VCÖ: Fast jede vierte Person, die Pendlerpauschale bezieht, hat Jahreseinkommen von über 60.000 Euro

VCÖ: Vier von zehn Pendlerpauschale-Beziehern haben kurzen Arbeitsweg von unter 20 Kilometern

VCÖ: Pendlerpauschale nach ökologischen und sozialen Kriterien reformieren

Foto:  Petra Bork/pixelio.de

VCÖ (Wien, am 9. Juni 2026) – Mehr als 600 Millionen Euro kostet heuer die Pendlerpauschale und der Pendlereuro dem Budget. Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Finanzministeriums zeigt, dass zuletzt fast jede vierte Person, die Pendlerpauschale bezog, ein Jahreseinkommen von über 60.000 Euro hatte. Und vier von zehn Personen, die Pendlerpauschale erhielten, hatten einen kurzen Arbeitsweg von zwei bis 19 Kilometern, informiert der VCÖ. Während die Bundesregierung in vielen Bereichen, von Familien, Gesundheit bis zum Klimaschutz, spart und Leistungen kürzt, wurde eine dringend notwendige Reform des Pendlerpauschales erneut verabsäumt. Und das, obwohl man mit einer Reform nicht nur Geld einsparen, sondern auch die soziale und ökologische Treffsicherheit verbessern hätte können.

Als Abgeltung für die Kosten der Fahrt zur Arbeit gibt es in Österreich den Verkehrsabsetzbetrag, der 496 Euro für das Jahr 2026 beträgt. Zusätzlich gibt es für Pendlerinnen und Pendler ein großes Pendlerpauschale ab einem Arbeitsweg von zwei Kilometern oder bei guten öffentlichen Verkehrsverbindungen ein kleines Pendlerpauschale ab einem Arbeitsweg von 20 Kilometern und für alle Beziehende von Pendlerpauschale den sogenannten Pendlereuro.

Ursprünglich wurde das Pendlerpauschale in den 1970er Jahren als Unterstützung für einkommensschwache Beschäftigte mit weitem Arbeitsweg eingeführt, beispielsweise für Pendlerinnen und Pendler aus dem Waldviertel oder dem Südburgenland. Heute erhalten viele Personen ein Pendlerpauschale, obwohl sie ein hohes Einkommen und einen relativ kurzen Arbeitsweg haben, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Finanzministeriums zeigt. Der Anteil der Pendlerpauschale-Beziehenden mit einem kurzen Arbeitsweg von zwei bis 19 Kilometern war mit zuletzt 39 Prozent rund viermal so hoch wie der Anteil der Pendlerinnen und Pendler mit einem Arbeitsweg ab 60 Kilometern, informiert der VCÖ.

Auf Basis der Arbeitnehmerveranlagung zeigt sich für das Jahr 2024, dass rund 23 Prozent der Bezieherinnen und Bezieher von Pendlerpauschale ein Jahreseinkommen von über 60.000 Euro hatten. Der Wert für das Jahr 2025 ist derzeit mit 32 Prozent höher, was aber daran liegt, dass viele Beschäftigte ihre Arbeitnehmerveranlagung noch nicht gemacht haben und die Daten somit noch nicht vollständig sind.

Das Pendlerpauschale ist ein Steuerfreibetrag, der die Bemessungsgrundlage, von der die Lohnsteuer berechnet wird, reduziert. Besserverdienende ersparen sich dadurch mehr Geld als Menschen, die weniger verdienen, selbst wenn sie dieselbe Strecke pendeln. Die Folge: Wenn 23 Prozent der Bezieherinnen und Bezieher ein hohes Einkommen haben, bekommen sie ein noch größeren Anteil von der Pendlerpauschale-Förderung.

Zusätzlich zum Pendlerpauschale gibt es den Pendlereuro, der im Vorjahr verdreifacht wurde. Laut parlamentarischem Budgetdienst fließen 36 Prozent der zusätzlichen Förderung an das Fünftel mit dem höchsten Einkommen, das ist zwölfmal so viel, wie das Fünftel mit dem niedrigsten Einkommen erhält.

„Mit dem Verkehrsabsetzbetrag gibt es ohnedies eine Unterstützung für die Fahrt zur Arbeit. Gerade in einer Zeit, in der es schmerzhafte Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich, bei Universitäten und im Klimaschutz gibt, ist nicht nachvollziehbar, warum nach wie vor sehr gut Verdienende von der Pendlerförderung das größte Stück erhalten“, fordert VCÖ-Experte Michael Schwendinger eine grundlegende ökologische und soziale Reform der Pendlerförderung. Einerseits soll eine Gehaltsobergrenze für den Bezug von Pendlerförderung eingeführt werden, während Beschäftigte mit niedrigem Einkommen weiterhin unterstützt werden. Zudem braucht es stärkere Anreize zur Nutzung des Öffentlichen Verkehrs sowie von Fahrrad und E-Bike. Damit werden nicht nur Abgasbelastung und CO2-Ausstoß reduziert, sondern auch Staus und andere Verkehrsprobleme verringert.

Weiters schlägt der VCÖ vor, das kleine Pendlerpauschale durch ein Bundesland-Klimaticket beziehungsweise Regionen-Klimaticket zu ersetzen. Das kleine Pendlerpauschale bekommen jene Beschäftigte, die für ihren Arbeitsweg gute öffentliche Verkehrsverbindungen zur Verfügung haben. Im Jahr 2024 erhielten 254.000 Beschäftigte ein kleines Pendlerpauschale.

Quellen & Daten

VCÖ: Viele, die Pendlerpauschale beziehen, haben ein hohes Einkommen
(Anteil der bei Arbeitnehmerveranlagung beantragten Pendlerpauschale von Beschäftigten mit Jahreseinkommen von über 60.000 Euro)

  • Kleines Pendlerpauschale:
    • Jahr 2025: 37,1 Prozent (vorläufig, Stand März 2026)
    • Jahr 2024: 28,0 Prozent
    • Jahr 2023: 25,1 Prozent
    • Jahr 2022: 20,4 Prozent
    • Jahr 2021: 18,5 Prozent
  • Großes Pendlerpauschale:
    • Jahr 2025: 30,3 Prozent (vorläufig, Stand März 2026)
    • Jahr 2024: 21,4 Prozent
    • Jahr 2023: 18,6 Prozent
    • Jahr 2022: 14,3 Prozent
    • Jahr 2021: 12,6 Prozent
  • Pendlerpauschale Gesamt:
    • Jahr 2025: 31,9 Prozent (vorläufig, Stand März 2026)
    • Jahr 2024: 22,8 Prozent
    • Jahr 2023: 20,0 Prozent
    • Jahr 2022: 15,5 Prozent
    • Jahr 2021: 13,9 Prozent

Quelle: BMF, VCÖ 2026

VCÖ: Vier von zehn Pendlerpauschale Bezieherinnen und Bezieher haben Arbeitsweg von unter 20 Kilometern
(Anteil Personen mit Pendlerpauschale und laut Finanzministerium zuordenbarer Arbeitsweglänge, Jahr 2024)

  • 2 bis 19 km: 39,3 Prozent
  • 20 bis 39 km: 38,1 Prozent
  • 40 bis 59 km: 12,6 Prozent
  • 60 Kilometer und mehr: 9,9 Prozent

Quelle: BMF, VCÖ 2026

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