VCÖ: Erstmals mehr als 200.000 Elektroautos in Österreich

VCÖ: In Dänemark war im Vorjahr E-Pkw-Anteil bei Neuwagen dreimal so hoch wie in Österreich

VCÖ (Wien, 14. Jänner 2025) – In Österreich gibt es erstmals mehr als 200.000 Elektroautos, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Die 100.000er Grenze wurde im September 2022 überschritten. Im Vergleich zu Benzin- und Diesel-Pkw benötigen Elektroautos im Schnitt um zwei Drittel weniger Energie, verursachen beim Fahren keine Abgase und haben eine deutlich bessere Gesamt-CO2-Bilanz. Zudem machen E-Pkw Österreich unabhängiger von teuren Erdöl-Importen. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, damit Österreich den Anschluss an das europäische Spitzenfeld bei Elektroautos nicht verliert.



Im Jahr 2012 gab es in Österreich erstmals mehr als 1.000 Elektroautos. Es dauerte zehn Jahre bis zum September 2022, um die 100.000er Grenze zu überschreiten, informiert der VCÖ. Für die zweiten 100.000 Elektroautos brauchte es weniger als zweieinhalb Jahre. Laut Statistik Austria gab es mit 31.12. 2024 genau 200.603 E-Pkw in Österreich. Der Anteil der E-Pkw am gesamten Pkw-Bestand ist zwar noch niedrig, hat sich aber in den vergangenen zwei Jahren auf fast vier Prozent verdoppelt.

„Mit steigendem Anteil an Elektroautos sinkt der Energieverbrauch des Verkehrs. Im Schnitt benötigen Elektroautos um rund zwei Drittel weniger Energie beim Fahren als Benzin- und Diesel-Pkw“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Während Elektroautos laut Umweltbundesamt 100 Kilometer im Schnitt mit 21 Kilowattstunden bewältigen, benötigen Benzin-Pkw und Diesel-Pkw dafür im Schnitt mit umgerechnet 64 beziehungsweise 67 Kilowattstunden dreimal so viel Energie. Zudem reduziert der steigende Anteil von Elektroautos Österreichs Abhängigkeit von teuren Erdöl-Importen. „Immer mehr Haushalte und Unternehmen erzeugen sich mit einer Photovoltaikanlage am Dach den Strom fürs Autofahren selber. In Zukunft könnten Elektroautos zudem als Zwischenspeicher für die Stabilität des Stromnetzes eine wichtige Rolle spielen“, erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Auch bei E-Pkw nimmt der Energiebedarf mit der Größe zu. Der VCÖ warnt davor, Fehler, die bei  Diesel-Pkw gemacht wurden, bei den Elektro-Autos zu wiederholen. Werden vermehrt übergewichtige und übermotorisierte Modelle auf den Markt gebracht werden, verschlechtert das die Energie- und Umweltbilanz der Elektro-Autos. Der VCÖ erinnert daran, dass im Schnitt in 100 Pkw nur 114 Personen sitzen, bei neun von zehn Autofahrten sitzt nur die lenkende Person im Auto. Auf EU-Ebene sind Anreize für die Herstellung sparsamer und kleinerer Modelle wichtig. Europas Vorreiter bei der E-Automobilität, Norwegen, besteuert E-Pkw nach Gewicht.

In Norwegen waren im Vorjahr bereits 89 Prozent der Neuwagen Elektroautos, im Jahr 2025 soll kein Neuwagen mehr mit Benzin- oder Diesel-Pkw auf die Straßen kommen. Norwegen erreicht damit zehn Jahre vor der EU den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. Österreich hatte im Vorjahr mit 17,6 Prozent einen höheren E-Pkw-Anteil bei Neuwagen als Norwegen mit rund 16 Prozent im Jahr 2016. Acht Jahre später erreichte Norwegen bereits einen E-Pkw-Anteil von 89 Prozent. „Österreich kann diesen Anteil bei entsprechendem politischen Willen sogar schneller erreichen. Denn heute und in den kommenden Jahren gibt es deutlich mehr E-Automodelle als Norwegen beim Hochfahren der E-Automobilität zur Verfügung hatte“, macht VCÖ-Experte Michael Schwendinger aufmerksam. Sinkt der Anteil von Benzin- und Diesel-Pkw, dann sinkt auch der CO2-Ausstoß des Autoverkehrs, Österreich kommt seinen Klimazielen näher.

In der Europäischen Union ist Dänemark E-Pkw-Spitzenreiter. Im Vorjahr waren in Dänemark bereits 51 Prozent der Neuzulassungen Elektroautos, informiert der VCÖ. Dänemark schafft Anreize für Elektroautos indem so wie auch in Norwegen die Zulassungssteuer für Benzin- und Diesel-Pkw hoch ist, insbesondere für Pkw mit hohem Spritverbrauch. Und die Spritpreise sind höher, ein Liter Eurosuper kostet um rund 40 Cent mehr als in Österreich. Für das Jahr 2025 rechnet Dänemark mit einem E-Pkw Anteil von 70 Prozent.

Weiterer Vorteil von Elektro-Pkw: Sie blasen beim Fahren keine Abgase in die Luft. Benzin-Pkw hingegen verursachen laut Umweltbundesamt pro 100 Kilometer im Schnitt 0,2 Gramm Feinstaubpartikel und neun Gramm Stickoxide, Diesel-Pkw sogar 0,8 Gramm Feinstaubpartikel und 69 Gramm Stickoxide. „Diesel-Pkw emittieren vier Mal so viele Feinstaubpartikel und sieben Mal so viele Stickoxide wie Benzin-Pkw. Umso unverständlicher ist, dass die Mineralölsteuer auf Diesel niedriger ist als auf Benzin“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Ein Ende der Steuerbegünstigung auf Diesel-Treibstoff würde auch einen Beitrag zur Budgetsanierung leisten.  


VCÖ: Erstmals mehr als 200.000 Elektroautos im Österreich
(Anzahl in Österreich gemeldete batterieelektrische Pkw)

31.12.2024: 200.603 E-Pkw

31.12.2023: 155.490 E-Pkw

31.12.2022: 110.225 E-Pkw

30.9. 2022: 100.829 E-Pkw

31.12.2021: 76.539 E-Pkw

31.12.2020: 44.507 E-Pkw

31.12.2019: 29.523 E-Pkw

31.12.2018: 20.831 E-Pkw

31.12.2017: 14.618 E-Pkw

31.12. 2016: 9.073

31.12. 2015: 5.032

31.12. 2014: 3.386

31.12. 2013: 2.070

31.12. 2012: 1.389

31.12. 2011: 989

31.12. 2010: 353

31.12. 2009: 223

31.12. 2008: 146

31.12. 2007: 131

31.12. 2006: 127

31.12. 2005: 127

31.12. 2000: 156

31.12. 1995: 137

31.12. 1990: 30

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2025

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Die Chance ergreifen

Die Entwicklung geht klar in Richtung emissionsfreier Antriebe. Steigende Reichweiten sprechen dafür, dass sich beim Pkw der batterie-elektrische Antrieb mittelfristig durchsetzen wird. Synthetische Treibstoffe, mit denen Verbrennungsmotoren CO2-neutral betrieben werden könnten, sind für den Masseneinsatz absolute Zukunftsmusik. Unter den etablierten Autoherstellern gab Volvo als Teil eines chinesischen Konzerns als erster bekannt, vollständig auf Elektro-Antriebe umzustellen. Auch Volkswagen ziele „auf den Punkt, an dem sich jeder fragen muss, warum er einen Verbrenner haben will. Denn wir glauben nicht, dass es eine Alternative zur E-Mobilität gibt“, wird ein Vorstandsmitglied von Volkswagen zitiert. Die Pkw-Neuwagenflotte von Mercedes soll bis zum Jahr 2039 CO2-neutral werden. Entwicklungskapazitäten werden aktuell von Motoren und Getrieben hin zu Batterietechnologie und Leistungselektronik verschoben. Das bedeutet einschneidende Veränderungen, auch für Beschäftigte der Automobilbranche. Doch die Entwicklung lässt sich auf Dauer nicht aufhalten und nur Unternehmen, die sich rechtzeitig umstellen, werden auch in Zukunft noch Arbeitsplätze bieten können. Viele Autozulieferer diversifizieren bereits ihre Produktpalette in Richtung Elektro- Antriebe oder anderer Sektoren, etwa der Autozulieferer Miba, der Bremsen für Windkraftanlagen herstellt. Für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte werden Tausende Fachkräfte für Aufbau und Wartung der E-Ladeinfrastruktur gebraucht werden. Geld, das bisher in den Import von Erdöl geflossen ist, kann künftig verstärkt im Inland ausgegeben werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Mobilitätswende unterm Strich für ein Plus an Beschäftigung sorgen wird.

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Energiewende im Verkehr – erneuerbar und elektrisch

Der Verkehr in Österreich ist nach wie vor von importiertem Erdöl abhängig. Und der Energiebedarf ist in den vergangenen Jahren statt zu sinken weiter gestiegen. In der VCÖ-Publikation „Energiewende im Verkehr – erneuerbar und elektrisch“ wird anhand von zahlreichen Daten sowie nationalen und internationalen Good Practice-Beispielen gezeigt, welche Entwicklungen und Rahmenbedingungen es braucht, um eine Energiewende im Verkehr zu erreichen.

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