VCÖ: Dieselverbrauch in Österreich ist sehr hoch, aber seit 2019 um ein Viertel gesunken

VCÖ fordert rasches Maßnahmenpaket zur Reduktion des Spritverbrauchs

Grafik: Zapfhahn auf weißen Hintergrund, aus welchem ein Tropfen Treibstoff tropft

VCÖ (Wien, am 20. April 2026) - Im Vorjahr wurden in Österreich rund 6,2 Milliarden Liter Diesel getankt und damit fast dreimal so viel wie Benzin. Gegenüber dem Höchststand im Jahr 2019 nahm die in Österreich getankte Menge an Dieseltreibstoff aber immerhin um 26 Prozent ab, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Der Dieselverbrauch der privaten Haushalte erreichte im Jahr 2012 mit 2,3 Milliarden Liter seinen Höhepunkt, seither wurde ein Rückgang des Jahresverbrauchs um zuletzt rund 550 Millionen Liter erreicht. Bereits für Mai erwartet die Bundesregierung Lieferengpässe bei Diesel. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert daher die rasche Umsetzung eines Maßnahmenpaket zur Reduktion des Dieselverbrauchs von Lkw und Pkw in Österreich.

In Österreich wird fast dreimal so viel Diesel verbraucht wie Benzin. Aufgrund des Irankriegs sinkt das Angebot an Diesel, die Nachfrage ist aber weiter hoch, was den Preis in die Höhe treibt. "Angesichts der bereits absehbaren Lieferengpässe ab Mai ist ein Maßnahmenpaket zur Reduktion des Spritverbrauchs das politische Gebot der Stunde. Die Lage ist ernst. Es braucht sowohl Sofortmaßnahmen als auch Maßnahmen, die den Verkehr nachhaltig aus der Erdölfalle befreien", stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Wirksamer als die Spritpreisbremse ist eine Spritverbrauchsbremse. Nach wie vor fehlt in Österreich eine Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahren und das Bilden von Fahrgemeinschaften, es fehlen Anreize zum Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr und das Fahrrad, es fehlen niedrigere Tempolimits, es fehlen Initiativen für verstärktes Mobilitätsmanagement von Betrieben, es fehlt eine Offensive für mehr Bahn- und Busverbindungen und für den Ausbau des Radwegenetzes sowie für einen höheren Anteil an Elektroautos .

Immerhin ist die Menge an Diesel, die in Österreich getankt wird, in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Noch im Jahr 2019 flossen in Österreich fast 8,4 Milliarden Liter Diesel in die Tanks von Lkw, Pkw und anderen Kfz. Im Vorjahr waren es rund 6,2 Milliarden Liter und damit um 2,2 Milliarden Liter weniger. Zurückzuführen ist der Rückgang auf weniger Tanktourismus von Lkw und auf einen Verbrauchsrückgang bei den Pkw.

Der Dieselverbrauch der privaten Haushalte ist gesunken. Den Höchststand gab es laut Statistik Austria im Zeitraum 2011/2012, als der jährliche Dieselverbrauch der Pkw von Österreichs Haushalten 2,3 Milliarden Liter betrug. Zuletzt waren es mit jährlich 1,75 Milliarden Liter um rund 550 Millionen Liter weniger. "Bei aktuellen Spritpreisen bedeutet das eine Ersparnis von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr", verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Neben den privaten Pkw tragen die betrieblich genutzten Autos sowie die Dienstwagen zum Dieselverbrauch der Autos bei. In den vergangenen drei Jahren wurden 80 Prozent der neuen Diesel-Pkw auf Firmen oder andere juristische Personen zugelassen. Hier braucht es dringend Änderungen bei der Firmenwagenbesteuerung und Anreize für Unternehmen, rascher auf E-Pkw umzusteigen.

Wichtig sind auch Maßnahmen im Güterverkehr.  Rund 40 Prozent des Diesels tanken Lkw und Klein-Lkw. Als Sofortmaßnahme ist die Einhaltung des Tempolimits auf Autobahnen stärker zu kontrollieren und die bestehende Toleranzgrenze auf Schweizer Niveau zu senken. Das Tempolimit für Lkw beträgt 80 km/h, Untersuchungen der Arbeiterkammer zeigen, dass mehr als 90 Prozent der Lkw schneller fahren. Darüber hinaus sind die Potenziale zur Vermeidung von Lkw-Transporten besser zu nutzen, in der Baubranche etwa durch mehr Kreislaufwirtschaft.

Dass in Österreich der Verbrauch von Diesel deutlich höher ist als von Benzin, war übrigens nicht immer so: Noch im Jahr 1990 wurde mehr Benzin als Diesel getankt. Seither hat der Dieselverbrauch stark zugenommen. Das liegt an mehr Lkw-Verkehr und noch stärker am von Herstellern entfachten Dieselboom von Anfang der 1990er Jahre bis Mitte der 2010er Jahre, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Im Jahr 1990 gab es in Österreich nur 409.000 Diesel-Pkw, im Jahr 2000 waren es mit 1,5 Millionen bereits mehr als dreimal so viele, im Jahr 2010 mit 2,4 Millionen sechsmal so viele und im Jahr 2018 mit 2,78 Millionen rund siebenmal so viele. Seither ist die Zahl der Diesel-Pkw um rund 390.000 auf 2,39 Millionen gesunken. Der Anteil der Diesel-Pkw bei Neuzulassungen sank vom Höchstwert von 71 Prozent im Jahr 2003 auf zuletzt neun Prozent im März 2026.

"Mit dem Dieselboom brachten die Hersteller zudem immer mehr größere, schwerere und übermotorisierte Modelle auf den Markt. Wäre das bereits in den 1990er Jahren versprochene 3-Liter-Auto heute der Standard, wären die Spritkosten nur halb so hoch. Der SUV-Boom kommt uns heute sehr teuer", verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

VCÖ: Dieselverbrauch in Österreich seit dem Jahr 2019 stark gesunken
(Entwicklung in Österreich getankter Diesel)

2025: 6,16 Milliarden Liter (seit 2019: minus 2,23 Milliarden Liter, minus 26,6 Prozent)
2024: 6,65 Milliarden Liter
2023: 6,93 Milliarden Liter
2022: 7,28 Milliarden Liter
2021: 7,73 Milliarden Liter
2020: 7,43 Milliarden Liter
2019: 8,39 Milliarden Liter
2018: 8,32 Milliarden Liter
2017: 8,26 Milliarden Liter
2016: 8,03 Milliarden Liter
2015: 7,71 Milliarden Liter
2014: 7,55 Milliarden Liter
2013: 7,67 Milliarden Liter
2012: 7,25 Milliarden Liter
2011: 7,22 Milliarden Liter
2010: 7,41 Milliarden Liter

Quelle: FVMI, VCÖ 2026

VCÖ: Österreichs Haushalte haben ihren Dieselverbrauch deutlich reduziert
(Jährlicher Dieselverbrauch der Autos von Österreichs Haushalten)

2024 / 2023: 1,75 Milliarden Liter
2021 / 2022: 1,86 Milliarden Liter
2019 / 2020: 2,00 Milliarden Liter
2017 / 2018: 1,99 Milliarden Liter
2015 / 2016: 1,92 Milliarden Liter
2013 / 2014: 2,03 Milliarden Liter
2011 / 2012: 2,31 Milliarden Liter
2009 / 2010: 2,17 Milliarden Liter
2007 / 2008: 2,11 Milliarden Liter
2005 / 2006: 2,14 Milliarden Liter

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026

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