VCÖ: Großes Potenzial des Radverkehrs in Österreich wird viel zu wenig genutzt

VCÖ: Vielerorts in Österreich erheblicher Aufholbedarf bei der Rad-Infrastruktur

Foto: Lächelnde Person auf Fahrrad. Im Hintergrund ist ein Markt zu sehen.

VCÖ (Wien, 2. Juni 2026) – Vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer und damit in Radfahrdistanz. Zwei Drittel von Österreichs Haushalten haben mindestens ein funktionstüchtiges Fahrrad. In Vorarlberg legt die Bevölkerung bereits 22 Prozent ihrer Alltagswege mit dem Rad zurück, österreichweit sind es weniger als zehn Prozent. Das Potenzial für mehr Radverkehr ist in Österreich groß und wird bei weitem nicht ausgeschöpft, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ anlässlich des Welttags des Fahrrads am 3. Juni aufmerksam. Der VCÖ fordert eine österreichweite Rad-Infrastrukturoffensive sowie in Gemeinden und Städten sichere Bedingungen zum Radfahren durch mehr Verkehrsberuhigung und mehr Tempo 30 statt 50.

„Österreich bringt sehr viele Voraussetzungen mit, um ein Radfahrland zu sein. Viele Alltagswege sind in Radfahrdistanz, es gibt sehr viele Fahrräder und Fahrrad-Haushalte, es werden deutlich mehr Fahrräder als Autos gekauft und Elektrofahrräder sind das meistverkaufte E-Fahrzeug in Österreich. Bei einer wichtigen Voraussetzung hat Österreich allerdings vielerorts noch großen Aufholbedarf: Bei einer attraktiven, sicheren Radinfrastruktur“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest. 63 Prozent der Haushalte in Österreich besitzen mindestens ein funktionstüchtiges Fahrrad. In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 2,2 Millionen neue Fahrräder verkauft und damit um rund 80 Prozent mehr als neue Autos gekauft wurden. Im Vorjahr wurden 222.730 wurden Elektrofahrräder verkauft - fast viermal so viele wie Elektroautos.

Für einen hohen Radverkehrsanteil sind aber sichere Bedingungen zum Radfahren eine zentrale Voraussetzung. Neben Radwegen sind in Gemeinden und Städten auch Verkehrsberuhigung, Tempo 30 statt 50 oder Fahrradstraßen gute Möglichkeiten, um für alle Altersgruppen sichere Bedingungen zum Radfahren zu schaffen. Überall dort, wo die Höchstgeschwindigkeit des Kfz-Verkehrs höher als 30 km/h ist, braucht es baulich getrennte Radwege. Insbesondere in den Regionen ist es wichtig, dass Siedlungen mit dem nächstgelegenen Ort auch über sichere Radwege verbunden sind. „Wenn eine Freilandstraße die einzige Verbindung ist, ist es kein Wunder, wenn auch für kurze Strecken das Auto genommen wird“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Wie wichtig die Radinfrastruktur für die Sicherheit beim Radfahren ist, belegt auch die Unfallstatistik. Im Drei-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2024 kamen in Österreich 118 Menschen mit einem Fahrrad oder E-Bike bei Verkehrsunfällen ums Leben. Kein einziger tödlicher Radunfall passierte auf einem eigenen, baulich getrennten Radweg. 83 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrenden kamen auf Kfz-Fahrbahnen ums Leben, 17 Prozent auf nicht baulich getrennten Radverkehrsanlagen wie Radfahrstreifen oder Mehrzweckstreifen, wie eine VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. „Auf Radwegen fühlen sich zudem die meisten sicherer, insbesondere jene Menschen, die selten Radfahren. Eine hohe gefühlte Sicherheit ist wiederum entscheidend dafür, dass häufiger mit dem Rad gefahren wird, wie auch wissenschaftliche Studien belegen. Österreich ist gut beraten, sich an den Besten in Europa zu orientieren“, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Denn in Europa beweisen bereits zahlreiche Städte, dass ein hoher Radverkehrsanteil möglich ist. In den Niederlanden gibt es mehrere Städte, wo die Bevölkerung mehr als 40 Prozent der Alltagswege mit dem Rad fährt: In Leiden (130.000 Einwohnerinnen und Einwohner) und Groningen (245.000 EW) sind es jeweils 44 Prozent, in Zwolle (130.000 EW) 43 Prozent und in Utrecht (380.000 EW) 42 Prozent. Mehr als 30 Prozent Radverkehrsanteil erreichen beispielsweise die belgische Stadt Gent (273.000 EW) mit 33 Prozent sowie in Deutschland Freiburg (238.000 EW) mit 34 Prozent, Münster (320.000 EW) mit 32 Prozent und Bocholt (73.000 EW) mit 31 Prozent.

Aber auch in Österreich ist bereits heute zu sehen, dass ein hoher Radverkehrsanteil möglich ist. Bei den Bundesländern ist Vorarlberg mit 22 Prozent klarer Spitzenreiter vor Tirol mit 14 Prozent und Salzburg mit 13 Prozent, informiert der VCÖ. Innsbrucks Bevölkerung legt innerhalb der Stadt immerhin 30 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück. Vorarlbergs Hauptstadt Bregenz hat einen Radverkehrsanteil von 27 Prozent, in Lustenau sind es sogar 34 Prozent, macht der VCÖ aufmerksam. In der Stadt Salzburg wiederum ist für die Stadtbevölkerung das Fahrrad das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel am Arbeitsweg mit 37 Prozent. Und Vorarlbergs Seniorinnen und Senioren fahren 27 Prozent ihrer Alltagswege mit dem Rad, das ist sogar mehr als die Generation 65 plus in den Niederlanden, die 26 Prozent ihrer Alltagswege mit dem Rad fahren.

„Viele Verkehrsprobleme können reduziert werden, wenn österreichweit der Radverkehrsanteil deutlich steigt. Zudem ist Radfahren kostengünstig und gesund. Wer häufig mit dem Fahrrad mobil ist, kommt auf eine regelmäßige Portion gesunde Bewegung. Umso wichtiger ist es, dass die Politik in den Gemeinden, Städten, Bundesländern und auf Bundesebene Maßnahmen setzt, die es der Bevölkerung einfacher machen, mit dem Rad mobil zu sein", betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Der VCÖ erhebt nun im Rahmen einer Umfrage, wie radfahrfreundlich Österreichs Gemeinden und Städte von Radfahrerinnen und Radfahrer erlebt werden. An der Umfrage kann noch bis 21. Juni hier teilgenommen werden.

VCÖ-Radfahrumfrage
VCÖ-Factsheet "Mehr Radverkehr durch sichere Infrastruktur"

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