VCÖ: Große Unterschiede beim Regionalbus-Angebot in Österreich

VCÖ: Busnetz verdichten, räumliche und zeitliche Lücken schließen

VCÖ (Wien, 8. Jänner 2025) – In absoluten Zahl hat Niederösterreich das größte Regionalbus-Angebot, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist das Burgenland Spitzenreiter, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Mobilitätsverbünde zeigt. Außerhalb Wiens gibt es pro Einwohnerin und Einwohner im Schnitt 31 Regionalbus-Angebotskilometer, das Burgenland liegt mit 53 vor Vorarlberg und Tirol an der Spitze. Für ein flächendeckendes öffentliches Mobilitätsangebot ist das Busnetz in Österreich weiter zu verdichten, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ. In den Bus-Ausschreibungen der Verkehrsverbünde sind Qualitätskriterien stärker als bisher zu berücksichtigen.

 

44 Prozent des öffentlichen Verkehrsangebots im Nahverkehr in Österreich erbringen Regionalbusse, weitere 18 Prozent Stadtbusse. 5.500 Linienbusse sind österreichweit im Einsatz. Allein das Regionalbusangebot in Österreich beträgt 227 Millionen Kilometer, informiert der VCÖ. „Gerade in den Regionen kommt den Bussen eine zentrale Rolle für die Mobilität zu. Wesentlich ist, dass man sich auf das Angebot verlassen kann und auch an Tagesrandzeiten und an Wochenenden mit dem Öffentlichen Verkehr gut und sicher von A nach B kommt“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Niederösterreich hat als flächenmäßig größtes Bundesland mit 58 Millionen Buskilometern absolut gesehen das größte Angebot, vor Oberösterreich (37 Millionen Kilometer) und Tirol (35 Millionen Kilometer). Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl weist das Burgenland mit 53 Buskilometern pro Einwohnerin und Einwohner das größte Angebot auf, knapp vor Vorarlberg mit 49 und Tirol mit 45 Kilometern pro Kopf, wie die VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Mobilitätsverbünde zeigt. Nicht enthalten sind in diesen Daten Stadtbusse und Angebote im Tourismus, wie beispielsweise Schibusse. Im Burgenland wurde vor allem im Herbst 2023 das Busangebot stark ausgeweitet.

Die Busangebote werden in Österreich gemäß EU-Vorgaben seit mehr als zehn Jahren sukzessive auf Ausschreibungsverfahren umgestellt und von den jeweiligen Verkehrsverbünden beauftragt. „Aktuell wird bei den Bus-Ausschreibungen dem Preis mehr Bedeutung zugemessen als der Qualität. Die Gewichtung der Qualitätskriterien schwankt je nach Bundesland zwischen 20 und 45 Prozent. Im Interesse der Fahrgäste und des Lenkpersonals ist eine Gewichtung von 50 zu 50 bei Qualität und Preis anzustreben“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Das Billigstbieterprinzip bedeutet, dass die Busunternehmen bei Personalausgaben keinen Spielraum haben, was dazu führen kann, dass die Bereitstellung von Pausenräumen oder Toiletten eingespart wird. Darunter leidet letztlich auch die Angebotsqualität für die Fahrgäste. Qualitätskriterien können darüber hinaus auch Aspekte im Bereich Kundenzufriedenheit und Beschwerdemanagement, Fuhrparkmanagement sowie Vermeidung von Ausfällen und Verspätungen umfassen und sollten daher in den Ausschreibungen stärker gewichtet werden, fordert der VCÖ.

Potenzial für Kosteneinsparungen gibt es, wenn die technischen Vorgaben für die Bus-Ausstattung Verkehrsverbünde übergreifend vereinheitlicht wird und damit die Anschaffungskosten über Sammelbestellungen reduziert werden können. Zudem kann die verstärkte Zusammenarbeit mit dem Tourismus das Busangebot für die lokale Bevölkerung verbessern. So wird in Salzburg ab Mai zusätzlich zur Nächtigungsabgabe eine touristische Mobilitätsabgabe von 50 Cent pro Gast eingehoben. Damit wird ein Beitrag zur Finanzierung des Angebots geleistet, gleichzeitig können die Urlaubsgäste das öffentliche Verkehrsangebot nutzen.

Mehr Angebot bringt mehr Fahrgäste, wie österreichweit zahlreiche Beispiele zeigen. So nahm im Tiroler Unterinntal nach Umsetzung eines Stundentakts auf einer Linie die Zahl der Fahrgäste um 40 Prozent zu, bei einer zweiten Linie hat sich die Zahl der Fahrgäste verdoppelt. Im Waldviertel ist die Anzahl der Fahrgäste an Werktagen nach Umstellung von Zwei- auf Ein-Stundentakt um 81 Prozent gestiegen. „Angesichts flexiblerer Arbeitszeiten und mehr Teilzeit braucht es regelmäßige Verbindungen. Die Fahrgäste müssen sich darauf verlassen können, dass sie auch dann, wenn sie länger arbeiten müssen, sicher nach Hause kommen“, betont VCÖ-Experte Schwendinger.

Darüber hinaus ist die Bevölkerung vor Ort über das bestehende Angebot besser zu informieren. Über Mobilitätsmanagement von Betrieben und Freizeiteinrichtungen können wiederum Anreize gesetzt werden, das Angebot zu nutzen.

VCÖ: Burgenland hat pro Kopf die meisten Bus-Angebotskilometer
(Angebotskilometer mit Regionalbussen pro Einwohnerin und Einwohner, ohne Stadtbusse und ohne touristische Angebote wie zB Schibusse)

Burgenland: 53 km

Vorarlberg: 49 km

Tirol: 45 km

Niederösterreich: 34 km

Salzburg: 30 km

Kärnten: 26 km

Oberösterreich: 24 km

Steiermark: 23 km

Quelle: Mobilitätsverbünde Österreich, VCÖ 2025

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Foto:  Petra Bork/pixelio.de