VCÖ-Fachveranstaltung: Arbeitswege für die Gesundheitsförderung nutzen

VCÖ: Unternehmen und Beschäftigte profitieren durch Mobilitätsmanagement

Foto: Julius Blum GmbH

VCÖ (Wien, 3. September 2026) – Arbeitswege sind der häufigste Mobilitätsgrund an Werktagen und eine stark unterschätzte Gesundheitsressource. Sie sind eine große Chance, dass Beschäftigte regelmäßig zu gesunder Bewegung kommen, wurde bei der heutigen VCÖ-Online-Fachkonferenz festgestellt. Dass Unternehmen mit Mobilitätsmanagement das Mobilitätsverhalten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hin zu mehr aktiver Mobilität zu Fuß oder mit dem Fahrrad verändern können, zeigen erfolgreiche Beispiele. Einige davon wurden bei der Fachkonferenz vorgestellt. Der VCÖ fordert bessere politische Rahmenbedingungen, damit Unternehmen Mobilitätsmanagement als Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung umsetzen.

Mehr als die Hälfte der von Österreichs Bevölkerung an Werktagen gefahrenen Autokilometer betreffen Arbeits- oder Dienstwege. „In Summe sind knapp mehr als die Hälfte der Arbeitswege kürzer als zehn Kilometer. Das ist für viele eine gut mit dem Fahrrad oder Elektrofahrrad bewältigbare Distanz, wenn es eine gute Radinfrastruktur gibt und verkehrsberuhigte Straßen“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Rund 1,7 Millionen Erwerbstätige arbeiten laut Statistik Austria innerhalb ihrer Gemeinden. Von den 2,4 Millionen Pendlerinnen und Pendlern sind 0,82 Millionen in einer anderen Gemeinde des gleichen Bezirks tätig. Davon haben vier von zehn einen Arbeitsweg von weniger als zehn Kilometer und zwei Drittel von weniger als 15 Kilometer. 0,97 Millionen arbeiten in einem anderen Bezirk des gleichen Bundeslands. In dieser Gruppe hat immerhin jeder zehnte einen Arbeitsweg von weniger als zehn Kilometer und jeder vierte von weniger als 15 Kilometer.

Die Kosten der krankheitsbedingten Fehlzeiten belaufen sich in Österreich auf bis zu 15,5 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Drittel der Krankenstandstage betreffen Erkrankungen, bei denen Bewegung ein Einflussfaktor ist, wie beispielsweise Kreuz- und Lendenschmerzen oder Herz-Kreislauferkrankungen.

Bewegungsmangel ist in Österreich ein zunehmendes Problem, verdeutlicht Brendon Stubbs, Professor an der Medizinischen Universität Wien. Bewegungsmangel erhöht das Risiko etwa für Herz-Kreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes und auch Krebs. Andererseits stärkt Bewegung, etwa indem man zu Fuß oder mit dem Fahrrad mobil ist, sowohl die Muskulatur als auch die mentale Gesundheit. „Aktive Mobilität ist ein äußerst wirksames Mittel, um die physische und psychische Gesundheit sowie das alternde Gehirn ein Leben lang zu schützen“, verdeutlicht Brendon Stubbs.

„Der Arbeitsweg findet ohnedies statt. Bei 220 Arbeitstagen im Jahr sind das hin und retour mehr als 400 Wege. Das ist eine große Chance, regelmäßig auf eine gesunde Portion Bewegung zu kommen. Etwa indem ein Teil zum Bahnhof oder zur Haltestelle zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt wird oder bei kürzeren Arbeitswegen die gesamte Strecke mit dem Fahrrad oder Elektrofahrrad gefahren wird“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Wer mit Bahn oder Bus pendelt, hat im Vergleich zum Pendeln mit dem Auto zusätzliche gesunde Gehminuten.

Betriebliches Mobilitätsmanagement rechnet sich auch betriebswirtschaftlich. Das Energieinstitut Vorarlberg hat berechnet, dass sich ein Unternehmen im Schnitt jährlich rund 870 Euro pro Mitarbeiter beziehungsweise Mitarbeiterin sparen kann, der oder die vom Auto aufs Fahrrad oder bei längeren Strecken den Öffentlichen Verkehr umsteigt, etwa durch niedrigere Parkplatzkosten und weniger Krankenstandstage. Auch für die Beschäftigten zahlt sich der Umstieg aus. Wer aufs Fahrrad umsteigt, spart im Schnitt rund 900 Euro pro Jahr.

Unternehmen können bereits durch ihre Standortwahl wesentlich dazu beitragen, dass Beschäftigte vor allem mit dem Öffentlichen Verkehr oder dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Im Rahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements kann das Unternehmen den Beschäftigten steuerbegünstigt ein Leasingrad oder ein Öffi-Jobticket zur Verfügung stellen. Ausreichend Radabstellplätze in der Nähe des Eingangs, Duschen und Bewusstseinskampagnen sind ebenfalls sehr wirksam. Wichtig ist, Mobilität und betriebliche Gesundheitsförderung zusammen zu denken.

„Mobilitätsmanagement rechnet sich auch betriebswirtschaftlich. Gerade das Radfahren ist auch eine Form von betrieblicher Gesundheitsförderung“, stellte Wolfgang Voglauer, der Geschäftsführer des Ziviltechnikbüros IKW ZT aus Amstetten fest. 29 der 50 Beschäftigten haben ein Klimaticket als Öffi-Jobticket, 19 ein Leasingrad. Für Dienstfahrten stehen auch vier Elektrofahrräder und zwei herkömmliche Fahrräder zur Verfügung. IKW ZT zeigt vor, dass auch KMU erfolgreiches Mobilitätsmanagement betreiben und die Gesundheit ihrer Belegschaft aktiv fördern können.

Der Grazer Leuchten- und Lichtsystem-Hersteller XAL sieht Mobilitätsmanagement als Teil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge und setzt bewusst Maßnahmen, damit mehr Beschäftigte mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, informierte Enny Vöge von XAL. Der Anteil der Radfahrenden konnte von 30 auf 38 Prozent erhöht werden. Auch die Universität für Bodenkultur verbindet betriebliche Gesundheitsvorsorge und Mobilitätsmanagement im Rahmen des Projekts Mobility4Health und fördert das Radfahren zur Arbeit, berichtete Projektleiterin Sandra Wegener.

Ein umfassendes Projekt hat die Paris Lodron Universität Salzburg durchgeführt, das von Petra Stutz vorgestellt wurde: „Unsere GISMO-Studie zeigt, wer aktiv zur Arbeit pendelt, profitiert nachweislich mit messbaren positiven Effekten auf Fitness und Lebensqualität. Betriebe, die aktive Mobilität gezielt fördern, investieren damit direkt in die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Ein wirksamer Hebel für mehr Radverkehr ist das steuerbegünstigte Dienstradleasing, dessen Wirkung durch begleitende Maßnahmen erhöht werden kann, wie Andreas Rath von Bikeleasing Österreich am Beispiel des Technoparks Raaba in der Steiermark darstellte.

Jette Schütz vom Mobilitätsministerium stellte in der abschließenden Diskussion fest: „Wenn Arbeitswege zu Fuß, mit dem Rad oder in Kombination mit dem Öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden, lässt sich regelmäßige Bewegung einfach in den Alltag integrieren. Das klimaaktiv-mobil-Programm unterstützt Betriebe mit Beratung und Informationen zur Umsetzung konkreter Mobilitätsmaßnahmen.“

Webtipp: Vorträge zum Nachsehen gibt es hier

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