VCÖ: Bei Elektro-Klein-Lkw hat Österreich großen Abstand zur EU-Spitze

VCÖ-Fachveranstaltung: Zero-Emission-Logistik hat in Städten sehr großes Potenzial

VCÖ (Wien, 20. Jänner 2026) – In den Niederlanden waren im Vorjahr bereits 80 Prozent der Klein-Lkw Elektro-Transporter und damit war ihr Anteil sechsmal so hoch wie in Österreich, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Das Potenzial für abgasfreie Güterlogistik ist in Städten sehr groß, stellte die deutsche Wissenschafterin Saskia Seidel bei der heutigen VCÖ-Fachveranstaltung fest, die online durchgeführt wurde. Das zeigen auch Positiv-Beispiele aus Österreich. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen in Österreich, um den Anteil von Elektro-Transportern und Cargo-Bikes im städtischen Güter- und Lieferverkehr zu erhöhen.

In Österreich waren im Vorjahr rund 14 Prozent der neuzugelassenen Klein-Lkw Elektro-Transporter. Im Europa-Ranking ist Österreich Neunter, aber von der Spitze noch sehr weit entfernt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. In den Niederlanden waren im Vorjahr 80 Prozent der neuen Klein-Lkw Elektro-Transporter, in Norwegen rund 45 Prozent, in Dänemark 31 Prozent sowie in Malta und Island rund 28 Prozent. Elektro-Transporter verursachen beim Fahren keine Abgase und tragen damit zur Verbesserung der Luftqualität bei. Zudem sind sie leiser und stoßen kein CO2 aus. „Die Abschaffung der Normverbrauchsabgabe für Diesel-Klein-Lkw per 1. Juli des Vorjahres war für das Ziel eines höheren Elektro-Transporter-Anteils kontraproduktiv“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest.

Der hohe Anteil der Elektro-Transporter ist die Folge der im Vorjahr in zahlreichen großen Städten eingeführten Null-Emissionszonen, berichtete Florian Lipowski von der Stadt Amsterdam bei der heutigen VCÖ-Fachveranstaltung fest. Mit den Null-Emissionszonen möchte man die Schadstoff-Emissionen des Verkehrs deutlich reduzieren und damit die Luftqualität verbessern. In Amsterdam machten davor Güterfahrzeuge zehn Prozent des Verkehrsaufkommens aus, verursachten aber 40 Prozent der Stickoxid-Emissionen des Kfz-Verkehrs.

Die Wissenschafterin Saskia Seidel vom DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) verdeutlichte in ihrem Vortrag das große Potenzial von Zero-Emission-Logistik und betonte: „Zero-Emission-Logistik ist kein Zukunftsthema, sondern bereits heute in vielen Branchen umsetzbar.“ Mit Elektro-Transportern können Abgase und Lärm reduziert werden, mit Cargo-Bikes zusätzlich der Platzverbrauch.

Zero-Emission-Logistik bewährt sich auch in Österreich bereits in der Praxis. In Wien führt die Wirtschaftskammer seit dem Jahr 2024 ein Pilotprojekt durch, bei dem mittlerweile bereits 44 Unternehmen mit 357 Fahrzeugen teilnehmen, berichtete Andrea Faast von der Wirtschaftskammer Wien. Allein zwischen Juli 2024 und Juli 2025 wurden damit rund 1,9 Millionen Kilometer zurückgelegt und im Vergleich zu Dieselfahrzeugen 756.000 Kilogramm CO2 und 415 Kilogramm Stickoxide vermieden.

Der Samariterbund Wien setzt bereits seit dem Jahr 2016 Transporträder für die Zustellung von Essen auf Rädern ein. Mittlerweile sind es bereits 20 Elektro-Transporträder, die im Vorjahr jeweils rund 6.500 Kilometer gefahren wurden. Insgesamt vermeidet die E-Transportrad-Flotte des Samariterbunds im Vergleich zu Verbrenner-Pkw fast 20.000 Kilogramm CO2 pro Jahr. Zudem stehen die Transporträder viel weniger im Stau und finden leichter einen Parkplatz. Zusätzlich setzt der Samariterbund fünf E-Pkw für die tägliche Zustellung sowie elf elektrische Kühlfahrzeuge für die Zustellung der Wochenpakete ein. Durch den verstärkten Einsatz von Transporträdern und Elektro-Transportern konnten die Treibstoffkosten im Jahr 2025 um 14.000 Euro gegenüber dem Jahr 2024 reduziert werden, die allgemeinen Fahrzeugkosten für Essen auf Rädern konnten um 46.000 Euro gesenkt werden, berichtete Michael Berger vom Samariterbund bei der VCÖ-Fachveranstaltung.  

Positive Erfahrungen mit Elektro-Lkw macht seit dem Jahr 2023 auch Transgourmet Österreich, sowohl im Sommer als auch im Winter. Mittlerweile sind 26 Kühl-Elektro-Lkw mit einer Reichweite von rund 200 Kilometern im Einsatz. Logistikleiter Alexander Khalil brachte es auf den Punkt: „Emissionsfreie Zulieferung in Städten funktioniert.“ Das zeigen auch die Erfahrungen der Österreichischen Post: „Für die Post ist Zero-Emission Logistik seit Jahren erklärtes Ziel. In den Großstädten sind wir diesem Ziel auf der letzten Meile auch schon sehr nahe“, erklärte der Leiter des Konzern-Fuhrparks Felix Slavik.

Judith Wittrich von der Arbeiterkammer Wien betonte: „Negative Auswirkungen von Lieferverkehr sind zu reduzieren, indem unter anderem schnell auf emissionsfreie Fahrzeuge umgestellt wird. Auch Botendienste, wie Essenszulieferungen, sind unverzichtbar für einen emissionsfreien Wirtschaftsverkehr in der Stadt. Derzeit sind aber die Arbeitsverhältnisse in dieser Branche vielfach prekär.“

Der VCÖ fordert verstärkte Anreize in Österreich, damit mehr Unternehmen dort, wo es möglich ist, Elektro-Lkw und Cargo-Bikes im Lieferverkehr einsetzen.

VCÖ: Bei Elektro-Klein-Lkw hat Österreich noch großen Aufholbedarf
(Anteil Elektro-Transporter an neuzugelassenen Klein-Lkw im Jahr 2025)

Niederlande: 80,1 Prozent
Norwegen: 44,8 Prozent
Dänemark: 30,9 Prozent
Malta: 27,9 Prozent
Island: 27,7 Prozent
Schweden: 23,7 Prozent
Finnland: 15,3 Prozent
Schweiz: 15,3 Prozent
Österreich: 13,7 Prozent
Portugal: 11,0 Prozent
Griechenland: 10,8 Prozent
Rumänien: 9,8 Prozent
Frankreich: 9,6 Prozent
Deutschland: 9,1 Prozent
Großbritannien: 8,9 Prozent
Luxemburg: 8,3 Prozent
Slowakei: 7,1 Prozent
Ungarn: 6,4 Prozent
Tschechien: 6,4 Prozent
Irland: 6,2 Prozent
Litauen: 5,7 Prozent
Belgien: 5,4 Prozent
Zypern: 5,2 Prozent
Italien: 4,4 Prozent
Lettland: 4,3 Prozent
Spanien: 4,2 Prozent
Estland: 3,7 Prozent
Polen: 3,2 Prozent
Bulgarien: 2,8 Prozent
Slowenien: 2,4 Prozent
Kroatien: 1,8 Prozent

Quelle: EAFO, VCÖ 2026

Zurück zur Übersicht

VCÖ: In allen Bundesländern ist CO2-Ausstoß des Verkehrs seit 1990 stark gestiegen

VCÖ (Wien, 5. Juni 2023) – Der Verkehr ist Österreichs größtes Klimaschutz-Problem, erinnert der VCÖ anlässlich des heutigen Weltumwelttags. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in allen Bundesländern der CO2-Ausstoß des Verkehrs seit dem Jahr 1990 stark gestiegen ist. Damit wurden Einsparungen anderer Sektoren wieder zunichtegemacht. Zudem ist der Verkehr in allen Bundesländern der größte Verursacher von Stickoxid-Emissionen und Straßen, Parkplätze & Co haben einen sehr großen Anteil am Flächenverbrauch. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um die Umweltbilanz von Mobilität und Gütertransport zu verbessern.

 

Mehr dazu
Foto: Bernhard Mittelbach

Ladekorridore für E-Lkw im hochrangigen Straßennetz

Entlang der europäischen Autobahnen und Schnellstraßen entsteht ein Netz von Schnellladestationen für E-Lkw. Spätestens im Jahr 2030 sollen Lkw im hochrangigen Straßennetz der EU mindestens alle 60 Kilometer eine Möglichkeit zum Schnellladen vorfinden. Ein erster sogenannter Ladekorridor für schwere Lkw ist in Deutschland zwischen Dortmund und dem rund 300 Kilometer entfernten Schwegenheim inzwischen in Betrieb. An derzeit sechs Autohöfen des deutschen Mineralölkonzerns Aral können Lkw an einer 300 Watt-Ladesäule laden. Während einer der gesetzlich vorgeschriebenen 45-minütigen Pausen für die Lenker und Lenkerinnen ist so eine Zwischenladung für weitere 200 Kilometer möglich. Noch im Laufe des Jahres 2023 wird der Ladekorridor mit zwei weiteren Standorten verdichtet.

Mehr dazu