VCÖ: Beim Radverkehr in Österreich gibt es ein West-Ost Gefälle

VCÖ: Mehr Rad-Infrastruktur sowohl in Städten als auch Regionen nötig

VCÖ (Wien, am 2. Juni 2024) – In Westösterreich wird das Fahrrad von der Bevölkerung deutlich häufiger als Verkehrsmittel genutzt als in Ostösterreich, der Radverkehrsanteil an der Mobilität ist entsprechend höher, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse anlässlich des bevorstehenden Welttag des Fahrrads zeigt. Das „gelbe Trikot“ tragen die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger. Die meisten Fahrrad-Haushalte gibt es im Land Salzburg. Und Innsbrucks Bevölkerung nutzt häufiger das Fahrrad als Verkehrsmittel als das Auto. Das Potenzial für mehr Radverkehr ist in Österreich sehr groß, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ: Die Hälfte der Alltagswege ist kürzer als fünf Kilometer. Drei von vier Haushalten haben zumindest ein funktionstüchtiges Fahrrad.

„Österreich ist auch ein Fahrradland“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky anlässlich des bevorstehenden Welttag des Fahrrads am 3. Juni fest. Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden in Österreich insgesamt 2,35 Millionen neue Fahrräder gekauft und damit fast doppelt so viele wie Pkw mit 1,27 Millionen.

Am häufigsten nutzt Vorarlbergs Bevölkerung das Fahrrad als Verkehrsmittel, weist der VCÖ auf Daten der Statistik Austria hin: 49 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger ab 16 Jahren sind mehrmals die Woche oder sogar täglich mit dem Fahrrad mobil. Mit Tirol (41 Prozent) und Salzburg (40 Prozent) folgen zwei weitere westliche Bundesländer am Podest.  Österreichweit sind es 31 Prozent, in Wien 22 Prozent. „Diese Erhebung wurde im Jahr 2019 vor der Covid-19 Pandemie gemacht. Seit der Pandemie wird in Österreich mehr mit dem Fahrrad gefahren“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest.

Das zeigt sich auch am Anteil des Fahrrads an der Mobilität: In Wien ist der Radverkehrsanteil von sieben Prozent im Jahr 2019 auf zehn Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Das heißt, zehn Prozent ihrer Alltagswege legt die Bevölkerung mit dem Fahrrad zurück. Im Land Salzburg stieg der Radverkehrsanteil von elf Prozent im Jahr 2012 auf 13 Prozent im Jahr 2022, in Tirol von elf Prozent im Jahr 2011 auf 14 Prozent im Jahr 2022 und beispielsweise in Graz von 19 Prozent im Jahr 2018 und 20 Prozent im Jahr 2021, informiert der VCÖ.

Das Potenzial für mehr Radverkehr ist in Österreich sehr groß. Jeder dritte Alltagsweg in Österreich ist kürzer als zweieinhalb Kilometer, jeder zweite Alltagsweg kürzer als fünf Kilometer.

„Voraussetzung für die verstärkte Verlagerung von Autofahrten auf das Fahrrad ist eine gute und sichere Rad-Infrastruktur sowohl in den Städten und besonders auch in den Regionen“, betont VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky. In Gemeinden und Städten können für die Bevölkerung die Bedingungen zum Radfahren durch Verkehrsberuhigung und mehr Tempo 30 statt 50 verbessert werden. Wichtig ist, dass Radwege nicht an der Gemeindegrenze enden. In den Ballungsräumen bringen direkte und möglichst kreuzungsfreie Radwege, sogenannte Radschnellwege, zwischen Umland und Stadt eine wichtige Entlastung im Pendelverkehr. Entlang von Freilandstraßen sind baulich getrennte, sichere Radwege wichtig. Diese können auch kostengünstig entstehen, wie das Beispiel der B83 in Kärnten zeigt: Hier wurde aus einer überbreiten Freilandstraße ein Grünstreifen herausgefräst wurde und rechts daneben ein Radweg entstand. Neben der Rad-Infrastruktur sind zudem ausreichend Fahrradabstellplätze, insbesondere an stark frequentierten Orten wie beispielsweise Einkaufsstraßen, Freizeiteinrichtungen, Sportanlagen, Freibäder und Bahnhöfen.

Der VCÖ hat anlässlich des Weltfahrradtags Daten und Fakten rund um das Radfahren in Österreich zusammengestellt:

Würde österreichweit so viel Rad gefahren werden wie in Vorarlberg, könnte durch die Verlagerung von Autofahrten auf das Fahrrad der jährliche CO2-Ausstoß um rund 500.000 Tonnen reduziert werden.

In Innsbruck legt die Bevölkerung mit 29 Prozent mehr Alltagswege mit dem Fahrrad zurück als mit dem Auto, das in Summe auf 27 Prozent kommt (22 Prozent lenkend plus fünf Prozent mitfahrend).

In der Stadt Salzburg wird das Fahrrad mit 37 Prozent von der Bevölkerung häufiger für den Arbeitsweg genutzt als das Auto mit 35 Prozent.

In der Generation der 60- bis 69-Jährigen ist der Anteil jener, die das Fahrrad täglich oder mehrmals die Woche als Verkehrsmittel nutzen, mit 38 Prozent am höchsten, vor den 40- bis 49-Jährigen mit 35 Prozent.

Der Radverkehr schafft in Österreich laut Studie von TU Wien und Universität für Bodenkultur direkt rund 30.100 Arbeitsplätze, weitere 8.800 indirekt und 7.200 induziert. Die direkte Wertschöpfung beträgt 1,76 Milliarden Euro, dazu kommen 1,1 Milliarden Euro an indirekter und induzierter Wertschöpfung.

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Foto: Sarah Duit