VCÖ-Fachveranstaltung: Umweltbilanz des Flugverkehrs kann deutlich verbessert werden

Neben vermeiden und verlagern können Anpassungen bei Flugroute und rascherer Einsatz von E-Kerosin Klimaschäden reduzieren

Foto: British Airways-Flugzeug, welches über einen zugeparkten Parkplatz fliegt

VCÖ (Wien, 12. März 2026) – Wie kann die Umweltbilanz des Flugverkehrs deutlich verbessert werden, war Thema der heutigen VCÖ-Online-Fachveranstaltung. Die Vorträge zeigten, dass schon heute mehrere Maßnahmen zur Verfügung stehen, um die klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs zu reduzieren. So können Anpassungen bei Flughöhe und Flugroute sogenannte „Nicht-CO2-Effekte“ des Flugverkehrs verhindern. Ein Treiber für die massive Zunahme des Flugverkehrs sind steuerliche Begünstigungen, die zu reduzieren sind. Bei Kurzstrecken-Flügen ist das Verlagerungspotenzial auf die Bahn groß, Geschäftsflüge können zum Teil durch Videokonferenzen ersetzt werden. Künftig kann zudem durch den rascheren und stärkeren Einsatz von E-Kerosin der CO2-Ausstoß des Flugverkehrs reduziert werden.  

Kein Verkehrssektor nimmt in Europa so stark zu wie der Flugverkehr. Seit dem Jahr 1990 haben sich die CO2-Emissionen des Flugverkehrs in der EU auf über 140 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Ein Kurz- und Mittelstreckenflug bis 1.000 Kilometer verursacht laut Umweltbundesamt pro Personenkilometer rund sechsmal so viele Treibhausgas-Emissionen wie die Fahrt mit einem Reisebus und sogar 31 Mal so viel wie eine Bahnfahrt in Österreich. Ein Inlandflug ist sogar 54 Mal so klimaschädlich wie die Bahnfahrt. Im Jahr 2024 hatten 43 Prozent der Fluggäste des Flughafens Wien Schwechat eine Flugdistanz von weniger als 1.000 Kilometer. „Gerade Kurzstreckenflüge haben ein großes Potenzial, auf die Bahn verlagert zu werden. Deshalb braucht es in der EU mehr grenzüberschreitende Bahnverbindungen“, betonte VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Zudem können verstärkte Maßnahmen beim Flugverkehr seine Umweltbilanz deutlich verbessern. Ein zu wenig bekanntes Klimaproblem sind sogenannte „Nicht-CO2-Effekte“ aufgrund von Stickoxiden, Rußpartikel, Schwefeloxiden und Wasserdampf. Daraus entstehende Kondensstreifen können sich besonders in feuchten und kalten Luftschichten zu Cirrus-Wolken verfestigen und den Klimaeffekt des Flugverkehrs signifikant verstärken. Durch Anpassungen der Flugroute und Flughöhe bereits bei einem kleinen Anteil der gesamten Flüge kann dieser Effekt stark reduziert werden. In Zeiten einer Luftraum-Auslastung von weniger als 60 Prozent könnten in Europa 70 Prozent des Klimaeffekts durch Kondensstreifen vermieden werden, machte VCÖ-Experte Michael Schwendinger aufmerksam.

Ein Treiber für die massive Zunahme des Flugverkehrs sind die steuerlichen Begünstigungen, die der internationale Flugverkehr genießt. Für Europa wird eine Zunahme der Flüge um mindestens 2,2 Prozent pro Jahr erwartet, machte WIFO-Expertin Daniela Kletzan-Slamanig in ihrem Vortrag aufmerksam. Zu den steuerlichen Begünstigungen zählen die Befreiung des Flugtreibstoffs Kerosin von der Mineralölsteuer, die Befreiung internationaler Flugtickets von der Umsatzsteuer, der reduzierte Steuersatz von 13 statt 20 Prozent bei Inlandflügen sowie bis zum Jahr 2025 die Zuteilung von Gratis-Zertifikaten im EU-Emissionshandel. Allein im Jahr 2025 belief sich der Wert der Gratis-Zertifikate in Österreich auf 65 Millionen Euro. WIFO-Expertin Daniela Kletzan-Slamanig: „Den weiterhin wachsenden negativen Effekten des Flugverkehrs steht eine unzureichende Regulierung und Zurechnung der Kosten gegenüber. Eine nachhaltigere Gestaltung des Flugverkehrs erfordert neben technologischen Innovationen auch eine EU-weite Implementierung ökonomischer Anreize für die Transformation des Sektors.“

Ein weiterer wichtiger Ansatz, um den Luftverkehr klimafreundlicher zu gestalten, sind so genannte Sustainable Aviation Fuels (SAF), betonte Umweltbundesamt-Expertin Allesandra Angelini. Mit der „ReFuelEU Aviation“-Verordnung gibt es seit dem Jahr 2023 einen klaren Fahrplan für den Umstieg von fossilem Kerosin auf alternative Flugtreibstoffe. Für das Jahr 2025 waren zwei Prozent SAF vorgeschrieben, im Jahr 2030 sollen es sechs Prozent sein, E-Kerosin soll davon ein Fünftel beisteuern. Bis zum Jahr 2035 soll der SAF-Anteil auf 20 Prozent steigen, davon ein Viertel E-Kerosin und bis zum Jahr 2040 auf 34 Prozent, davon fast ein Drittel E-Kerosin. Für das Jahr 2050 wird für Österreich mit einem Bedarf von 700.000 Tonnen SAF gerechnet. Der Einsatz von Agrokraftstoffen ist auf den Flugverkehr zu fokussieren, da Elektromotoren im Unterschied zu Kfz bei Flugzeugen keine Option sind.

Gegen Maßnahmen zur Reduktion des Flugverkehrs wurde zuletzt mit seiner angeblichen ökonomischen Bedeutung argumentiert. Jedoch zeigt eine umfassende Studie für 274 europäische Regionen, dass dies lediglich bei einem Drittel der Regionen der Fall ist, die sich Großteils in Osteuropa befinden. Bei 53 Prozent der Regionen, vor allem in West- und Nordeuropa, ist nicht der Flugverkehr ein Treiber des Wirtschaftswachstums, sondern umgekehrt führt das Wirtschaftswachstum zu mehr Flugverkehr. Das trifft auch für Österreich zu, stellte Denise Auclair von Transport & Environment dar, der internationalen Dachorganisation des VCÖ: „Die Politik sollte prüfen, wie sich der wirtschaftliche Nutzen innerhalb der Klimagrenzen maximieren lässt, indem die nachhaltige Anbindung verbessert wird, ohne die Zahl der Flugreisenden zu erhöhen.“

Auch die Bedeutung des Flugverkehrs für Österreichs Tourismusbilanz wird überschätzt. 3,7 Millionen Urlaubsankünfte mit dem Flugzeug von Gästen aus dem Ausland, stehen 5,2 Millionen Flug-Urlaubsreisen von Österreichs Bevölkerung ins Ausland gegenüber. „Oft wird ausgeblendet, dass Billig-Flüge auf einen Kaufkraftabfluss für den heimischen Tourismus bedeutet“, stellte VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Der Flugverkehr ist aber nicht nur ein Treiber des Klimawandels, sondern auch von den zunehmenden Extremwetterereignissen betroffen, wie Herbert Pümpel, der unter anderem 17 Jahre lang bei der World Meteorological Organization der UNO tätig war, in seinem Vortrag bei der VCÖ-Fachveranstaltung betonte. Aufgrund des Klimawandels wird es zu mehr Turbulenzen kommen, heftigere Stürme sowie Starkregen und vermehrte Blitzeinschläge werden zur eingeschränkteren Nutzung der Start- und Landebahnen führen.

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