VCÖ: Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastung in Österreich war im Vorjahr aus Gesundheitssicht zu hoch

VCÖ: Verkehrsabgase können deutlich reduziert werden, verstärkte Maßnahmen für saubere Luft umsetzen!

Autos, welche auf einer Autobahn im Stau stehen. Aus den Auspuffen sieht man Abgase aufsteigen.

VCÖ (Wien, 13. Februar 2026) – Im Vorjahr wurden in Österreich zwar die geltenden Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten, aus Gesundheitssicht war aber die Luftqualität in Österreich bei weitem nicht gut genug, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von vorläufigen Daten des Umweltbundesamts zeigt. Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Richtwerte wurden bei 69 Prozent der Stickstoffdioxid-Messstellen und bei sogar 94 Prozent der PM2,5-Feinstaub-Messstellen überschritten. Luftschadstoffe können zahlreiche Erkrankungen auslösen. Die Mobilitätsorganisation VCÖ betont, dass die Schadstoffbelastung durch den Verkehr deutlich reduziert werden kann.

Die gesetzlichen Grenzwerte für Luftschadstoffe sind aus Gesundheitssicht zu hoch. Deshalb gelten spätestens ab dem Jahr 2030 EU-weit niedrigere Grenzwerte. Im Vorjahr wurden in Österreich die künftig geltenden Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) an jeder siebten Messstelle überschritten, die künftigen Grenzwerte für PM2,5-Feinstaub sogar an vier von zehn Messstellen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts zeigt.

Die höchste Belastung mit PM2,5-Feinstaub wurde im Vorjahr in Graz gemessen, die zweithöchste in Linz. Der PM2,5-Jahresmittelwert betrug bei der verkehrsnahen Messstelle Graz-Don Bosco 14,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, bei der ebenfalls verkehrsnahen Messstelle Linz-Römerberg waren es 13,3 Mikrogramm. Das ist deutlich über dem künftigen EU-Jahresmittel-Grenzwert von 10 Mikrogramm PM2,5-Feinstaub, der unter anderem auch in Bruck an der Mur, Tulln, Traun, Oberwart, Klagenfurt, St. Pölten und Wien überschritten wurde, informiert der VCÖ.

„Aus Gesundheitssicht ist auch der künftige Grenzwert noch zu hoch. Für eine gesunde Luft sollte laut Weltgesundheitsorganisation die PM2,5-Feinstaubbelastung im Jahresmittel maximal fünf Mikrogramm betragen“, erklärt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky. Feinstaub, insbesondere Ultrafeinstaub, kann schwere Atemwegs-, Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen verursachen. Der von der WHO empfohlene Richtwert wurde in Österreich im Vorjahr bei 94 Prozent der Messstellen überschritten.

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien verdeutlicht: „Abgase aus dem Straßenverkehr enthalten gesundheitsgefährliche Schadstoffe wie Ultrafeinstaub und Stickstoffdioxid, die mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden sind. Luftverschmutzung wurde aufgrund der Feinstaubproblematik schon vor fünfzehn Jahren als krebserregend eingestuft. Nicht nur Atemwege und Herz-Kreislauf-System sind betroffen. Zunehmend zeigen sich auch Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen sowie mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Stoffwechsels, wie erhöhtes Demenz- und Diabetesrisiko.“

Beim größeren PM10-Feinstaub wurde der ab dem Jahr 2030 geltende Grenzwert für den Jahresmittelwert an vier Messstellen – drei in Graz, eine in Köflach – überschritten. Der aus Gesundheitssicht empfohlene Jahresmittel-Richtwert wurde österreichweit bei 49 Messstellen (37 Prozent aller Messstellen) überschritten.

Die österreichweit höchste Stickstoffdioxid-Belastung wies im Vorjahr die Messstelle Linz-Römerberg auf, mit einem Jahresmittelwert von 28 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft, gefolgt von den Messstellen Graz Don Bosco (27,2), Vomp bei der A12 Inntalautobahn (26,6) und die Messstelle in der Stadt Salzburg bei der A1 (25,9). Hoch war die Belastung auch in Wien am Hietzinger Kai (25,2) sowie in Vill entlang der A13, Hallein entlang der A10 und Enns entlang der A1. „Diese Daten zeigen, dass Anrainerinnen und Anrainer entlang stark befahrener Straßen besonders stark von der Stickstoffdioxid-Belastung betroffen sind. Um die Stickstoffdioxid-Belastung zu reduzieren, sind eindeutig Maßnahmen im Verkehrsbereich notwendig“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest. Vor allem Dieselabgase enthalten große Mengen an Stickoxiden. Pro Fahrzeugkilometer haben Österreichs Diesel-Pkw im Schnitt einen siebenmal so hohen Stickoxid-Ausstoß wie die Benzin-Pkw, Klein-Lkw einen achtmal so hohen und Lkw über 3,5 Tonnen sogar einen elfmal so hohen Stickoxid-Ausstoß. Fast alle Klein-Lkw und Lkw mit Verbrennungsmotor fahren mit Diesel.

Stickstoffdioxid kann Atemwege schädigen, Bronchitis und auch Lungen- und Herzerkrankungen verursachen. Zudem sind Stickoxide mitverantwortlich für die Bildung von Feinstaub und eine Vorläufersubstanz für bodennahes Ozon.

„Je mehr Schadstoffe in der Luft sind, umso mehr atmen wir ein. Das Risiko schwerer Erkrankungen nimmt vor allem für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen zu. Deshalb sind verstärkte Maßnahmen gegen Luftverschmutzung umzusetzen. Der Verkehr kann einen großen Beitrag leisten, damit unsere Luft sauberer und gesünder wird“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest.

Die am schnellsten umsetzbare und günstigste Maßnahme sind niedrigere Tempolimits. Diese reduzieren sowohl die Abgase von Kfz mit Verbrennungsmotor als auch den Reifen- und Bremsabrieb aller Kraftfahrzeuge, betont der VCÖ.

Sehr wirksam für Verbesserungen im Pendelverkehr ist Mobilitätsmanagement von Unternehmen. Dabei werden Anreize gesetzt, dass Beschäftigte mit dem Öffentlichen Verkehr, in Fahrgemeinschaften oder mit dem Fahrrad oder E-Bike zur Arbeit kommen. Setzen mehr Unternehmen Mobilitätsmanagement um, reduziert das auch die Staus im Frühverkehr.

Besonders hoch ist der Schadstoffausstoß von Verbrennungsmotoren bei Kurzstrecken, wenn der Motor noch kalt ist. Jede 10. Autofahrt ist in fußläufiger Distanz, vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Städte und Gemeinden können durch ihre Verkehrsplanung wesentlich dazu beitragen, dass mehr Kurzstrecken mit dem Fahrrad, E-Bike oder zu Fuß zurückgelegt werden.

Für die Luftqualität in den Städten sind zudem emissionsfreie Lieferzonen sowie die raschere Umstellung von Diesel-Transportern auf Elektro-Antriebe sehr wirksam, kontraproduktiv ist die im Vorjahr durchgeführte Abschaffung der Normverbrauchsabgabe für Klein-Lkw mit Verbrennungsmotor. „Im Interesse der Gesundheit von uns Menschen muss der Verkehr sauberer werden. Je früher Österreichs Immissionsschutzgesetz Luft an die EU-Werte angepasst wird, umso besser“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky abschließend fest.  

VCÖ: Im Vorjahr wurde bei zahlreichen Messstellen der WHO-Richtwert überschritten
(Anteil der Messstellen, wo im Jahr 2025 der Jahresmittelwert der Schadstoffbelastung höher als der WHO-Richtwert war)

PM2,5-Feinstaub: 94 Prozent
NO2: 69 Prozent
PM10-Feinstaub: 37 Prozent

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2026

VCÖ: Auch die künftig geltenden Schadstoff-Grenzwerte wurden vielerorts überschritten
(Anteil der Messstellen, wo im Jahr 2025 der Jahresmittelwert höher war als der spätestens ab dem Jahr 2030 EU-weit geltende Grenzwert)

PM2,5-Feinstaub: 43 Prozent
NO2: 15 Prozent
PM10-Feinstaub: 3 Prozent

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2026

VCÖ: Künftiger EU-Grenzwert für PM2,5 bei 36 von 83 Messstellen überschritten – WHO-Richtwert bei 94 Prozent der Messstellen überschritten
(vorläufige Jahresmittelwerte im Jahr 2025)

EU-Grenzwert für PM2,5 ab dem Jahr 2030: Jahresmittelwert 10 Mikrogramm / Kubikmeter Luft
Richtwert der WHO für PM2,5: Jahresmittelwert 5 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Graz Don Bosco: 14,4 Mikrogramm PM2,5 pro Kubikmeter Luft
Linz Römerberg: 13,3
Graz Süd Tiergartenweg: 13,3
Graz Triester Straße: 12,5
B116 Bruck an der Mur: 11,8
Tulln: 11,7
Traun: 11,7
Graz Nord: 11,7
Kittsee: 11,5
Oberwart B63a: 11,5
Enns Kristein A1: 11,4
Lenzing Hauptstraße: 11,3
Linz Neue Welt: 11,3
Voitsberg Mühlgasse: 11,3
Linz Stadtpark: 11,2
Klagenfurt Sterneckstraße: 11,1
Wolfsberg Hauptschule: 11
Amstetten: 10,9
Wels Linzerstraße: 10,9
St. Valentin A1: 10,8
Trasdorf: 10,8
Neusiedl im Tullnerfeld: 10,6
Zwentendorf: 10,6
Klagenfurt Völkermarkter Straße: 10,5
Klosterneuburg B14: 10,5
Leibnitz: 10,5
Wien Taborstraße: 10,5
Vöcklabruck: 10,4
Steyregg Au: 10,4
Wien A23 Wehlistraße: 10,4
Hainburg: 10,3
Weiz Bahnhof: 10,3
St. Pölten Eybnerstraße: 10,2
Linz 24er Turm: 10,2
Braunau Zentrum: 10,1
Wien Stadlau: 10,1

Bei weiteren 41 Messstellen wurde der PM2,5 Richtwert der Weltgesundheitsorganisation überschritten.

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2026

VCÖ: Künftiger EU-Grenzwert für NO2 bei 22 von 149 Messstellen überschritten – WHO-Richtwert sogar bei 103 Messstellen überschritten
(vorläufige Jahresmittelwerte im Jahr 2025)

EU-Grenzwert für NO2 ab dem Jahr 2030: Jahresmittelwert 20 Mikrogramm / Kubikmeter Luft
Richtwert der WHO für NO2: Jahresmittelwert 10 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Linz Römerberg B139: 28 Mikrogramm / Kubikmeter Luft
Graz Don Bosco: 27,2
Vomp A12 Inntalautobahn, Raststätte: 26,6
Salzburg Stadtautobahn A1: 25,9
Graz Triester Straße: 25,8
Wien Hietzinger Kai: 25,2
Vill Zenzenhof A13: 24,2
Enns Kristein A1: 24,1
Hallein A10 Tauernautobahn: 24,1
Salzburg Rudolfsplatz: 23,9
Feldkirch Bärenkreuzung: 23,6
Höchst Gemeindeamt: 23,3
Lustenau Zollamt: 23,2
Lienz Amlacherkreuzung: 23
Wien A23/Wehlistraße: 22,6
Linz Neue Welt: 21,8
Klagenfurt Nordumfahrung A2: 20,8
Wien Taborstraße: 20,8
Imst A12: 20,3
Hall in Tirol Untere Lend: 20,2
Innsbruck Zentrum: 20,2
Kundl A12: 20,1

Bei weiteren 81 Messstellen wurde der NO2-Richtwert der Weltgesundheitsorganisation überschritten.

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2026

VCÖ: Künftiger EU-Grenzwert für PM10 bei 4 von 132 Messstellen überschritten – WHO-Richtwert sogar bei 49 Messstellen überschritten
(vorläufige Jahresmittelwerte im Jahr 2025)

EU-Grenzwert für PM10 ab dem Jahr 2030: Jahresmittelwert 20 Mikrogramm / Kubikmeter Luft
Richtwert der WHO für PM10: Jahresmittelwert 15 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Graz Mitte Gries: 21,9
Graz Don Bosco: 21,5
Köflach: 21,2
Graz Süd Tiergartenweg: 20,1

Bei weiteren 45 Messstellen wurde der PM10-Richtwert der Weltgesundheitsorganisation überschritten.

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2026

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