zum Ausruhen, Lesen, Arbeiten und zum Spielen mit den Kindern genutzt werden“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.
Weiteres Ergebnis beim VCÖ-Bahntest: Die Bereitschaft, weitere Autofahrten auf die Bahn zu verlagern, ist groß. 25 Prozent der Fahrgäste sagten beim VCÖ-Bahntest, dass sie viele Autofahrten auf die Bahn verlagern könnten, weitere 47 Prozent zumindest manche. Als wichtigste Maßnahmen, um umsteigen zu können, werden eine kürzere Gesamtreisezeit der Bahn, häufigere Bahnverbindungen, insbesondere am Tagesrand und an Sonn- und Feiertagen genannt. „Wird die Abstimmung zwischen Haupt- und Regionalverbindungen sowie zwischen Bahn und Bus verbessert, dann reduziert das die Gesamtreisezeit, ebenso bessere öffentliche Verbindungen zu und von den Bahnhöfen in den Regionen. Und damit würden mehr Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen“, nennt VCÖ-Experte Michael Schwendinger notwendige Maßnahmen.
Verschlechterungen beim Angebot haben wiederum negative Auswirkungen und führen zum Umstieg auf das Auto, so ein weiteres Ergebnis des VCÖ-Bahntests. Fünf Prozent der Fahrgäste fahren heute viele Strecken mit dem Auto, die sie früher mit der Bahn zurückgelegt haben, weitere 20 Prozent manche. Der Bundesländer-Vergleich zeigt hier große Unterschiede. Am höchsten ist der Anteil der von der Bahn aufs Auto Umgestiegenen bei Fahrgästen aus Niederösterreich mit 27 Prozent, am niedrigsten bei Fahrgästen aus Kärnten mit 17 Prozent.
Nach der besseren Verfügbarkeit eines Autos wurden ein schlechteres Bahnangebot, eine längere Gesamtreisezeit mit der Bahn als bisher sowie Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit am häufigsten von den Fahrgästen als Gründe genannt, warum sie auf einzelnen Strecken nun mit dem Auto statt mit der Bahn fahren. Auch der Wechsel des Arbeitsplatzes und des Wohnorts wurden häufig als Grund genannt. „Die Raumordnungspolitik der Gemeinden und Städte hat großen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Zersiedelung und Betriebsansiedlungen auf der grünen Wiese außerhalb der Zentren verursachen mehr Autoverkehr. Die Stärkung der Ortskerne sowie Siedlungen und Betriebe in der Nähe des Öffentlichen Verkehrs ermöglichen der Bevölkerung vor Ort sowie den Pendlerinnen und Pendlern häufiger mit Bahn und Bus zu fahren“, erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.
Am VCÖ-Bahntest 2026 nahmen 11.257 Fahrgäste in den Zügen von neun Bahnunternehmen teil (Außerfernbahn – DB Regio, Graz Köflacher Bahn, Mariazellerbahn, ÖBB, Raaberbahn, Salzburger Lokalbahn, Steiermarkbahn, WESTbahn, Zillertalbahn). Befragungszeitraum Mai und Juni 2026.
Weitere Ergebnisse des VCÖ-Bahntest 2026
Quellen & Daten
VCÖ: Sechs von zehn Fahrgästen legen frühere Autofahrten jetzt mit der Bahn zurück
Fahren Sie Strecken, die Sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben, nun mit der Bahn?
- Ja, viele: 23 Prozent
- Ja, manche: 38 Prozent
- Nein: 39 Prozent
Quelle: VCÖ-Bahntest 2026
VCÖ: Klimaticket und nutzbare Reisezeit als Hauptgründe für Umstieg vom Auto auf die Bahn
(Welche Gründe sehr großen Einfluss auf den Umstieg vom Auto auf die Bahn hatten– Mehrfachantworten möglich)
- Klimaticket erworben: 70 Prozent
- Nutzbare Zeit in der Bahn: 54 Prozent
- Kosten für das Autofahren: 48 Prozent
- Verbesserungen des Bahnangebots: 39 Prozent
- Wechsel Arbeitsplatz oder Ausbildungsort: 38 Prozent
- Veränderte Lebensumstände (z.B. Umzug): 34 Prozent
- Parkraumbewirtschaftung am Zielort: 33 Prozent
- Anbindung des Bahnhofs verbessert: 31 Prozent
- Auto schlechter verfügbar: 24 Prozent
Quelle: VCÖ-Bahntest 2026
VCÖ: Viele Fahrgäste würden Wege mit der Bahn statt mit dem Auto zurücklegen
Gibt es Wege, die Sie mit der Bahn statt mit dem Auto zurücklegen würden?
- Ja, viele: 25 Prozent
- Ja, manche: 47 Prozent
- Nein, keine: 28 Prozent
Quelle: VCÖ-Bahntest 2026
Welche Maßnahmen nötig wären, damit jene Fahrgäste, die Autofahrten auf die Bahn verlagern würden, es tun können
Anteil der Fahrgäste, die viele Autofahrten auf die Bahn verlagern würden, wenn …
- … kürzere Gesamtreisezeit mit der Bahn: 60 Prozent
- … häufigere Bahnverbindungen: 57 Prozent
- … besseres Angebot außerhalb der Hauptverkehrszeiten, an Tagesrandzeiten sowie Sonn- und Feiertagen: 55 Prozent
- … die Kosten für das Autofahren steigen würden: 48 Prozent
- … Bahnhöfe besser öffentlich angebunden wären: 46 Prozent
- … es mehr Park & Ride Plätze bei Bahnhöfen gäbe: 45 Prozent
- … man für Arbeitsweg ein Öffi-Jobticket erhält: 45 Prozent
- … am Zielort kostenloses Parken nicht mehr möglich wäre: 38 Prozent
- … einfachere Gepäck-Mitnahme im Zug:35 Prozent
- … Bahnhof besser per Fahrrad erreichbar wäre: 26 Prozent
Quelle: VCÖ-Bahntest 2026
VCÖ: Ein Viertel der Fahrgäste fährt Strecken nun mit dem Auto statt wie früher mit der Bahn
(Fahren Sie Wege, die Sie früher mit der Bahn gefahren sind, nun mit einem Auto?)
- Ja, viele: 5 Prozent
- Ja, manche: 20 Prozent
- Nein: 75 Prozent
Quelle: VCÖ-Bahntest 2026
VCÖ: Autoverfügbarkeit und schlechteres Bahnangebot Hauptgründe für den Umstieg auf Pkw
(Welche Gründe sehr großen Einfluss auf Umstieg von Bahn auf Auto hatten – Mehrfachantworten möglich)
- Auto jetzt besser verfügbar: 42 Prozent
- Schlechtere Bahn-Angebot: 38 Prozent
- Längere Gesamtreisezeit der Bahn als bisher: 38 Prozent
- Unzuverlässigkeit /Unpünktlichkeit: 35 Prozent
- Veränderte Lebensumstände (z.B. Umzug): 31 Prozent
- Wechsel Arbeit/Ausbildungsort: 29 Prozent
- Anbindung des Bahnhofs verschlechtert: 26 Prozent
Quelle: VCÖ-Bahntest 2026